Österreich

Von Heinz-Günter Kemmer

Seit gut zwei Jahren ist er jetzt im Amt und immer noch nicht verzweifelt. Herbert Lewinsky, der den Chefsessel bei der Mobil Oil in Hamburg mit dem bei der österreichischen Voest-Alpine in Linz an der Donau tauschte, glaubt an die Renaissance des maroden Stahl- und Anlagenkonzerns, der dem österreichischen Steuerzahler schwer auf der Tasche liegt. Und trotz eines finanziellen Desasters im vergangenen Jahr hält Lewinsky daran fest, daß das Unternehmen von 1990 an wieder Geld verdienen wird.

In der Vergangenheit ist das offenbar nicht das Ziel des Staatsunternehmens gewesen. Der frühere Voest-Chef Heribert Apfalter, der Ende 1985 gehen mußte, galt in Österreich als der Mann, der immer hilfreich zur Stelle war, wenn es irgendwo brannte. Daß das Geld kostete, störte ihn offensichtlich wenig – was in der Kasse des Unternehmens fehlte, mußte der Staat eben zuschießen.

Erst als die zum Konzern gehörende Voest-Alpine Interhandel 1985 bei spekulativen Ölgeschäften Riesenverluste erlitt und der Gesamtkonzern unter dem Strich ein Defizit von knapp 1,7 Milliarden Mark auswies, zog die Regierung die Konsequenz und setzte den gesamten Vorstand vor die Tür.

Der neue Vorstand legte schon im September 1986 ein Konzept vor, das „die Selbsterhaltungsfähigkeit des Konzerns wahren sollen“. Dazu gehörte eine Aufteilung des bisher zentralistisch geführten Konzerns in drei Hauptbereiche, die jeder für sich die Ertragswende anstreben sollen. Damit werden die Fusionen, mit denen der Konzern Anfang der siebziger Jahre in der Kreisky-Ära gerettet werden sollte, rückgängig gemacht.

Unter dem Dach der Voest-Alpine AG tummeln sich jetzt drei Gesellschaften mit beschränkter Haftung, die zwar die Marke Voest-Alpine im Namen tragen, voneinander aber völlig unabhängig sind: