Sprichwörtlich gemütlich

Münchner lächeln etwas gequält, wenn sie auf ihren begehrten Wohnort angesprochen werden. Man kennt sie ja, diese masochistischen Erhebungen bei wehrlosen Bürgern aus Emden, Herne und Kassel: „Wo möchten Sie am liebsten wohnen, wenn Sie die Wahl hätten?“ In München, echot es ebenso regelmäßig wie vergeblich.

Nun aber scheint es einen kurzfristigen Einbruch gegeben zu haben. Ist das zu glauben – die Bevölkerungszahl Münchens wächst nicht mehr so zuverlässig beängstigend wie gehabt? Wenn auch der Rest der Republik davon wenig gemerkt hat, in den Spalten der Süddeutschen Zeitung klang Sorge an. Zum Bericht „Bevölkerungsschwund überwunden“ meldete sich am 9. September Herr Ludwig Schichtl aus 8011 Vaterstetten zu Wort: „Gott sei Dank ist München gerade noch rechtzeitig der Leichenfrau vom Tisch gesprungen. Die Bevölkerungszahl nimmt wieder zu. Es bestand ja schon die berechtigte Befürchtung, die vielen freien Parkplätze könnten unbenutzt verkommen. Auch wurde in der Dunstglocke bei München schon das eine oder andere kleine Loch wahrgenommen. Diese Löcher werden jetzt sicher bald wieder dicht sein. Die Wachstumspause des Müllbergs ist endlich auch vorüber und die Wasserwirtschaftler sind’s zufrieden, daß ihnen das reichlich sprudelnde Trinkwasser nicht sauer wird.

Noch eine Empfehlung an die Stadtväter: Rührt nur weiter fleißig die Werbetrommel für den Zuzug nach München; dann kann man endlich den Forstenrieder Park und den Perlacher Forst und die Aubinger Lohe roden (urbar machen) und Wohnungen hinbauen. Das schafft Arbeitsplätze und sorgt für weiteren Zuzug. Und bald kehrt auch bei uns die sprichwörtlich gewordene Gemütlichkeit von Kairo oder Mexico City ein.“

Ein Prosit...

Auschwitz, Australien

Es gibt Zeitungsmeldungen, die einem die Sprache verschlagen. Diese kurze Notiz der Deutschen Presse-Agentur aus Melbourne zählt dazu:

„In Australien soll ein umstrittenes Videospiel, das den Namen des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz trägt, aus dem Verkehr gezogen werden. Der für Verbraucherfragen zuständige Minister des Bundesstaates Victoria, Peter Spyker, bezeichnete das Spiel... als eine ‚Gefahr für die öffentliche Moral‘. Er forderte die Justizbehörde auf, es aus den Läden zu entfernen. Beim „Auschwitz-Video“ kann der Spieler die Nazi-Bewacher eines Konzentrationslagers so bewegen, daß sie die Juden töten, die den Gasöfen entkommen. Auch Vertreter der jüdischen Vereinigungen Australiens haben protestiert.“