Von Ute Bloch

Ein Mister M.C. Goff zeigte amerikanischen Bürgern im Lokalanzeiger per Inserat an, er besitze „eine schöne Koppel Hunde zum Negerfang. Personen, welche Neger einzufangen wünschen, werden wohl tun, sich an ihn zu wenden.“ Geschäftsbedingungen: „5 Dollar für den Tag und den Fang“. Ort des Geschehens: Quachita, Amerika, 1. Juni 1852.

Gut hundert Jahre später werden bei einer gewaltfreien Demonstration schwarzer Bürger gegen Repressionen und schikanöse Paßgesetze der weißen Regierung 180 Afrikaner schwer verletzt, 69 getötet. Siebenhundertmal feuert die weiße Polizei in die friedliche Demonstrantenmenge. Weder Frauen noch Kinder werden verschont. Die Mehrzahl der Opfer dieses Polizeimassakers hat Schüsse im Rücken. Tatort: Sharpeville, Südafrika, 21. März 1960.

Ein Vierteljahrhundert nach dem Blutbad weißer Rassisten, zum Jahrestag der Morde von Sharpeville, erschießt die Polizei des Botha-Regimes zwanzig Frauen und Männer während einer Demonstration. Siebzehn davon in den Rücken. Tatort: Township Langa bei Uetenhage, Südafrika, 21. März 1985.

Polizei und Armee knallen von ihren Panzerwagen aus die Schwarzen ab wie tolle Hunde. Demonstranten werden ausgepeitscht; Bürgerrechtsgruppenführer, Kirchenleute, Gewerkschafter, Studenten werden verhaftet und in Gefängnisse gesteckt. Innerhalb von 21 Monaten gibt es fast 900 Tote. Bischof Tutu: „Unsere Leute werden wie die Fliegen getötet. Sie geben nicht einmal mehr die Namen der Toten bekannt.“

In den Gefängnissen: Mißhandlungen, Folter. Auch weiße Regimegegner werden mißhandelt. Auret van Heerden, ein weißer Studentenführer, hat die Methoden in einer eidesstattlichen Erklärung beschrieben:

„Sie zogen mir einen Leinensack über den Kopf, es war ein Geldsack einer südafrikanischen Bank, deren Namen ich vergessen habe. Der Sack war etwas zu schmal, so daß Captain Visser an beiden Enden zog, bis er ganz über meinen Kopf passte. Dann befeuchteten sie den Sack. Sobald der Sack naß war, fiel mir das Atmen äußerst schwer. Dann wandten sie Elektroschocks an – erst an den Fußsohlen, dann an den Handgelenken und Unterarmen und später am Nacken und Rückgrat. Sobald sie mit den Schocks anfingen, begann ich entsetzlich zu schreien und konnte, obwohl ich mehrmals versuchte aufzuhören, es nicht unterdrücken. Je mehr ich schrie, desto größer wurde meine Atemnot Sehen konnte ich auch nichts, da der Sack über meinem Kopf war. Ich geriet in Panik, da die Schocks durch meinen ganzen Körper liefen. Als sie die Elektroden an meinen Nacken setzten, sah ich blaue Flammen oder Wellen vor meinen Augen und hatte Angst, das könnte mein Gehirn dauerhaft schädigen.“