Guter Rat ist bekanntlich teuer. Doch wer will entscheiden, ob der Sachverständigenrat sein Geld wert ist? Seit seiner Berufung 1963 hat er den Steuerzahler über dreißig Millionen Mark gekostet. Dies dürfte alles in allem ein eher bescheidener Preis für das jährliche Gutachten sein, das die fünf Weisen regelmäßig im Herbst abliefern. Dazu kamen bisher vierzehn Sondergutachten.

Auf jeden Fall wird der Sachverständigenrat in Bonn ernster genommen als die fünf großen Wirtschaftsforschungsinstitute der Bundesrepublik, die zweimal im Jahr ein Gemeinschaftsgutachten verfassen. Nur die Öffentlichkeit scheint die Arbeit des Sachverständigenrats nicht richtig zu würdigen. Im vergangenen Herbst ermittelten die Tübinger Wickert Institute bei einer Befragung, daß nur 4,1 Prozent aller bundesdeutschen Unternehmen Vertrauen in die Gutachten der fünf Professoren haben.

Einen besonders originellen Slogan hat sich die CDU einfallen lassen, um der Steuerreform zu mehr Popularität zu verhelfen. „Wir senken die Steuern“, heißt die Schlagzeile der sechzehnseitigen Zeitung, die in fast zehn Millionen Exemplaren unters Volk gebracht wird – just in dem Augenblick, in dem Finanzminister Gerhard Stoltenberg die Erhöhung indirekter Steuern ankündigt.

Die Bundesregierung träumt wohl immer noch davon, aus dem „Jahrhundertwerk“ einen Verkaufsschlager zu machen. Diese Aufgabe übernimmt jetzt die CDU („Die CDU – die Steuersenkungspartei“). Ihr Generalsekretär Heiner Geißler hatte wiederhohl der Bundesregierung vorgeworfen, sie habe die Steuerreform miserabel verkauft. Nach Geißler ist die Werbekampagne auch deshalb notwendig, „weil eine unheilige Allianz von SPD, DGB-Funktionären und anderen Interessenverbänden“ die Bedeutung der Reform „zu vernebeln, zu verschleiern und zu diskreditieren versuchen“.

Populär ist sie jedenfalls nicht. Nach einer jetzt im Handelsblatt veröffentlichten Studie der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung glauben nur fünfzehn Prozent aller Haushalte, die Lohn- oder Einkommensteuer zahlen, daß sie einen Vorteil (also höhere Netto-Einkommen) zu erwarten haben.

So manches Bonner Ministerium stöhnt unter der Last der schriftlichen Fragen, die von Abgeordneten eingereicht werden und (laut Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages) binnen einer Woche nach Eingang beantwortet werden müssen. Dabei, so klagen Beamte, werden die Fragestellungen immer detaillierter.

Ein oft wiederkehrendes Beispiel sind die Anfragen zum Zugverkehr der Deutschen Bundesbahn, die an den Verkehrsminister gerichtet werden. Sobald in einem Wahlkreis etwas nicht nach Wunsch läuft, reicht der zuständige Abgeordnete eine Frage ein; die Antwort wird dann als Beleg für den unermüdlichen Einsatz des Volksvertreters unters unzufriedene Wählervolk verteilt. Da erkundigte sich etwa der SPD-Mann Ernst Haar, nebenbei Vorsitzender der Gewerkschaft der Eisenbahner, nach einer Stillegung der Strecke Schorndorf – Rudersberg. Sein Fraktionskollege Fred Zander ging noch mehr ins Detail: „Welche Absichten bestehen seitens der Deutschen Bundesbahn, Aufzüge in den S-Bahn-Stationen Frankfurt-Konstabler Wache, -Niederrad, -Galluswarte und -Westbahnhof einzubauen?“