Der Warenhauskonzern Horten will seine Filialen umkrempeln

Von Gunhild Freese

Ein „guter Nachbar“ wollte das neue Warenhaus in Hamburg-Wandsbek sein. Architektonisch ließ der Düsseldorfer Warenhauskonzern Horten seine 57. Filiale genau in die Baustruktur der Umgebung einpassen. Der rote Backsteinbau sollte sogar zur städtebaulichen Vervollkommnung beitragen. Das mag wohl gelungen sein. Doch seit der Eröffnung im Jahre 1982 ist das Haus nie aus den roten Zahlen gekommen, allein im vergangenen Jahr betrug der Verlust sieben Millionen Mark – wahrlich ein guter Nachbar für die Konkurrenz. Nun soll das Haus geschlossen werden.

Für Horten ist die Wandsbeker Filiale nicht der einzige Problemfall. Am vergangenen Freitag gab der Aufsichtsrat seinen Segen für die Trennung von drei weiteren Kaufhäusern in Recklinghausen, Kiel und Berlin. Die Trennung von dem Ableger im Ruhrgebiet, der 1987 mit elf Millionen Mark in der Kreide stand, wird indes noch eine Weile dauern. Denn das Horten-Haus ist in ein Einkaufszentrum integriert und vertraglich über das Jahr 2000 hinaus an den Standort gebunden. Schon frühere Versuche, aus dem Vertrag herauszukommen, waren gescheitert.

Über die künftige Nutzung der ebenfalls defizitären Horten-Dependance in Kiel (Verlust: gut eine Million Mark) gibt es dagegen bereits Vorverträge: Es soll in ein Bürohaus umgewandelt werden.

Das vierte Haus in Berlin schließlich, das sogar Gewinne abwirft, paßt aus einem anderen Grund nicht mehr ins Konzept. Es ist Hortens einziger Standort in der Inselstadt. Einen Interessenten für Haus und Mitarbeiter zu finden, war nicht schwer. Schon von Februar an wird der Frankfurter Hertie-Konzern die Filiale weiterführen. Hertie erzielt in Berlin in bisher 16 Häusern rund 27 Prozent seines Gesamtumsatzes.

Schon Ende vergangenen Jahres hatte sich Horten von einer Verlustfiliale in Augsburg getrennt. In dem Ausverkauf der Häuser sieht Harald Erichsen, Aufsichtsratschef bei Horten und Vorstandsvorsitzender des Horten-Großaktionärs Batig, den „letzten Schritt zur Stopfung der Verlustquellen“. Und nun soll es wieder vorangehen. Denn gleichzeitig mit den Schließungen verabschiedete der Aufsichtsrat am vergangenen Freitag ein Modernisierungsprogramm für die verbleibenden 53 Horten-Häuser. Das Konzept entspricht auch den Vorstellungen der Batig-Muttergesellschaft in London, BAT Industries, wie Harald Erichsen versichert. 39 Filialen will Horten in Galerien umwandeln. Sortimente und Warenhausabteilungen sollen in den Häusern zu einzelnen Läden zusammengefaßt werden.