Streit herrscht zwischen Bundesbahn und Mitfahrzentrale. Nach Ansicht der DB-Direktion Hamburg ist der Handel mit teilbenutzten Fahrkarten strafbar.

Das Geschäft mit den Bahntickets blühte bislang in aller Öffentlichkeit. In örtlichen Szene-Blättern, an den schwarzen Brettern in den Universitäten oder aber am Schalter von Mitfahrzentralen annoncierten DB-Kunden ihre nur zum Teil benutzten Fahrkarten. Meist stammten sie aus dem Fundus der Bahn-Sonderangebote wie etwa aus dem „Supersparpreisprogramm“, das den Reisenden für 120 Mark plus fünf Mark IC-Zuschlag beispielsweise von Kiel nach München und retour befördert.

Doch mit dem Verkauf von Fahrkarten für Teilstrecken soll es nach dem Willen der Eisenbahner nun vorbei sein. Die Hamburger Direktion verschickte unlängst an in Norddeutschland ansässige Mitfahrzentralen Einschreiben – Briefe, in denen an die einschlägige Verkehrsordnung erinnert wird. Danach sind Fahrausweise, die nicht den Namen des Benutzers tragen, nur dann übertragbar, wenn die Reise nochnicht angetreten ist. Mithin sei der Verkauf von Tickets, die etwa durch eine Hinreise schon zum Teil benutzt worden sind, schlicht Betrug.

Die Adressaten des Bahnbriefes sehen die Lage indessen anders. So spricht etwa die Asta-Mitfahrinitiative in Kiel von einem „Einschüchterungsversuch“ und dem „untauglichen Versuch, die Milliardenverluste der Bahn auf Kosten der Bahnbenutzer zu vermindern“. Im übrigen sind Gegenmaßnahmen bereits beschlossene Sache. Um eine „Kriminalisierung“ der Kundschaft zu vermeiden, wollen die Mitfahrorganisatoren künftig ihre Ware als sogenannte „Sammlertickets“ weiterveriußern. Selbst der Hinweis, die Benutzung sei verboten, soll nicht fehlen.

Hamburgs Bahnsprecher Reinhard Faßbinder hält diesen Schachzug der Gegenseite für scheinheilig, er spricht von „Etikettenschwindel“. Sein Haus möchte „den Anfängen wehren“ und zunächst die Öffentlichkeit sensibilisieren. Offenbai weiß man um die Gefahr, mit einem allzu forschen Vorgehen potentielle Vollzahler von morgen zu vergraulen.

Zunal sich auch die Mitfahrzentralen nicht frei von Selbstkritik zeigen. Die Aufforderung zum Ticket-Handel mittels eines Werbespots in Hamburger Kinos, so Jörg-Peter Kassau aus der Kieler Dependance, „war wohl doch zu heavy“.

hbk