Das überraschend deutlich verringerte Defizit in der Außenhandelsbilanz der Vereinigten Staaten hat die Stimmung an den Weltbörsen zwar gebessert, aber noch längst keine Wende zum Besseren bewirkt. Immerhin sind aber die Crash-Propheten vorsichtiger geworden, was auch auf den deutschen Aktienmarkt zutrifft. Der allerdings hat zunehmend mit hausgemachten Problemen zu kämpfen. Von Ausländern werden gerade diese als Grund angegeben, warum sie sich weiterhin von deutschen Aktien trennen.

Selbst wenn gegenwärtig von einer zielgerichteten, analytisch untermauerten Anlagepolitik am Aktienmarkt noch keine Rede sein kann, so bilden doch die für 1988 zu erwartenden rückläufigen Gewinne der Unternehmen einen Störfaktor. Das gilt, selbst wenn berücksichtigt wird, daß deutsche Aktien im internationalen Vergleich nach wie vor preiswert sind.

Daß in- und ausländische Anleger durch die unterschiedlichen Wachstumsprognosen irritiert sind, ist verständlich. Zur Verunsicherung tragen zudem die Vorgänge um die Nukleargesellschaft Nukem in Hanau bei. Auch wenn sich die Anschuldigungen gegen diese Gesellschaft als übertrieben herausstellen sollten, bleibt ein Unbehagen gegenüber den Aktien deutscher Stromversorgungsunternehmen bestehen. Denn die Vorfälle sind Munition in den Händen derer, die in der Bundesrepublik die Kernkraftwerke abschaffen möchten. In einem solchen Falle können die Renditen der großen Stromversorger nicht länger als gesichert angesehen werden K. W.