Die Spatzen pfeifen es von allen Überlandleitungen: Die Studenten nahmen zu wörtlich, wovon ihnen in Ehren ergraute Alt-Akademiker in Kaminfeuerstimmung immer wieder vorgeschwärmt hatten. Die Studentenzeit sei die schönste Zeit. Also treiben sie sich ewig und drei Tage an der Uni herum, auf der Suche nach dem Schönen am Studium. In Semestern rechnet keiner mehr. Schon wird gemunkelt vom fließenden Übergang vom Bafög zur Rente, vom fliegenden Wechsel vom Studentenausweis zum Seniorenpaß.

Aber so hatten die Alt-Akademiker das nicht gemeint. Bekanntlich soll man ja gerade dann aufhören, wenn es am schönsten ist. Also: ’runter von der Uni, ihr Bummler. Schluß mit der Trödelei. Na? Wird’s bald?

Es wird nicht. Und schon gar nicht bald.

Packen wir die ganze Geschichte einmal so an, wie wir das auf der Universität gelernt haben: objektiv und analytisch. Wir haben es im wesentlichen mit zwei Systemen zu tun: der Universität auf der einen, und dem Studenten auf der anderen Seite. Die beiden Systeme unterscheiden sich in ihrer Trägheit. Das System Student ist menschlichträg, das System Universität dagegen inert. So bezeichnen Chemiker Moleküle, die partout nicht reagieren wollen. Der Student paßt früher oder später sein Verhalten der Situation an. In diesem Fall heißt das meist, er resigniert. Jedes der beiden Systeme behindert das andere in der Verfolgung seiner Ziele. Das System Student bringt mit seinem Auftreten in Form zahlloser Individuen Forschung und Lehrbetrieb in gewaltige Schwierigkeiten.

Schon im Grundstudium wird es eng bei Praktika und Exkursionen, das Zahlenverhältnis zwischen Dozenten und Betreuern auf der einen und Studenten auf der anderen Seite ist denkbar ungünstig. Hilflosen Studenten mit unbeantworteten Fragen stehen überlastete Dozenten und wissenschaftliche Hilfskräfte gegenüber.

Im Hauptstudium ist die Situation nur selten besser. Zwar verteilen sich die Studenten auf mehr Fachbereiche, dafür sollte aber die Betreuung intensiver werden. Praktika und Exkursionen geraten zu Massenveranstaltungen, Betriebsausflügen mit Laborbesichtigung. Lustverlust macht sich breit, sowohl bei den Studenten, die lernen wollen, die man aber nicht lernen läßt, wie auch beim Lehrpersonal, das lehren möchte, das man aber nicht lehren läßt: zu viele Studenten, zu wenig Zeit.

Das System Universität begegnet dem Studenten mit ohnmächtigem Trotz. Nach dem Motto „Erst mal kommen lassen!“ verschanzen sich Forscher-Dozenten hinter einem Wall von Überlastung. Die Anzahl der Frontkämpfer auf Seiten des Lehrkörpers wird kleiner. Was dem Studenten bleibt, ist die Belagerungsstrategie. Nur mit viel Geduld und Durchhaltevermögen sowie schon beinahe unverschämter Hartnäckigkeit kommt er zu seinem Ziel, dem Abschluß seines Studiums.