Bundesinnenminister Zimmermann hat eine alarmierende „Rauschgiftbilanz 1987“ vorgelegt: Die Zahl der Drogentoten steigt, der Kreis der Abhängigen wächst, trotz Fahndungserfolgen schaffen Händler immer mehr und immer härtere Drogen in die Bundesrepublik. Fragen an den Drogenbeauftragten des Hamburger Senats, Jürgen Kombrodt:

ZEIT: Im vergangenen Jahr starben 450 Menschen an harten Drogen, 102 mehr als im Vorjahr. Gibt es ‚einen neuen, tödlichen Trend

Kornbrodt: Drogenanbieter, dieselbst nicht abhängig sind, schaffen sich mit sehr aggressiven Methoden in ganz Europa einen Markt. Sie machen mit den Abhängigen ein Geschäft, das häufig tödlich endet. Dieser Trend läßt sich vor allem in den letzten eineinhalb Jahren deutlich beobachten.

ZEIT: Die Statistiken weisen auf eine steigende Zahl sogenannter Erstverbraucher hin. Wächst die Szene wieder?

Kombrodt: Man muß deutlich sehen, daß die Szene wächst. Über den Weg des Einstiegs läßt sich wenig sagen. Auffällig ist nur, daß sehr viele direkt über Heroin einsteigen. Heroin wird häufiger in sehr reiner Form angeboten. Dieses macht noch leichter abhängig. Zudem gibt es auch bei den künstlichen, den sogenannten designer drugs steigende Tendenzen.

ZEIT: Welche Gründe verführen junge Menschen heute zum Drogenkonsum?

Kombrodt: Heute greift insbesondere eine Klientel mit psychosozialen Vorschädigungen zur Droge. Stichworte dabei sind: Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit, soziale Verelendung. Die Flucht aus der Realität steht an erster Stelle. Früher war ja oft die bewußtseinserweiternde Wirkung der Drogen ein wesentlicher Grund, Rauschgift auszuprobieren. Wir haben heute eine andere Drogenszene als Ende der sechziger und in den siebziger Jahren.