Zum zweiten Mal innerhalb von zehn Monaten hat ein argentinischer Offizier die Demokratie herausgefordert. Aldo Rico, ein Held des Falkland-Krieges und nicht verdächtig, im „schmutzigen Krieg“ der siebziger Jahre gefoltert zu haben, gab nach vier Tagen am Montag auf, weil die Mehrheit der Streitkräfte loyal zur gewählten Regierung stand. Die Rebellion des Mannes, der wegen des „Osterputsches“ 1987 und Beleidigung seines Oberbefehlshabers vor Gericht sollte, wurde erneut erstickt.

Ende gut, alles gut? Keineswegs! Ricos zweiter Versuch hat unter seinen Kameraden viel Beifall gefunden, euphemistisch als „Disziplinschwierigkeiten“ umschrieben, auch wenn sie sich der Erhebung nicht anschlössen. Der Sturz der demokratischen Regierung oder gar eine militärische Machtübernahme war auch gar nicht geplant. Rico und seine Bundesgenossen zielen auf Beschleunigung eines Prozesses, der seit zwei Jahren zu beobachten ist: Die Streitkräfte entziehen sich dem zivilen Befehl und erzwingen den alten Status eines „Staates im Staate“, der sich selbst regiert und die Verbrechen seiner Mitglieder nach eigenen Vorstellungen ahndet – will heißen: nicht bestraft.

Schritt für Schritt hat die Regierung Alfons in diesem Drängen nachgeben müssen. Selbst des Mordes überführte Offiziere konnte sie nicht entlassen, mußte sie in Einzelfällen sogar befördern. Das Militär pfeift auf Alfonsins Versöhnung durch Recht und Gerechtigkeit; es verdrängt den schmutzigen Krieg wie die Falkland-Niederlage und fühlt sich zunehmend wieder als der bessere Teil Argentiniens – der mächtigere ist es ohnehin.

Die Existenz der argentinischen Demokratie stand über das Wochenende nicht auf dem Spiel. Noch nicht – sie haf nur erneut ein Stück Macht über ihre Feinde verloren.

-bi