Für Señor Valenzuela, den Leiter der örtlichen PR-Abteilung im andalusischen Skidorf Pradollano, ist die Sache natürlich klar. „Wo sonst“, sagt er nicht ohne Stolz auf die Frage, worin die Vorzüge des Skigebiets in der Sierra Nevada liegen, „können Sie innerhalb von weniger als zwei Stunden in den Bergen Ski fahren, im Mittelmeer baden oder eine interessante Architektur erleben?“

In der Tat. Wer sich nicht entscheiden kann, welcher dieser drei Möglichkeiten er zwischen November und Mai den Vorzug einräumen sollte, für den kann es nur ein Ziel geben: Granada.

Von da aus bis nach Motril an der Costa del Sol, wo schon im Januar Wassertemperaturen um 17 Grad gemessen werden, ist es nur eine knappe Autostunde. Von Granada ins Gebirge dauert es eine knappe Dreiviertelstunde mit dem Auto, aber dann ist man auch mittendrin im Skigebiet. „Sol y Nieve“ – „Sonne und Schnee“ – nennt sich der südlichste Skizirkus Europas am 3470 Meter hohen Pico del Veleta. „Sonne“, weil es sich hier um das Skigebiet mit den meisten Sonnentagen handeln soll – durchschnittlich genau 255,5 Tage im Jahr –, und „Schnee“, da die extreme Höhe Wintersport bis weit in den Mai hinein erlaubt.

Lange Tradition hat das Skilaufen in der Sierra Nevada allerdings noch nicht. Erst im Jahre 1964 wurde mit der Erschließung begonnen, wurden die ersten beiden Sessellifte gebaut. Dreizehn Jahre später fand hier das Weltcupfinale statt. Danach ging’s zunächst einmal stetig bergab. Der „Banco de Granada“, Eigentümerin der Station, mangelte es an Geld und Initiative für den weiteren Ausbau. Die mechanischen Anlagen verfielen, Besucher blieben aus. Erst vor drei Jahren endete die Talfahrt. Die Bank übertrug nahezu alle Anteile einer Gesellschaft, die umgehend einen fundamentalen Erneuerungsprozeß in Gang setzte.

Die Infrastruktur wurde verbessert, das Personal verdoppelt. Nun verfügt die Station über 100 neue Telekabinen, die stündlich 1000 statt bisher 600 Fahrgäste vom 2100 Meter hoch gelegenen Pradollano zur 2645 Meter hohen Station Borreguiles befördern. Insgesamt hat die Skistation derzeit zwei Telekabinen, zehn Skilifte, sechs Sessellifte und einen Babylift. Alle zusammen bringen es auf eine Stundenkapazität von fast 19 000 Fahrgästen. 130 Skilehrer in drei Skischulen weisen Lernwillige aller Altersklassen in die hohe Kunst der Schwünge ein.

Auch die staatliche spanische Eisenbahngesellschaft RENFE hat erkannt, daß es mit „Sol y Nieve“ bergauf geht. Das Angebot „Trenesqui“ – Skizug – sieht den Bahntransport von Madrid bis Granada vor. Von dort werden die Fahrgäste mit Bussen bis zum jeweiligen Hotel in Pradollano befördert.

Dort angekommen, erwartet den Schneehungrigen ein perfekt ausgestattetes Skiretortendorf. Der Hotelkomplex verfügt über Schwimmbäder und Saunas, über Tennisanlagen sowie über Einkaufsmöglichkeiten aller Art und eine Kinderkrippe. Die beiden neuen Hotelbauten mit eingerechnet, kann der Ort 3000 Betten und 4500 weitere Unterkünfte in Ferienhäusern anbieten. Dazu kommen noch etwa 5000 Hotelbetten aller Kategorien in Granada-Stadt sowie 5000 Betten in der Provinz Granada.