Immer wenn Direktionsassistent Dr. Günter P. von seiner Arbeit in der Europäischen Management- und Marketing-Agentur (EMMA) heimkommt, möchte er völlig abschalten. Dazu schaltet er das Fernsehen an. Er veranstaltet ein individuelles Kurzfilmprogramm, indem er mit Fernbedienung zwischen den Sendern pendelt, die sich seit der Verkabelung unheimlich vermehrt haben. Diese Mischung läßt er im Halbschlaf ablaufen.

Dieser Tage, als er zwischen den Nazi-Richtern im 1. Programm, Werner Höfer im 2. Programm, dem Rheinhotel Dieesen im 3. Programm und Steiner bei SAT 1 pendelte, kam er bei der Vergangenheitsbewältigung etwas durcheinander. Beim Umschalten tauchte immer wieder Aktuelles auf: Nukem, der Atommüll und was sonst noch unsere Umwelt zugrunde richtet.

Journalisten fragen und Werner Höfer antwortet: Ja, er sei schwach gewesen, damals, im Dritten Reich, kein Held, aber auch kein Schreibtischtäter, einer, der Angst hatte, sich anpaßte, das alles erst einmal nicht als so schlimm empfand, Karriere machte, sich nun schämt, für dies und das, glaubwürdig, auch wenn es gedrechselt klingt, Höfer-Style.

Umschaltung: Atommüll, Umweltruin, Wirtschaftswachstum, wieviel Prozent werden es sein und... und wenn sie später mal fragen, die Journalisten, die Kinder, die Enkel, in zwanzig, dreißig Jahren, wenn sie fragen: Günter P., was hast Du getan, als die Umwelt ruiniert wurde?

Was man so grübelt. Im Halbschlaf, die Fernbedienung in der Hand. Wenn es etwas durcheinandergeht, was war, was ist, was sein könnte.

„Ich habe aufgehört zu rauchen“, sagt Günter P. und nimmt es noch ironisch, wie es seine Art ist. „Ich habe im Garten Kohl und Kartoffeln biologisch angebaut, ohne Kunstdünger. Nur Schneckentod, weil die Schnecken biologisch nicht zu vertreiben waren.“

„Ist das alles, Günter P.?“