Nun sogar der Hase. Nicht länger sind es nur exotische Vertreter der Fauna wie die arktische Smaragdlibelle, die untergehen. Allmählich verschwinden auch Kiebitz und Grünspecht, Rebhühner, Haus- und Feldsperlinge. Biologen, die den Bundeskanzler besuchten, befürchten bis zum Ende des Jahrtausends einen Artenschwund um dreißig Prozent.

Wozu eigentlich brauchen wir Hasen? Wer hat schon je einen gesehen? Aus der Häschenschule kennen wir sie, so wie wir die Tiger aus Kipling kennen und die Walfische aus Melville. Schon lange schwebt ja etwas Surreales über der Szene: Eltern führen ihren Kindern noch Bilderbücher von Bauernhöfen vor, füttern sie mit Fiktionen abgelebter Epochen. Gesellschaft hat über Natur gesiegt. Die ganze Welt haben wir uns angeeignet, haben die Tiere benutzt, um uns zu ernähren und uns zu verstehen: Lafontaine, Carroll und die Firma Steiff... Was geschieht eigentlich, wenn die Vorlagen für den Kuschelhasen, den Fabelhasen, den Playboy-Hasen abhanden kommen? Nichts. Wir haben sie uns längst einverleibt, die Tiere. Sie sind verschwunden in unseren Schlachthäusern, in unseren Fabeln, in unseren Erfindungen.

Noch ein paar Generationen lang werden wir sie in den Zoologischen Gärten halten, zur Auffrischung der Phantasie und als Personal für Tierfilme und Abenteuerparks. Danach sind wir dann allein. Dann gibt es nur noch uns. Uns Menschen.

Gff