Sie kennen das ja. Ein fremder Ort, und der Stadtplan versagt total. Die Straße, in die Sie wollen, ist nicht zu finden oder über Nacht umbenannt worden, das Museum, das Sie suchen, hat man anscheinend gestern abgerissen, nichts ist da, wo es sein sollte. Es gibt nur eine Rettung: Sie müssen Einheimische um Hilfe bitten. Der erste, an den Sie sich vertrauensvoll wenden, kennt sich nicht aus, weil er bei seiner Tante zu Besuch ist. Der zweite, den Sie hilfeheischend ansprechen, versteht Sie nicht, weil er ein Tourist aus Argentinien ist. Der dritte, den Sie um Auskunft angehen, ist zwar hier geboren, aber von der gesuchten Straße hat er noch nie etwas gehört.

Ich gebe Ihnen einen guten Rat: Wo immer Sie sind, fragen Sie mich!

Ostern in Florenz. Die Stadt quillt über von Menschen. Doch ausgerechnet mich pickt sich ein Rucksack-Tramper mit Adlerblick heraus, um zu erfahren, wie man hinüber zum Dom kommt. Aber bitteschön: „Prima a destra, poi a sinistra. Nix verstehen. Ach so, Sie sprechen auch deutsch. Ja also, zuerst gehen Sie nach rechts, dann halten Sie sich links...“

Frankfurter Untergrund, Rush-hour, Hochbetrieb. Dichtgedrängt warten die Scharen an der Bahnsteigkante. Ich schaue arglos und unbeteiligt vor mich hin. Es hilft nichts. „Können Sie mir bitte sagen, wie man zur Hauptwache kommt?“ Im Prinzip nein, denn ich fahre selber zum ersten Mal mit der Frankfurter U-Bahn. Aber man will ja nicht unhöflich sein, und vor mir klebt riesig der Plan des FVV. „Also Sie nehmen die Linie A3...“

Ob jemand in Amsterdam den Weg zum Rijksmuseum sucht, in Venedig die Strecke zur Ca d’Oro beschrieben haben möchte oder in Marbella nicht den Weg in die Altstadt findet – immer trifft es mich, unter Tausenden. Sehe ich so vertrauenserweckend aus oder so hilfsbereit? Wirke ich so kosmopolitisch, daß ich überall zu Hause sein könnte, oder habe ich eben nur ein europäisch-amerikanisches Durchschnittsgesicht wie das nette Mädchen von nebenan? Woran es auch immer liegen mag: Falls Sie jemals in die Bredouille kommen, zögern Sie nicht mit Ihrem: „Entschuldigung, könnten Sie mir vielleicht ...?“ Natürlich kann ich. Fragen Sie mich nur.

Monika Putschögl