Ein amerikanischer Speiseeishersteller will den europäischen Markt erobern

Das apart-sterile Design der Lokale kennt der deutsche Konsument bislang lediglich aus amerikanischen fast-food-Läden. Und die mit Schürzen und Schirmmützen uniformierte Bedienung sieht der Besucher eigentlich nur in jenen Restaurants, in denen kleine runde Hacksteaks in Styropor-Packungen gestopft werden. Neuerdings aber findet er das alles auch in Eiscafes.

Für die Amerikaner sind die „Häagen-Dazs“ – Läden längst ein vertrauter Anblick. 1960 wurde das Unternehmen in New York gegründet, heute gibt es 325 ice cream shops in den Vereinigten Staaten. Seit dreieinhalb Jahren ist die Eis-Firma auch in Japan auf dem Markt, wo sie mittlerweile 37 Ladenlokale betreibt. Hinzu kommen Filialen auf Hawaii, in Hongkong und Singapur. Zwei Eisfabriken in New Jersey und Kalifornien produzieren für den amerikanischen Markt.

Das Eis-Unternehmen hat einen finanzstarken Konzern im Rücken. Seit fünf Jahren gehört die Firma zur Pillsbury Company TPC in Minnesota. Pillsbury, einer der größten Nahrungsmittel-Konzerne, setzte 1986 mit insgesamt 108 000 Beschäftigten weltweit umgerechnet etwa zwölf Milliarden Mark um. In der Bundesrepublik ist das Lebensmittelunternehmen unter anderem mit Erasco und Jokisch (Fertiggerichte und Suppen) vertreten.

Häagen-Dazs, Häggendasch ausgesprochen, ist ein reiner Phantasie-Name. Firmengründer Rüben Matteus meinte, ein Eiscreme-Produzent müßte einen skandinavisch klingenden Namen haben, denn die Nordeuropäer machten das beste Eis. Heute sind die Eis-Macher aus den Staaten weniger bescheiden. Die Amerikaner sind die Eisspezialisten, schwärmt Martin Preuninger von der deutschen Häagen-Dazs-Eis Icecream GmbH in Lübeck.

Nach den ersten behutsamen Schritten in Köln und West-Berlin soll nun in Europa kräftig expandiert werden. Bis zu 50 Lokale kündigt Geschäftsführer Preuninger für die kommenden fünf Jahre allein für die Bundesrepublik an. Bereits in den nächsten Monaten sind Neueröffnungen in Bonn, Düsseldorf, Frankfurt und ein zweites Eiscafe in Köln geplant. Auch in Frankreich wollen die Amerikaner noch in diesem Jahr Fuß fassen. 250 000 bis 300 000 Mark Investition veranschlagt Preuninger für jedes Lokal. Nach einem Jahr, spekuliert er, tragen sich die Shops selbst. Bisher allerdings läßt sich das Unternehmen sein Engagement in Europa wohl etwas kosten, auch wenn Martin Preuninger mit dem Start zufrieden ist.

Es ist nicht nur die Einrichtung des Eiscafés, die an die Philosophie der fast-food-Läden erinnert. Auch bei der Präsentation des Angebots standen die Imbiß-Ketten offenbar Pate. Das Eis wird als Menü offeriert, statt Mayonnaise und Ketchup gibt es wahlweise „Toppings“ wie Kirsch- und Erdbeersauce, Vanille-Sirup oder Krokant-Streusel – gegen Aufpreis versteht sich. Zweifel am stolzen Preis von zwei Mark für eine Kugel soll eine Gewichtsangabe zerstreuen. Bei Familien- und Vorratsbechern gibt es sogar Rabatt.