Gefangene leben länger als die Durchschnittsbevölkerung. Insbesondere scheint ihr Krebsrisiko deutlich niedriger zu sein, haben französische Wissenschaftler (The Lancet 11/87, S. 1012) bei der Sichtung aller Todesursachen männlicher Gefangener im Alter von 15 bis 60 Jahren in Frankreich festgestellt.

Setzt man das durchschnittliche Sterberisiko für Männer dieser Altersgruppe gleich 100, so beträgt es für die Häftlinge nur 92. Bei einer Aufschlüsselung nach Todesursachen ergibt sich folgendes Bild: Rund dreimal höher (bei 313) liegt die Selbsttötungsquote der Gefangenen, dagegen sind äußere Gründe – etwa Unfälle, Vergiftungen oder Gewalteinwirkungen – dreimal seltener (34) als gewöhnlich. Werden Selbsttötung und äußere Faktoren ausgeklammert, dann ergibt sich ein noch günstigerer Durchschnittswert von 84 für die Häftlinge. Dies, obwohl Herz-Kreislauferkrankungen hinter Gittern mit einem Index von 152 signifikant häufiger auftreten als in Freiheit. Bemerkenswert ist, daß Kreislaufversagen vor allem in den ersten sechs Haftjahren auftritt, dann mit einer gut doppelt so hohen Rate (226) wie in Freiheit. Bei länger Sitzenden liegt dieses Risiko wiederum deutlich unter dem Durchschnitt. Etwa halb so hoch wie in Freiheit (54) ist die Sterblichkeitsrate an bösartigen Tumoren. Auch hier sinkt das relative Risiko deutlich mit steigender Haftdauer. Eine schlüssige Erklärung für die niedrige (Krebs)-Sterblichkeit gibt es bisher nicht./Sie ist auch insofern erstaunlich, als tendenziell schädliche Faktoren wie zum Beispiel Tabak-, Alkohol-, Arzneimittel- und Drogenkonsum bei Häftlingen eher überdurchschnittlich verbreitet sind.

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Die Gentherapie erblich bedingter Blutkrankheiten ist wieder ein Stück näher gerückt. In der Zeitschrift Nature (Bd. 331/88, S.37) berichtet ein amerikanisches Wissenschaftlerteam aus Cambridge/Massachusetts und Washington, daß menschliche Gene, die wichtig für die Blutbildung sind, nach einer Übertragung in Knochenmarkzellen von Mäusen dort auch tatsächlich ihre Wirksamkeit entfalten. Bis vor kurzem galt zwar die Übertragung blutbildender Gene als möglich, nur blieben sie in den neuen Wirtszellen meist inaktiv, ihr „Einschalten“ schien deshalb von einem schwierig durchschaubaren Regelmechanismus abhängig zu sein.

Langfristig besteht die Hoffnung, von solchen Tierexperimenten für die Humantherapie zu lernen und durch Genübertragung dann weitverbreitete Blutkrankheiten wie die Sichelzellanämie oder Thalassämie lindern oder heilen zu können. In einem Kommentar zu dem Bericht wird darauf verwiesen, daß es sich bei diesen Experimenten um Veränderungen von Körper- und nicht von Keimzellen handelt, daß somit die übertragenen Gene nicht an spätere Generationen weitergegeben werden.

Künstliches Licht und die Krankheitsanfälligkeit von Schülern ist der Gegenstand eines bemerkenswerten Kurzberichtes von Wayne P. London in der Fachzeitschrift The Lancet (11/87, S. 1205). In drei Klassenräumen einer Grundschule von Brattleboro im US-Bundesstaat Vermont wurden im Dezember 1986 die gewöhnlichen Lampen durch Fluoreszenzlampen ersetzt, die das volle Spektrum des natürlichen Lichtes abgaben. In diesen drei Klassen stiegen im ersten Halbjahr ’87 die krankheitsbedingten Absenzen nicht an, wie in der Winter- und Frühjahrszeit üblich. Sie sanken vielmehr von 2,3 auf 2,2 Krankheitstage pro 100 Tage und Schüler leicht aber nicht signifikant ab. In drei Vergleichsklassen mit dem üblichen Licht lag die entsprechende Absenzrate hingegen signifikant höher, nämlich bei 3,3. Wayne London, der dieses Ergebnis angeblich selbst nicht erwartet hatte, vermutet, daß natürliches Licht über hormonelle Einflüsse für eine bessere Immunabwehr sorgt als das übliche Kunstlicht. Die Studie bedarf allerdings noch einer Überprüfung, denn die Schüler und Lehrer wußten um die ausgetauschten Lampen.

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