Die erste Reaktion war hierzulande etwa so, als wäre bei der Auslosung zur Fußball-Europameisterschaft (vom 10. bis 25. Juni in der Bundesrepublik) eine Horde mißgünstiger Schicksalsgötter eigens zu dem Zweck, nach Düsseldorf geeilt, um der deutschen Mannschaft die Hölle heiß zu machen. Zusammen mit Italien, Spanien und Dänemark in einer Gruppe, Schlimmeres könne es doch wohl nicht geben.

Mittlerweile hat sich die Einsicht durchgesetzt, daß es so fatal nicht sein kann, wo doch nur ein kleiner Junge völlig arglos in die Lostrommel gegriffen hat. Teamchef Franz Beckenbauer brachte es auf den Nenner: Wer im eigenen Land Europameister werden will, der muß jeden schlagen können.

Von den acht Teilnehmern, die in zwei Gruppen spielen, traut man, mit einer Ausnahme, allen Mannschaften zu, das Finale erreichen zu können. Die Ausnahme: Irland. Aber sonst könne doch „jeder jeden schlagen“, meint Franz Beckenbauer. Natürlich auch das Team.

Wobei es für die Deutschen zweifellos besser wäre, Franz Beckenbauer könnte selbst noch mitspielen. Denn so gut er als Teamchef auch immer sein mag, auf dem Rasen wird er stärker vermißt. Man mag es schon gar nicht mehr hören, aber es stimmt: dem Fußball fehlen – nicht nur hier – die großen Spielerpersönlichkeiten.

In der anderen Gruppe – die Experten bezeichnen sie im allgemeinen als die etwas leichtere – spielen England, Niederlande, UdSSR und Irland gegeneinander. Wie gesagt, nur die Iren fallen bei den Prognosen durch. Wenn es nach dem Renommee ginge, dann müßten in der Gruppe A die Deutschen und die Italiener das Halbfinale erreichen. In der Gruppe B die Engländer und die Niederländer.

Aber die Papierform zählt nun einmal nicht bei einem Turnier, und selbstverständlich haben auch die Iren ihre Chance. Denn es hat sich im internationalen Fußball zumindest im letzten Jahrzehnt immer wieder gezeigt: Es gibt keine Mannschaft mehr, auf die man von vornherein eine Bank setzen könnte. Wie etwa noch bei der Europameisterschaft 1972 in Belgien, als das deutsche Team mit einem Beckenbauer und Netzer, mit einem Müller und Maier als (fast) unschlagbar galt und diesen Ruf auch rechtfertigte: 3:0 im Brüsseler Finale gegen die UdSSR.

Die Zeit der großen Mannschaften, denen man schon vorher Kränze winden kann, ist vorbei. Und so viele – meistens sogar erfolgreiche – Testspiele die deutschen Profis im Vorfeld dieser Europameisterschaft auch hinter sich gebracht haben, ein Team ist noch nicht daraus geworden.