ZEIT: Seit April 1987 ist bekannt, daß zwei Mitarbeiter der Nukem entlassen wurden und daß über hundert Mitarbeiter von Stromkonzernen und Atomreaktoren Bargeld oder Geschenke bekommen haben, darunter vier Sicherheitsinspektoren. Warum haben Sie bis Mitte Dezember immer erklärt, es seien keine Sicherheitsbelange betroffen?

Karlheinz Weimar: Nach Amtsübernahme habe ich Anfang Mai zusammen mit dem Bundesumweltministerium, dem Justizministerium und der Staatsanwaltschaft diesen Gesamtkomplex besprochen. Wir sind damals so verblieben, daß die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen führt und uns über den jeweiligen Stand der Untersuchung informiert. Wir haben viele Male nachgefragt, die Äußerung der Staatsanwaltschaft war jeweils die, es gibt aus der ganzen Schmiergeldaffäre, keinerlei Hinweise darauf, daß irgendwelche sicherheitsrelevanten Dinge angesprochen sind.

ZEIT: Aber seit Oktober ist klar, daß bei Mol ein Unfall vertuscht worden ist, und seit Juni ist die Bestechung von zumindest zwei leitenden Angestellten dort bekannt. Spätestens da hätten Sie doch mal tätig werden müssen?

Weimar: Nein, entschieden nicht, um das mal ganz deutlich zu sagen. Allen Dingen, die dort aufgekommen sind, ist die Staatsanwaltschaft nach meinen Informationen nachgegangen. Von dort haben wir kein Alarmsignal bekommen. Ich bitte Sie, wo hätten wir denn ansetzen sollen?

ZEIT: Sie haben mehrfach erklärt, daß Sie keinen Anlaß sehen, die Zuverlässigkeit der Transnuklear und der Nukem-Geschäftsführung in Zweifel zu ziehen. Seit Ende Juni wußten die Ermittlungsbehörden, daß Herr Dr. Hackstein zum Schmieren ermuntert haben soll. Die ZEIT hat Anfang September unwidersprochen geschrieben, daß Herr Stephany von all diesen Dingen gewußt hat. War das immer noch nicht genug?

Weimar: Wir haben unabhängig von diesen Vorwürfen schon im Sommer alle Hanauer Nuklearbetriebe, außer Transnuklear, die nicht unserer Aufsicht unterliegt, einer internen Organisationsüberprüfung unterzogen. Ich kann einfach nicht aufgrund von irgendwelchen unsubstantiierten Verdächtigungen, die mir auf irgendwelchen sonstigen Wegen zugetragen werden, dort Untersuchungen in die Wege leiten.

ZEIT: Sie haben sich als sehr substantiiert erwiesen. Außerdem: Können Sie als einflußreicher CDU-Politiker es zulassen, daß lediglich zwei Beamte im Landeskriminalamt in Wiesbaden diesen Ermittlungskomplex von über hundert Beschuldigten aufklären sollen?