DIE ZEIT

Altlasten I

Erinnern wir uns richtig? Die zur Erforschung der Kriegsvergangenheit des einstigen Wehrmacht-Oberleutnants Kurt Waldheim eingesetzte Kommission, die soeben ihren Bericht vorgelegt hat, bestand aus sechs Historikern.

Altlasten II

Moskau will jetzt Nägel mit Köpfen machen. Am 15. Mai, so erklärte Michail Gorbatschow, könne der Abzug der sowjetischen Interventionstruppen aus Afghanistan beginnen.

Altlasten III

Fast acht Jahre haben die Freien Demokraten gebraucht, zu einer alten, damals wie heute vernünftigen Position zurückzufinden.

Brandmauern darf es nicht geben

Das westliche Bündnis hätte allen Grund, sich zu seinem Erfolg zu beglückwünschen. Seit vierzig Jahren hat es zusammengehalten und siehe da: Der große Rivale in Moskau lenkt ein.

Mist und Saat

Kiel kann nicht zur Ruhe kommen – schon deshalb nicht, weil die einigermaßen sachlich betriebene parlamentarische Aufklärung des Barschel-Pfeiffer-Skandals nahtlos übergeht in den Kampf um die vorgezogene Landtagswahl am 8.

Deutsch-deutsche Beziehungen: Ein Spezialist fürs Humanitäre

Daß er porträtiert werden soll, läßt ihn fast erschrecken. Wieso gerade jetzt? Denn die letzte Woche hat sich für Ludwig Rehlinger von vielen anderen Wochen kaum unterschieden: Arbeit in der Stille, die zwar Scheinwerferkegel eigentlich nicht zu scheuen brauchte, aber sie besser meidet.

Verwirrspiel

Das Hin und Her in der DDR rührt weder vom raschen Wechsel zwischen Tauwetter und Eiszeit her noch von Fraktionsbildungen oder Differenzen im SED-Politbüro.

Zeitspiegel

Neues Denken und Kooperation, wie Gorbatschow es angeregt hat, gewinnt Gestalt. Nach vorbereitenden Tagungen in Europa, Amerika und der Sowjetunion ist jetzt in Moskau eine Stiftung The International Foundation for the Survival and Development of Humanity gegründet worden.

Ben Witter: Angetippt

War das nicht der Bundestagsabgeordnete B., hatte er doch gerade was gesagt, vor einer Fernsehkamera Stellung bezogen, lange genug auf diesen Augenblick gewartet.

Unter der Last eines Doppelamtes: Vor einer Woche kam der Nachfolger Willy Brandts und Herbert Wehners ins Gerede, weil sein Parteisprecher nach kurzer Dienstzeit den Abschied nahm. Wie fühlen sich die Sozialdemokraten unter ihrem Partei- und Fraktionschef?: „Ich bin doch auch nur ein Mensch“

Hans-Jochen Vogel hat noch Glück, falls er vom Schreibtisch aufschaut. Sein Blick fällt auf den grünen, bürgerlichen Teil des Regierungsviertels, abseits vom sterilen Planquadrat „Tulpenfeld“, von dieser Beton-Glas-Gegend, wo er jetzt im ersten Stock eines ehemaligen Hotels sein Büro als Fraktionsvorsitzender hat.

Nach dem Strauß-Besuch in Südafrika: Nur die Weißen sind zufrieden

Der Staub, den Franz Josef Strauß bei seinem Blitzbesuch in Südafrika aufgewirbelt hat, beginnt sich zu legen. Für die Regierung des Präsidenten Botha, die in der Welt nicht viele einflußreiche Freunde hat, war die Visite ein angenehmer Auftakt eines Jahres, das politisch sehr hart werden wird.

Washingtons Politik in Mittelamerika: Eine neue Peinlichkeit

Als vor einem Jahr im westlichen Panama Armee-Einheiten der Vereinigten Staaten und Panamas gemeinsam die Abwehr kommunistischer Insurgenten übten, sollte dokumentiert werden, daß die Verteidigung des Panamakanals nicht an den Ufern der strategisch wichtigen Wasserstraße beginne.

Nach dem Aus für die Contra-Hilfe: Managuas Bewährungsprobe

Die Niederlage kam nicht unerwartet. Mit 219 gegen 211 Stimmen lehnte das amerikanische Repräsentantenhaus Mitte vergangener Woche den Antrag Reagans ab, für die Contra-Rebellen 36 Millionen Dollar – davon mehr als drei Millionen für Waffen und Munition – zu bewilligen.

BONNER BÜHNE: „Ich habe gesagt: Ich.“

Sie glauben doch nicht im Ernst, daß Sie in der deutschen Öffentlichkeit Eindruck erwecken können, wenn Ihnen geschäftsordnungsmäßige Mätzchen wichtiger sind als eine sachgerechte Debatte unter Beteiligung des deutschen Bundeskanzlers.

Iowa: Schlappe für Bush

Favorit für die Wahlen in Iowa war George Bush nie gewesen, obwohl er dort acht Jahre zuvor Ronald Reagan geschlagen hatte. Aber sein Absacken auf den dritten Rang bei den republikanischen Präsidentschaftsbewerbern überrascht doch.

Israel: Kein Ende der Gewalt

Bei blutigen Straßenschlachten starben am Wochenende drei Palästinenser im Süden des Westjordanlandes, einer Region, in der es in dem nunmehr zwei Monate währenden Konflikt bislang relativ ruhig geblieben war.

Mahner am Kap

Percy Qoboza war Chefredakteur der einzigen Zeitung, die es für Schwarze in Südafrika gab. Sie hieß The World, geriet 1976 nach den Rassenunruhen in Soweto in Konflikt mit der Regierung und wurde verboten.

NAMEN UND NACHRICHTEN

Raymond Barre, ehemaliger französischer Premierminister, kündigte für die Präsidentschaftswahlen in Frühjahr seine Kandidatur an.

Vergangenheitsbewältigung in Polen

Per Telegramm informierte Parteichef Jaruzelski eine Konferenz über polnisch-jüdische Beziehungen in Jerusalem, die Parteispitze werde in allernächster Zeit ein Dokument herausgeben, das eine „Verurteilung aller Formen von Antisemitismus und Diskriminierung (enthält), die der polnischen Tradition und der marxistischen Ideologie widersprechen“.

Patriotische Front

Fast ein Jahrhundert kämpften die 8,4 Millionen Schwarzen in Simbabwe, der ehemaligen britischen Kolonie Süd-Rhodesien, gegen Apartheid und für ihre politischen Rechte.

Journalistenzwist: Members only

Seit dieser peinlichen Geschichte nach der Bürgerschaftswahl im vergangenen Jahr ist Horst Vetter vorsichtiger geworden. Damals hatten Journalisten einen Neonazi aus einer Sitzung der Bremer Landespressekonferenz geworfen, den er, ihr Vorsitzender, dorthin eingeladen hatte.

Islamische Kaderschmiede: Der Khomeini von Köln

Die beiden Herren im Pkw machen keine Anstrengung, ihre Anwesenheit zu verbergen. In angemessener Entfernung, aber ohne besondere Vorsicht, beobachten sie das Gebäude und verzeichnen jeden türkischen Jungen und jedes türkische Mädschen, die an diesem Morgen das Haus verlassen – ein Strich für jedes Kind.

Ehrung für Hans Litten: Vergessener Anwalt

Der Deutsche Anwaltsverein entsandte nicht einen Vertreter, und auch fast alle Pressestühle blieben leer. Als vergangenen Freitag im Konzentrationslager Dachau ein wahrhaft mutiger Rechtsanwalt geehrt wurde, der von den Nationalsozialisten vor fünfzig Jahren in den Tod getrieben wurde, da waren nur einige Dutzend Juristen in das Museum des Konzentrationslagers gekommen, um ihren Berufskollegen aus der Weimarer Republik zu ehren.

Auf Raten in Rente?

Norbert Blüm, der Bundesarbeitsminister, fand Argumentationshilfe im Bereich seines Kabinettskollegen Ignaz Kiechle: „In einer bäuerlichen Gesellschaft“, sagte Blüm am vergangenen Freitag im Bundestag während einer Aktuellen Stunde über den Vorruhestand, „hat man sich Schritt für Schritt zurückgezogen.

Eine unfaire Rechnung

Verluste sind Signale – aber nicht immer sind sie einfach zu verstehen. Die neuen Hiobsbotschaften über wieder kräftig steigende Milliardendefizite der Bundesbahn scheinen all denen recht zu geben, die schon immer gewußt haben: Der staatliche Monopolbetrieb ist trotz großer Rationalisierungsanstrengungen nicht auf eine gesunde wirtschaftliche Basis zu stellen.

Bonner Kulisse

Bei einem Detail seiner Gesundheitsreform hat Arbeits- und Sozialminister Norbert Blüm die Rechnung ohne den Wirt im Bonner Wirtschaftsministerium, Martin Bangemann, gemacht.

Österreich: Diskrete Geschäfte

Außer den Schwierigkeiten mit Kurt Waldheim und der Verurteilung des ehemaligen Finanzministers Hannes Androsch hat Österreich jetzt noch eine weitere Affäre: Ausgerechnet ein Unternehmen des staatlichen Stahlkonzernes Voest hat in großem Stil Waffengeschäfte mit dem Iran getätigt, die nach österreichischem Recht streng verboten waren.

Öffentlicher Dienst: Fehlschluß

Daß Wachstum allein die Arbeitslosigkeit nicht mehr beseitigen kann, haben die vergangenen fünf Jahre gezeigt. Kürzere Arbeitszeiten können deshalb ein vernünftiges zusätzliches Instrument sein, wenn neue Stellen geschaffen werden sollen.

Heinz-Günther Kemmer:: Lehrstück Rheinhausen

Die Stahlarbeiter bei Krupp in Rheinhausen sind dabei, die von ihnen aufgebauten Barrikaden abzuräumen. Sie haben inzwischen eingesehen, daß ihre Forderung unrealistisch ist, Rheinhausen als Stahlstandort zu erhalten.

Italien: Null-Lösung

Die Null an sich – das weiß jedes Kind – hat keinen Wert. Erst zusammen mit anderen Zahlen entfaltet sie ihre wahre Bedeutung.

Daimler/MBB: Perversion

Es gibt Zeitungsmeldungen, die klingen zunächst absurd. Wenn sie aber häufig genug wiederholt werden, dann erscheinen sie langsam plausibel.

Glücksspiel: Schlechte Karten

Die Aussichten sind verlockend. „Du steigst mit tausend Mark ein“, sagt Karin, „und kassierst später achttausend. Läuft das Spiel gut, dann hast du in einer Woche das große Geld.

Die Konkurrenz wird lästig

Seit Mitte Januar können sich die Fernsehzuschauer in München und Umgebung ein paar neue TV-Programme über ihre Dachantenne ins Haus holen.

Markt-Report: Ein Lichtblick

Für die Ausländer ist der deutsche Aktienmarkt nicht länger nur Abladeplatz. Seit einigen Tagen halten sich Kauf- und Verkaufaufträge zumindest die Waage.

Aidstest muß sein

Ehler: Es mögen sicherlich einige Dutzend sein. Wir haben versucht, im Verband mal die Fälle statistisch zu erfassen. Aber das ist außerordentlich schwer.

MANAGER UND MÄRKTE

Der Aufsichtsrat von Volkswagen soll in seiner Sitzung am 26. Februar gleich über zwei Vorstands-Personalien entscheiden. Wohl um ein Jahr verlängert wird der Ende 1988 auslaufende Vertrag des 63jährigen Horst Münzner, nach VW-Chef Carl H.

Schuldenkrise: Heilsamer Schnitt

Mit wohlüberlegten Worten sorgte Alfred Herrhausen auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank im vergangenen September in Washington für Aufregung.

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