ZEIT: Eine jetzt veröffentlichte Studie des Wissenschaftszentrums Berlin kommt zu dem Ergebnis, daß 1985 immerhin 160 Milliarden Mark oder rund zehn Prozent des Bruttosozialproduktes aufgebracht werden mußten, um Umweltschäden zu beseitigen. Ist das nicht sehr hoch gegriffen?

Sellin: Diese Zahl ist im Gegenteil sehr konservativ errechnet. Die Studie wertet nur offizielle Zahlen, das heißt vom Statistischen Bundesamt oder vom Städtebauministerium aus. Langfristige Schäden sind überhaupt noch nicht reingerechnet.

ZEIT: Welche Schäden sind das?

Sellin: Das ist beispielsweise Sondermüll, wie er unter anderem in der Chemieindustrie anfällt, für den spezielle Deponien gebaut werden müssen und den wir dann als Altlast mitschleppen. Oder Schäden, die in der Landwirtschaft durch die intensive Massentierhaltung entstehen. Nicht berücksichtigt sind auch immaterielle Schäden, wie das Aussterben ganzer Pflanzen- und Tierarten.

ZEIT: Wie kann man denn Umweltschäden überhaupt berechnen?

Sellin: Deutlich wird das bei der Grundwasserverunreinigung. In den fünfziger Jahren kostete die Aufbereitung von einem Kubikmeter Wasser ungefähr einen Pfennig. Heute hingegen müssen dafür bereits dreißig Pfennig aufgewendet werden. Man kann zudem derzeit schon davon ausgehen, daß es in einigen Jahren sogar eine Mark kosten wird, aus einem Kubikmeter Grundwasser Trinkwasser zu gewinnen.

ZEIT: Gibt es Möglichkeiten, solche Kosten gar nicht erst entstehen zu lassen?