Zwei Meldungen, die Kontinente und Schicksale verbinden: In Bonn gab der Innenminister bekannt, die Zahl der Drogenopfer in der Bundesrepublik habe im vergangenen Jahr empfindlich zugenommen: 450 Menschen starben, 100 mehr als im Jahr zuvor. Im fernen Kolumbien wurde der Generalstaatsanwalt Carlos Mauro Hoyos ermordet, der kolumbianische Kokain-Händler an die Vereinigten Staaten ausliefern wollte.

Die tödliche Kette hat viele Glieder: von dem armen Farmer in Kolumbien, der das Giftkraut pflanzt, um seine Familie zu ernähren, bis zu dem armen Schlucker, der in einer Frankfurter Bahnhofstoilette stirbt. Dazwischen wirken Händler, Schmuggler, Zwischenträger. Die Ware rollt, die Gewinne mehren sich. „Eine ehrenwerte Gesellschaft“ kontrolliert die Transaktionen, als sei es eben nur ein gutes Geschäft: Auf 25 Milliarden Dollar wird allein der Jahresumsatz der kolumbianischen Drogen-Barone geschätzt.

Die Angehörigen des tapferen Generalstaatsanwalts in Kolumbien werden sich bitter fragen, ob sein Bemühen nicht vergebens war. Was kann ein einzelner schon ausrichten? Aber sie hätten unrecht. Und niemand könnte ihnen dies besser sagen als wir, die ohne mutige Kämpfer wie Carlos Hoyos gewiß noch mehr Drogenopfer zu beklagen hätten. cb