Von Rudolf Kahlen

Die Worte sind mit Bedacht gewählt. Eckart van Hooven, bei der Deutschen Bank für das Privatkundengeschäft zuständig, spricht unverblümt von einer „Kampfansage der Versicherungen“, die die Kreditwirtschaft annehmen müsse. Sein Kollege, Vorstandssprecher Alfred Herrhausen, sagt es etwas diplomatischer: „Wir beobachten das Umfeld genau.“

Ihr Blick ist auf das Geldvermögen der Deutschen gerichtet. Es geht darum, wer den größten Teil der angesammelten 2,2 Billionen Mark verwaltet und von den jährlich hinzukommenden 130 Milliarden Mark am meisten bekommt – Banken, Versicherungen oder Bausparkassen. Da die Assekuranz einen immer besseren Schnitt macht und dem Geldgewerbe zusehends ins Geschäft pfuscht, zwingt „die Gewalt der Fakten“, wie es van Hooven nennt, zum Handeln. Was liegt da für das mit Abstand größte deutsche Geldinstitut näher, als nach der Bausparkasse jetzt auch noch eine Versicherung zu gründen?

Wolfgang Schieren, Chef des bundesweit größten Versicherers, der Allianz, empfände einen derartigen Schritt seinerseits als Kampfansage. Die „würde teuer werden“, drohte er in einem Interview mit der Wirtschaftswoche. Denn einzelne Versicherer könnten im Gegenzug die Geschäftsbeziehung zur Deutschen Bank abbrechen, Konten kündigen und ihr Wertpapiergeschäft über ein anderes Haus abwickeln.

Die Drohgebärden indes werden nichts nützen. Vorbei sind die Zeiten, als Bankiers noch von Versicherungsmanagern überzeugt werden konnten, daß das Geschäft mit dem Risiko eine Domäne der Assekuranz sei.

Für die Vorstände der Deutschen Bank ist der Einstieg ins Geschäft der Lebensversicherer nämlich schon längst beschlossene Sache. Die Strategen haben in der Frankfurter Zentrale zwar auch darüber diskutiert, ob man sich an einem Unternehmen der Assekuranz beteiligen sollte; doch vieles spreche, wie van Hooven sagt, „für die Gründung einer eigenen Versicherung“. Den richtigen Mann für das neue Tochterunternehmen scheint er schon gefunden zu haben: Peter Gessner, Ex-Allianz-Vorstand, der an der Ulmer Universität das Fach Unternehmensführung lehrt. Diesen Namen nennt das Branchenblatt Gerlach-Report, ohne dementiert zu werden.

Über Jahrzehnte waren die Vertreter der Kreditwirtschaft wie der Assekuranz sehr darauf bedacht, einander nicht ins Gehege zu kommen. Die Versicherungsgesellschaften sollten ihrer Kundschaft in allen Lebenslagen vornehmlich Unwägbarkeiten abnehmen; Banken und Sparkassen hingegen galten in erster Linie als Vermögensverwalter und Kreditgeber, Bausparkassen kümmerten sich hauptsächlich um Immobilienfinanzierungen.