Zahlreiche Reiseveranstalter haben die Reiserücktrittskostenversicherung aus ihren Pauschalpaketen herausgenommen. Während sich branchenintern Kritik regt, reagieren Verbraucherschützer gelassen.

Die Entscheidung fiel rechtzeitig vor Drucklegung der Sommerprospekte 1988. In seltener Eintracht befanden die Verantwortlichen bei der Touristik Union International (TUI), bei Jahn Reisen und auch bei Transair, künftig der Kundschaft die Bezahlung der Reiserücktrittskostenversicherung zu überlassen. Wie schon Monate zuvor im Hause Neckermann endete damit nun auch bei diesen Unternehmen der Brauch, die Versicherung als Teil des Pauschalpaketes gleich mit zu veräußern.

Über das Motiv zu diesem Schritt war sich insbesondere die Versicherungswirtschaft sehr schnell im klaren. Auf diese Art und Weise ließe sich sehr viel Geld sparen, „die Pauschalreise wird trotz weniger Leistung um keinen Pfennig billiger“, kommentiert etwa Konrad Rausch von der Europäischen Reiseversicherung in München.

TUI-Sprecher Jacko Hassenmeier widerspricht dieser Ansicht. Er sagt voraus, daß sein Unternehmen, im Reisejahr 1986/87 wurden rund 2,4 Millionen Touristen versichert, die Einsparungen voll an den Kunden weitergeben werde. Im übrigen habe man sich, so Hassenmeier, die Entscheidung nicht eben leicht gemacht. „Wir sind bei allen Preisvergleichen automatisch schlechter weggekommen, unsere Fürsorgepflicht für den Kunden wurde vom Markt nicht honoriert.“

Indes, selbst in der Branche stößt diese Argumentation nicht überall auf Verständnis. So bemängelt etwa der Arbeitskreis selbständiger Reisebüros eine Hinwendung zu Methoden des „Billigen Jakobs“, man befürchtet „eine gefährliche stückweise Demontage der Pauschalreise“.

Tatsächlich bieten von den größeren Reiseveranstaltern nur noch das Deutsche Reisebüro, nur sowie der Club Mediterranée Pauschalpakete an, in denen die Reiserücktrittskostenversicherung im Preis enthalten ist. Ansonsten gilt: Urlauber müssen selbst entscheiden, ob und mit wem sie auf Nummer Sicher gehen. Angesichts der unterschiedlichen Tarife der Versicherungsgesellschaften nicht immer eine leichte Entscheidung.

So wirbt etwa die Europäische Reiseversicherung in München mit einem nach Reisepreis gestaffelten Prämiensystem. Für einen Urlaub bis zum Preis von 750 Mark kostet die Reiserücktrittsversicherung beispielsweise zwölf Mark, während für einen 2750 Mark teuren Trip 30 Mark fällig werden.