Sie sind in Charles City, Iowa geboren, wuchsen in Indiana und Illinois auf und verbrachten lange Jahre in Europa, überwiegend in Spanien und in England. Ihre ersten Romane schrieben Sie nahezu ausschließlich in Europa und das, obwohl man die Themen dieser Romane sehr amerikanisch nennen könnte. War diese Distanz notwendig für Ihr Schreiben? Hat europäische Literatur Sie stark beeinflußt?

ROBERT COOVER: Die Antwort auf beide Fragen ist: ja. In der Zeit, in der ich mich von den Lehren meiner Väter freikämpfte, als ich die übliche Rebellion des jungen Künstlers gegen die vorangegangene Generation durchmachte, fanden viele Ubersetzungen europäischer Literatur ihren Weg in die Vereinigten Staaten. Es war die Zeit der Entdeckungen, des nouveau roman Kafkas Werk erlebte einen wahren Publikationsboom, Beckett schrieb und der im Exil lebende Burroughs. Ich hatte geheiratet, eine Spanierin, daher las ich intensiv die lateinamerikanische Literatur. Ich war in Aufbruchstimmung, blickte über den US-amerikanischen Horizont, versuchte etwas Universaleres zu finden, fort von der im nationalen Sinne bornierten, geschlossenen Kultur. Zum Teil resultierte diese Stimmung aus der Überzeugung, daß die Erzählung selbst, als eine Bewegung, eine Art Projektion, ein Hinauslagern von Ideen und Bildern sei. Geschichten sind eine universelle Erfahrung. Geschichten lassen sich übersetzen, auch wenn ihre Worte sich nicht immer übersetzen lassen. Eine Geschichte trägt ihren Inhalt. Ich brauchte die Distanz. Es ist also nur konsequent, wenn ich immer nur über Orte schreibe, an denen ich nicht bin. Wenn ich in den Staaten arbeite, schreibe ich zumeist Geschichten mit einem eher allgemeingültigen oder vage europäischen Scenario.

Vor vielen Jahren, zu Beginn Ihrer Arbeit als Schriftsteller, lebten Sie für eine Zeit in einer Blockhütte, am Rainy Lake in Wisconsin. Wollten Sie sich damals beweisen, ob Sie ein Schriftsteller sein könnten?

COOVER: Zum Teil. Ich hatte ja schon einiges geschrieben. Allerdings noch nichts von Bedeutung, wie sich später herausstellen sollte. Ich war nach dem Ende des Korea-Krieges in die Staaten zurückgekehrt. Ich mußte einfach für eine Zeit raus aus allem und über diese vage Entscheidung, Schriftsteller sein zu wollen, nachdenken. Außerdem wollte ich einige Bücher lesen, die hohe Konzentration erforderten. Ich wollte die Bibel lesen, von Anfang bis Ende. Ich wollte alles von Beckett lesen, was ich noch nicht kannte. Und ich wollte schreiben. Schreiben ist kein Job, den man macht, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ich wollte etwas wählen und mich von etwas wählen lassen, das mich in meinem Leben führen sollte. Schreiben wurde von nun an zum Mittelpunkt meines Lebens. Bis dahin war es undeutlich geblieben, es mangelte mir an Überzeugung. Ich war mir unsicher, was Schreiben bedeutet, ob es nicht vielleicht auch hieß, einen Job beim Time-Magazin zu bekommen ...

Sie schrieben zwei Bücher, in deren Zentrum eine Art Opferung steht, Giovanni Bruno, dessen Namenspatron in Venedig zum Feuertod verurteilt wurde, in „The Origin of the Brunists“, und die Rosenbergs, die in „Die öffentliche Verbrennung“ auf dem Times Square verbrannt werden.

COOVER: Ich beschrieb, was ich sah. Ich beobachtete die Leute und sah, daß ein Bild wie die Opferung Teil ihres inneren Textes war. In meinen Büchern zeige ich, wenn, zum Beispiel, die Rosenbergs sterben, den Leuten ihre eigenen Bilder in einem neuen Licht. Nur beschreibe ich aus einer anderen Perspektive als der, in der die Geschichte der Auferstehung geschrieben wurde.

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