DIE ZEIT

Das Erbe bröckelt

Das geht so lange gut, solange das gut geht“, hat Stephan Krawczyk, die neue Leitfigur der Unangepaßten, seinem Publikum in der DDR vorgesungen.

Die Weltpolitik vor der Wende?

Wer bei jener historischen Reise mit dabei war, die Konrad Adenauer im Jahr 1955 nach Moskau unternahm, um die diplomatischen Beziehungen mit der Sowjetunion aufzunehmen, der wird sich erinnern, wie Chruschtschow bei jeder Gelegenheit mit stolz geschwellter Brust versicherte: „Die DDR, das ist das System der Zukunft.

Erblast

Ein Schwanengesang klingt anders. So sentimental Ronald Reagan sonst werden kann, in seiner letzten „Botschaft zur Lage der Nation“ ließ er sich nicht zu Wehmut und Abschiedsschmerz hinreißen.

Neue grüne Melange

Die „Neue Mitte“ wollte nach oben. An der Idee war richtig, daß „Realos“ und „Fundis“ das grüne Projekt lähmen; alleine konnten und wußten sie in Bonn nicht weiter.

Unglückskette

Zwei Meldungen, die Kontinente und Schicksale verbinden: In Bonn gab der Innenminister bekannt, die Zahl der Drogenopfer in der Bundesrepublik habe im vergangenen Jahr empfindlich zugenommen: 450 Menschen starben, 100 mehr als im Jahr zuvor.

Zeitspiegel

Vor fast zwanzig Jahren, im März 1968, stürzte der sowjetische Astronaut Juri Gagarin – der erste Mensch im Weltraum – bei einem Routineflug mit dem Jagdflugzeug Mig-15 in der Nähe von Moskau zu Tode.

Bitterer Streit

Wie immer es darüber hinaus um Ronald Reagans Autorität bestellt ist, seinem „elften Gebot“ folgt niemand mehr. Kein Republikaner solle Schlechtes über einen anderen reden, hatte er vor Jahren als Parteimaxime verkündet.

Marathonlauf zur Macht

Wie Amerika die Bewerber für das höchste Amt auswählt – und welche Risiken es dabei eingeht

Druck auf den Bund: Klagen über das Gefälle

Im Stimmengewirr der Union gehört Ernst Albrecht nicht zu denen, die zu quertreiberischen Soli neigen. Im Gegenteil, wann immer es in Bonn wieder einmal drunter und drüber ging, hat der niedersächsische Ministerpräsident der Bundesregierung seiner Couleur den Rücken freizuhalten versucht.

Jagdszenen in Ost-Berlin: „Für uns, die wir hoffen“

Wer immer noch nicht weiß, wohin die DDR steuert, dem könnte der letzte Montag den passenden Anschauungsunterricht bieten: Am frühen Morgen wurden aufmüpfige junge Leute „wegen landesverräterischer Tätigkeit“ festgenommen, als Nachschlag zu den Verhaftungen bei der Luxemburg-Liebknecht-Demonstration eine Woche zuvor.

Verfassungsschutzgesetze: Neue Zumutung

Friedrich Zimmermann, der CSU-Innenminister, läßt seine Bonner Koalitionsfreunde von der FDP nicht zur Ruhe kommen. Kaum haben sie auf ihrem Sonderparteitag dem strafbewehrten Vermummungsverbot für Demonstranten zugestimmt, verlangt er ihnen neue und noch größere Zugeständnisse wider ihr Demonstranten Gewissen ab.

Jähes Erwachen in Bonn

Für manche bricht die Welt schon ziemlich leicht zusammen. Alfred Dregger, der Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU im Bundestag, warnt davor, Europa könne „unter die militärische Dominanz der Sowjetunion“ geraten.

Wolfgang Ellert: Reisewut

„Ich hab’s: Ihr Traumziel ist Moskau! Moskau ist gerade sehr ‚in‘. Da hätten wir ein attraktives Angebot: drei Tage Moskau, inklusive Gorbatschow und Bolschoi-Ballett.

Gaza-Streifen: Messer im Hals

Samson, der „Sonnengleiche“ genannt, starb in Gaza, verraten von seiner Geliebten Delila. Unbezwingbar war er, bis er sein Haar verlor.

Ben Witter: Angetippt

Jeder moderne Bus hat zwei Türen. Über der einen steht „Einstieg“ und über der anderen „Ausstieg“. Wer den „Ausstieg“ benutzt, ob übereilt oder geplant, steht erstmal draußen und überlegt oft, was er sich drinnen schon hätte sagen können, doch sei’s drum, er macht schließlich einen „Umstieg“ auf einen anderen Bus.

Nordkorea: Staatsterror

Die Hoffnung auf friedliche Olympische Spiele in Seoul könnte sich als trügerisch erweisen. Mit einem brisanten Geständnis ließen die südkoreanischen Gastgeber die Diplomatentochter Kim Hyon Hui aus dem Norden vor die Presse treten.

Präsidentschaftswahl: Mitterrand läßt Frankreich zappeln

Am vergangenen Samstag trafen sich heimlich zwei Männer zum Frühstück im Elysée-Palast – zwei Männer, die sich seit ein paar Wochen nicht gesehen hatten; zwei Sozialisten, die einander seit dreißig Jahren ständig in die Quere kommen.

Ein deutscher Jude

Einer der Stillen im Lande war Werner Nachmann, seit mehr als 22 Jahren Vorsitzender des Zentralrates der Juden in Deutschland.

BONNER BÜHNE: Einer muß der scharfe Hund sein

In anderen Ländern wird Politik gemacht, in der Bundesrepublik politische Bildung. So jedenfalls könnte ein unbefangener Zuhörer der letzten Bundestagsdebatte vermuten, die um dieses sehr deutsche Thema mäanderte.

DOKUMENTE ZUR ZEIT: „Ein Herr von der feineren Sorte“

Eines steht fest: Der Herr Höfer ist mitnichten das arme Opfer einer Hetzkampagne, noch haben Rundfunkrat oder der Intendant seinen jähen Absturz verursacht; dieser Mann ist an seiner eigenen Vergangenheit und an sich selbst gescheitert.

González ohne Glanz

Drei Tage lang haben die 861 Delegierten im Madrider Kongreßpalast wenig dazu beigetragen, um aus einem langweilig inszenierten Routinekongreß einen lebendigen Diskussionsparteitag zu machen.

Kompromiß in Kambodscha?

Vor den überraschenden Verhandlungsvolten von Prinz Norodom Sihanouk, dem früheren Staatschef Kambodschas und heutigem Führer einer Drei-Parteien-Widerstandskoalition gegen die von Vietnam installierte Regierung in Phnom Penh, sind auch seine Verbündeten nicht sicher.

DAS KURZE INTERVIEW: „Sucht hat Konjunktur“

Bundesinnenminister Zimmermann hat eine alarmierende „Rauschgiftbilanz 1987“ vorgelegt: Die Zahl der Drogentoten steigt, der Kreis der Abhängigen wächst, trotz Fahndungserfolgen schaffen Händler immer mehr und immer härtere Drogen in die Bundesrepublik.

Aufruf zur großen Umkehr

Der Schriftsteller Milan Kundera erinnert in einem; Aufsatz über den Kafka-Verfilmer Fellini daran, Franz Kafka habe in seinem Roman „Amerika“ auf genialische Weise das „Wesen der Technik“ getroffen: „Die Welt im Schloß ist archaisch, und dennoch regiert in ihr die Technik: in dieser Welt wird der Mensch von Kräften beherrscht, denen er nicht mehr gewachsen ist.

Verführt vom Führerwillen

Durch das Drängen vieler Kollegen der Universität, insbesondere des abgesetzten Rektors von Möllendorff... (habe ich mich schließlich) entschlossen, das Amt zu übernehmen“, erinnerte sich Heidegger wenige Monate nach Kriegsende in seinem „Rechenschaftsbericht“ über sein Rektoratsjahr 1933.

Schleswig-Holstein: Sag mir, wo die Grünen sind

Was machen die schleswig-holsteinischen Grünen eigentlich so? Bald sind Wahlen (am 8. Mai), von den Grünen aber hat man monatelang nichts gehört oder gelesen, nicht einmal, daß sie im Streit lägen.

VIPs auf dem Turm

Kölner Christdemokraten trauten ihren Augen und Ohren nicht: Soeben hatten ihre sozialdemokratischen Ratskollegen im Kulturausschuß der Stadt es abgelehnt, den schon zu Lebzeiten wie ein Denkmal verehrten ehemaligen SPD-Oberbürgermeister Theo Burauen mit einer Steinfigur auf dem Rathausturm zu verewigen.

Prassen mit schwarzen Kassen

Die Atomenergie hat es in sich.“ Joschka Fischer lächelt maliziös, dann lehnt er sich zufrieden hinter seinem Schreibtisch im Wiesbadener Landtag zurück.

Bonner Kulisse

Bundeskanzler Helmut Kohl muß wieder einmal bei der Industrie vorsprechen und um Geld bitten. Dieses Mal allerdings nicht für die eigene Partei, sondern für einen guten Zweck, den Arbeitsminister Norbert Blüm verfolgt: die Reform der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).

Herbert Giersch: Immer dabei

Wirtschaftswissenschaftler tragen ihre Verantwortung, indem sie offen aussprechen, was sie für richtig halten“, schreibt Herbert Giersch im Vorwort zum zweiten Heft der „Hamburger Beiträge zur Wirtschafts- und Währungspolitik in Europa“.

Ost-West-Handel: Weniger Ärger

Die Nachricht, die Außenminister Hans-Dietrich Genscher aus den Vereinigten Staaten mitgebracht hat, klingt gut. Washington hat eine gründliche Entrümpelung der berüchtigten Cocom-Liste zugesagt, die der sowjetische Außenminister bei seinem jüngsten Bonn-Besuch so „verflucht“ hat.

Atomskandal: Saubermann im Sumpf

Gert Becker ist kein Mann der großen Worte. Auf Fragen antwortet er präzise, mit freundlicher Geduld und leiser Stimme, nie kommt ein Satz zuviel.

Frankreich: Ein ungewöhnlicher Schritt

Das war eine böse Überraschung für Frankreichs bekanntesten Manager Jean-Luc Lagardère, den Chef des Matra-Konzerns: Fünf Tage vor Beginn der Privatisierung von Matra kam es im vergangenen Herbst zum weltweiten Börsenkrach.

Vom Nähgarn bis zum Gabelstapler

Heinz Schreiber, Europaabgeordneter der sozialistischen Fraktion in Straßburg, schüttelte verständnislos den Kopf, als er den Text des neuen Richtlinienentwurfs „über den zulässigen Schalleistungspegel von Rasenmähern“ las.

Mehr Schmutz als Schutz

Als im vergangenen Herbst Diplomaten aus über vierzig Staaten im kanadischen Montreal einen Vertrag besiegelt hatten, mit dem die erdumhüllende Ozonschicht geschützt werden soll, war feierlich von einem „historischen Durchbrach“ die Rede.

Die furchtlosen Finnen

Die Überraschung war gelungen. Daß die Stuttgarter Standard-Elektrik Lorenz (SEL) ihre Werke für Fernseher und Bildröhren abgeben wollte, war seit längerem bekannt.

Markt-Report: Keine Aussicht auf Wende

Gelegentlich steigende Aktienkurse dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Tendenz an den deutschen Börsen im Trend abwärts gerichtet ist.

+ Weitere Artikel anzeigen