„Die Katze“ von Dominik Graf

Daß es so etwas wieder gibt: deutsche Filme fürs Kino, die einfach ihre Geschichte erzählen. Und denen das Einfache genügt. Keine besondere Idee, kein zusätzliches Interesse, das die Erzählung zu bereichern sucht. Nur Menschen in Bewegung, ihre Strategien, Taten, Zeichen, Gesten – und die Gefühle, die dabei entstehen. Bei Klick, Petersen, Schenkel, Blumenberg. Und nun bei Dominik Graf.

Männer überfallen eine Bank, ein dritter überwacht und dirigiert sie von außen, eine Frau überlegt, wie sie ihren Vorteil nutzen kann, und ein Polizist ficht einen fanatischen Kampf, um allen zu beweisen, daß er noch immer der beste ist. Jedes Ereignis, jeder Blickwechsel, jede Figur ein kalkulierter Ausdruck. Selbst Martin Schäfers Kamera, die sich sonst so gerne in abenteuerlichen Einzelheiten verliert, ist hier funktional verkürzt. „Die Katze“ ist ein bundeseutsches Remake von Sidney Lumets „Hundstage“. Nur ist der neurotische Unterton ersetzt durch professionelle Coolness. Graf zeigt den Gangster nicht als tragischen Helden, sondern als berechnenden Spieler, und den Polizisten nicht als biederen Ordnungshüter, sondern als des Gangsters Widerpart: den besseren Scharfrichter. Für beide gilt als Motto, was einer der Bankräuber einmal sehr direkt ausspricht: „Das Leben ist eine Sau, aber manchmal schlachtet man sie.“

Grafs Film ist, von dem betulichen Anfang abgesehen, ein gut gemachter Actionthriller. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger. Norbert Grob

„Schloß Königswald“ von Peter Schamoni

Im Tal kauern böhmische Dörfer, hoch droben thront Schloß Königswald. Gleich nebenan muß der Silberwald beginnen, ein paar Hügel weiter vermuten wir das Schloß Hubertus: Der deutsche Heimatfilm kehrt zurück – als Literaturverfilmung getarnt. Horst Bienek nämlich schrieb einst den Roman „Schloß Königswald“, hat später auch am Drehbuch mitgebastelt – Peter Schamonis Film aber sieht so aus, als hätte Ludwig Ganghofer die Vorlage geliefert: eine ebenso traurige wie tröstliche Geschichte aus jenem Teil der deutschen Heimat, der nach dem Krieg ein Raub der Kommunisten wurde.

Geschichte, das ist strenggenommen ein Euphemismus: Denn im Grunde betreibt Schamoni schamlos Geschichtsfälschung. Sein Film spielt 1945, ein paar Tage vor dem Zusammenbruch des Reiches. Auf Schloß Königswald haben sich sieben hochadelige und noch höher beugte Damen zusammengefunden, um dem Schicksal zu trotzen. Ein Aufstand alter Frauen: sie gehen gebeugt und zeigen doch Rückgrat. Arrogant vergraulen sie die letzten versprengten und verdreckten Wehrmachtsreste, empfangen später die Amerikaner mit offenen, wenngleich zittrigen Armen und ziehen am Schluß mit der US-Army gen Westen. Denn schon naht der russische Untermensch und die tschechischen Domestiken werden auch immer frecher. So einfach ist das: Ignoranz ist gleich Widerstand und Verkalkung nur eine besonders raffinierte Art von Subversion.