ARD, Sonntag, 24. Januar, 20 Uhr 15: „Tatort: Salii Palu“ – Film von Hans-Christoph Blumenberg

Sein nächster Gegner müßte Blofeld heißen oder Dr. No. Denn Palu ist mächtig gut zu Fuß, stark am Lenkrad und kraftvoll in den Pedalen. Keine Kommissarin zwischen Rhein und Saar kann ihm widerstehen. Dem Kollegen Thanner aus Duisburg gibt er Ratschläge für die gute Küche. Seinem Assistenten gibt er auch mal einen keuschen Kuß. Palu ist perfekt. Sollen sie doch kommen, die Benelux-Banditen, die Luxusdealer und Mädchenschieber aus aller Welt! Palu hat Heimvorteil. In seinem Revier, in Saarbrücken, schlägt er sie alle.

Saarbrücken hat, rein fernsehstrategisch gesehen, eine Menge zu bieten. Saarbrücken besitzt einen Hafen, was die Konstruktion des Plots (Bordell-Ganoven entführen junge Mädchen, setzen sie unter Drogen und schmuggeln sie per Lastkahn über die Grenze nach Luxemburg) erheblich vereinfacht. Saarbrücken verfügt über (mindestens!) einen Golfplatz, was die Ansiedlung internationaler Gentlemen-Verbrecher begünstigt. Saarbrücken hat zudem eine ausgedehnte Fußgängerzone, die die Arbeit der Kamera (Plansequenzen, schnelle Fahrten, Schwenks) spürbar erleichtert. Und Saarbrücken ist, leider, die Heimat des Schlagersternchens Sandra, das die Arbeit der Regie wiederum arg erschwert. Sandras Auftritt im „Village“, wo die Mädchenhändler ihre Opfer einfangen, ist so unheimlich dufte, daß man sekundenlang anstelle Palus Stefanie Tücking erwartet. Doch dann wird es doch noch ein „Tatort“, gottseidank.

Das einzige übrigens, was der hochlöblichen Stadt Saarbrücken zu fehlen scheint, ist eine Max-Ophüls-Straße, um an die Herkunft des großen Filmregisseurs zu erinnern. Die schenkt ihr der Regisseur Hans-Christoph Blumenberg. Und noch vieles dazu.

Eine Starbesetzung zum Beispiel: Gudrun Landgrebe, Hans Peter Hallwachs, Gabriel Barylli. Eine Kamera (Wolfgang Dickmann), die noch unterwegs und auf den Spuren des Geschehens ist, wenn bei jedem anderen „Tatort“-Regisseur längst die Szenenklappe gefallen wäre. Eine Schnittechnik, die ohne Verrenkungen weit Auseinanderliegendes verbindet. Eine Dramaturgie (Buch: Felix Huby), die dem Zuschauer den „Tatort“-üblichen Büromief, den Morgenkaffee von Fräulein Dünkel und die Hypothesen von Kriminalassistent Klößchen erspart und sich statt dessen den Sehenswürdigkeiten der Umgebung widmet. Die Farben stimmen, die Anschlüsse, die Beleuchtung. Und Hans Peter Hallwachs puttet die Golfbälle wie ein As.

Manche „Tatort“-Regisseure machen einfach mit dem bewährten Personal weiter. Max Palu (Jochen Senf) ist dagegen Blumenbergs eigenes Geschöpf. Deshalb hat ihm sein Meister ein Echo mitgegeben: „Salü Palu“, so tönt’s von nah und fern. Zur gefälligen Entzifferung ist seine Wohnung mit Max-Ophüls-Filmplakaten drapiert, und als Höhepunkt der Wunscherfüllung gewährt ihm sein Regisseur eine Nacht mit Gudrun Landgrebe. Besser wäre es, wenn Palu selbst einmal den Mund aufmachen und etwas Bedeutendes sagen würde, und sei es nur, beim Abschied, „Auf Wiedersehen, Kinder“. Das wäre immerhin auch ein Kinozitat.

Wenn sich Blofeld und Dr. No nicht an die Saar bemühen wollen, wird Palu wohl bald verreisen müssen. Falls er aber doch in Saarbrücken bleiben will, könnte er sich statt um Edelganoven ruhig einmal um die Untaten des Gebrauchtwagenhändlers X und der Reinemachefrau Y kümmern – das gäbe doch auch Zündstoff für einen Krimi aus Deutschland: Pourquoi pas, Palu? Andreas Kilb