„Es macht mir Spaß“, sagt Martin, „aber es ist nicht immer leicht. Alte Menschen können einem auch ganz schön zusetzen. Aber dann sag’ ich mir, irgendwann bist du auch alt, und dann möchtest du auch nicht so behandelt werden, als seist du kindisch geworden.“ Ein Seitenhieb auf den Sprachgebrauch in Krankenhäusern, in denen alte Patienten nicht selten mit der stereotypen Frage „Na-wie-geht’s-uns-denn-heute-Oma?“ (oder Opa) ganz weit unten in der Skala der Vernünftigen eingestuft werden.

Tagespflegeheime sind keine Kindergärten für alte Menschen. Das Stader Modell hat auch im eigenen Rathaus überzeugt. Nicht zuletzt deshalb, weil man im Haus Heidberg mit Herma Schulenburg eine Sozialpädagogin hat, die besonders für Altenpflege ausgebildet wurde. „Kinderpflegerinnen“, sagt sie, „findet man natürlich viel leichter. Aber wer nicht die Geduld aufbringt, mit alten Menschen vernünftig umzugehen, der sollte die Finger von der Altenbetreuung lassen.“

Die sozialpolitischen Diskussionen der letzten Jahre über die Probleme pflegebedürftiger älterer Menschen standen meistens unter der Überlegung, daß die Kosten einer stationären Betreuung für den Tag zu hoch seien. Das Modell Haus Heidberg beweist, daß sich das finanzielle Problem lösen läßt, wenn die Stadt mitzieht. Mit zwölf Personen pro Tag ist das Haus ausgebucht, es gibt sogar eine Warteliste. Der Tagessatz für Selbstzahler beträgt 35 Mark. Wer von den Angehörigen gebracht und abgeholt wird, zahlt fünf Mark weniger. Das Haus wird von der Stadt subventioniert, sonst wäre es etwa zehn Mark teurer.

Zwischen 30 und 70 Mark liegen (ohne die Transportkosten) die Sätze in den deutschen Tagespflegeheimen der Bundesrepublik, die meisten allerdings nicht unter 50 Mark. Viele alte Menschen können soviel Geld nicht aufbringen. Soll das Tagesheim eine Einrichtung für alle sein, muß es also schon subventioniert werden.

Im Januar 1984 legte die Bundesregierung eine Modell-Kalkulation über die Bevölkerungsentwicklung in unserem Land vor. Daraus ergab sich, daß im Jahr 2000 bereits jeder vierte Bundesbürger über 65 Jahre alt sein wird. Die Zahl der Menschen im Alter von 60 und mehr Jahren wird dabei von 11,8 Millionen im Jahr 1985 auf 13,5 Millionen im Jahr 2030 steigen.

Die „übersehene Generation“ wird in den nächsten Jahren also immer weniger zu übergehen sein. Die Hundertjährigen, deren Jubiläen heute noch medienträchtig sind, werden im Jahr 2000 so zahlreich sein, daß keine Fernsehanstalt dafür noch den Bildschirm freimacht.

Das Problem ist erkannt. „In den bisher vorliegenden Gesetzentwürfen der Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern, sowie in dem Papier des Bundes von 1986 wird der Vorrang der häuslichen, familiären Pflege bei älteren Menschen anerkannt.“ (Großjohann) Die Tagesbetreuung wird dabei eine immer größere Rolle spielen. Auch dieser Fall, der wieder in Flensburg spielt, gehört zum Thema: