Tunesien: Tourismus in der Sahara
Eine Frau, die Volkswirtin Fetia Knani, überwacht die Investitionen in den Sahara-Tourismus, den Tunesien jetzt ankurbeln will. Ihr Ziel: ein anspruchsvolleres Publikum und konsequenterer Umweltschutz.
Mit annähernd sechs Millionen Übernachtungen lagen 1987 die Deutschen an der Spitze der tunesischen Fremdenverkehrsstatistik. Die Zeitungen, die nach dem Regierungswechsel vom 7. November 1987 schreiben dürfen, wie es wirklich steht um Tunesiens Politik, Wirtschaft und Kultur, berichten wohlwollend vom Ausgleich der Handelsbilanz durch das Produkt „Tourismus“. Aber sie kritisieren auch, daß bisher zu wenig getan wurde für den Erhalt von Fauna und Flora, von bodenständiger Kultur und gewachsenen urbanen Strukturen. So sei der 18-Loch-Golfplatz von Hammamet auf kostbarem Ackerland angelegt worden. Der Jagdtourismus habe den Wildschweinbestand bedrohlich reduziert. Und zu einer wirksamen Bekämpfung der Mückenplage schicke man sich erst jetzt – also viel zu spät – an.
Im neuen Siebenjahresplan sind der Landwirtschaft und dem Tourismus Dringlichkeitsstufe eins eingeräumt worden. Wichtigstes Planziel für den Fremdenverkehr: Auch während der vier Wintermonate soll Tunesien für die sonnenhungrigen Europäer zum begehrten Reiseziel werden. Da es zu dieser Zeit an den Küsten jedoch regnet, will man den wetterbeständigen Süden des Landes erschließen, der Wüstenlandschaften von besonderer Schönheit birgt: weißglitzernde Salzseen, stille Oasen, unberührte Wanderdünen.
Die Volkswirtin Fetia Knani leitet das zu diesem Zweck aufgestellte Investitionsprogramm. Auf ihrem Schreibtisch stapeln sich die Anträge von Unternehmen aus den fünf südlichen Regierungsbezirken, die endlich auch teilhaben wollen am warmen Regen deutscher Mark, französischer Franc und britischer Pfund. Was das Genehmigungsverfahren angeht, so hat Fetia Knani rigide Kriterien festgelegt:
– Kein neugebautes Hotel darf mehr als 120 Betten haben, um die Probleme der Ver- und Entsorgung zu begrenzen.
– Die Architektur der Neubauten muß den Stil der benachbarten Kulturlandschaft widerspiegeln.
– Die Innenausstattung soll von schlichter Eleganz sein. Unabdingbar sind Vollklimatisierung und großzügiges Schwimmbad.




