Abgeschmiert

Vor fast zwanzig Jahren, im März 1968, stürzte der sowjetische Astronaut Juri Gagarin – der erste Mensch im Weltraum – bei einem Routineflug mit dem Jagdflugzeug Mig-15 in der Nähe von Moskau zu Tode. Über die Unglücksursache kursierten im Westen abenteuerliche Gerüchte: Gagarin sei betrunken gewesen; man habe ihn vergiftet; sein Flugzeug sei von Saboteuren „vorbehandelt“ worden. Jetzt lüftete die Prawda den Schleier: Gagarins Maschine war beim Landeanflug in die Wirbelschleppe eines stärkeren Mig-21-Jets geraten und unsteuerbar geworden. Der Pilot konnte sie aus einem Sturzflug in Bodennähe nicht mehr rechtzeitig abfangen.

Dubceks Comeback

Die Partei hält auf Distanz, doch das Volk sucht seine Nähe: Zwanzig Jahre nach dem „Prager Frühling“ ist Alexander Dubček in der Tschechoslowakei noch immer beliebt wie wohl kein zweiter Politiker. Bei Theaterbesuchen am vergangenen Wochenende in Prag baten junge Leute um Autogramme; die Schauspieler des Nationaltheaters begrüßten den ehemaligen Parteichef am Ende der Vorstellung von der Bühne. Bei einem Einkaufsbummel mußte Dubček immer wieder die Hände der Passanten schütteln. Auf seine Warnung, er stehe noch immer auf der schwarzen Liste, es sei gefährlich, mit ihm zu sprechen, reagierten die Menschen achselzuckend: „Das ist uns egal.“

Wendig vor der Wahl

Ideologische Abrüstung betreiben derzeit die konservativen think tanks in Washington, die für teures Geld die Politiker beraten. Wählerumfragen signalisieren den Forschungsinstituten, daß der nächste Präsident eher ein Pragmatiker sein dürfte. Schon mußten einige Falken der rechtsgerichteten Heritage Foundation, bevorzugter Ratgeber der Reagan-Mannschaft, Federn lassen. Gleichzeitig heuert die gemäßigtere Konkurrenz, das American Enterprise Institute, prominente Konservative wie Richard Perle und Jeane Kirkpatrick an, um mit attraktiven Autoren neuen Einfluß zu gewinnen. Gelassener hoffen liberale Politikberater auf eine Wende: Um das Vertrauen eines Demokraten im Weißen Haus werben in erster Linie die Brookings Institution und das Center for National Policy.

Polen in Not

Das tödliche Aids-Virus, so fürchtet die polnische Tageszeitung Zycie Warszawy, wird sich zwischen Bug und Oder schneller als in den westeuropäischen Ländern verbreiten. Der Grund: Auch bei Kondomen ist die Versorgungslage schlecht. Seit 1985 untersuchten die staatlichen Gesundheitsbehörden rund 400 000 Personen aus sogenannten Risikogruppen; mindestens 52 Polen und sechs Ausländer sind demnach infiziert. Ein japanisches Acht-Millionen-Dollar-Angebot zur Modernisierung der Olstyner Präservativ-Firma „Stomil“, mit dessen Hilfe pro Jahr siebzig Millionen Kondome hätten produziert werden können, war der Regierung in Warschau zu teuer. Jetzt soll der nötige Schutz aus Nordkorea importiert werden.