Von Herbert Schäfer

Hanne Vedder, Ernährungsberaterin der baden-württembergischen Verbraucherzentrale, ist sauer auf die Ministerialbürokratie, „weil die so eine Geheimniskrämerei um die Sache macht“. Mit der Sache meint sie Olivenöl, das aus Italien, Frankreich und Spanien importiert wird. Darin entdeckten staatliche Lebensmittelchemiker alarmierende Spuren des Löse- und Reinigungsmittels Perchlorethylen.

Per (so die internationale Kurzbezeichnung), von dem weltweit pro Jahr in der Metall-, Farben- und Textilindustrie, in Druckereien und chemischen Reinigungen mehr als eine Million Tonnen verbraucht werden (deutsche Hauptproduzenten mit zusammen 110 000 Tonnen: die Dow Chemical in Stade, Wackerchemie Burghausen und Chemische Werke Hüls), gilt als krebsverdächtig. Bei längerem Einatmen der Dämpfe oder Aufnahme über die Nahrung kann es Kreislauf, Nerven und innere Organe schädigen.

Statt jedoch die Öffentlichkeit vor den Gesundheitsrisiken zu warnen und die betroffenen Handelsmarken des Olivenöls zu nennen, spielten schwäbische Regierungsstellen die Gefahr noch in der vorigen Woche herunter: Unmittelbar vor der Landtagswahl sollte Aufregung vermieden werden.

Dabei hatte das chemische Landesuntersuchungsamt Stuttgart gerade erst in einer Lieferung aus Spanien 1,4 Milligramm Per pro Liter Öl gemessen und dies den Kontrollbehörden in einem internen Gutachten mitgeteilt. Obwohl der Verkauf derart verseuchter Ware nach dem Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz (LMBG) verboten ist und auch das Bundesgesundheitsamt in Berlin solche Werte für höchst bedenklich hält, gibt das für die Überwachung von Nahrungsgütern zuständige Landesumweltministerium Entwarnung: In jüngster Zeit habe man nichts Verdächtiges im Speiseöl bemerkt – nach Lage der Dinge eindeutig eine, Falschinformation. Denn auch andernorts waren Fahnder in den vergangenen Monaten wiederholt fündig geworden: In Erlangen, Duisburg und Mainz stießen sie auf 1,1 bis 2,0, in Frankfurt sogar auf 3,1 Milligramm Per pro Liter Olivenöl.

Für die Verbraucherschützerin Hanne Vedder ein Grund mehr zum Boykottaufruf: „Da die Regierung die Namen der in den Skandal verwickelten Firmen verschweigt, bleibt uns nichts anderes übrig, als den Leuten selbst zu empfehlen, allgemein in den Einkaufsläden einen Bogen um Olivenöll zu machen. Denn keiner weiß ja, wo die gefährliche Chemikalie überall drinsteckt.“

Der Pressesprecher der baden-württembergischen Landespolizei 1, Hauptkommissar Herbert Fercho, rätselt, „wie der Dreck in das Öl gekommen ist“. Wenig glaubhaft erscheint ihm die vom Fachhandel gegebene Version, die Erzeuger in den Olivenanbaugebieten benutzten Per, um den Fettgehalt der Früchte zu testen. Dabei könne das Mittel schon mal überschwappen und unbemerkt in die Lieferungen geraten. Fercho hingegen schließt nicht aus, daß hinter den vermeintlichen Betriebspannen eine handfeste Absicht stecken könnte: das Mixen unterschiedlicher Qualitäten. „So etwas wäre massive Verbrauchertäuschung. Denn obendrein tragen manche dieser Lieferungen das Mindesthaltbarkeitsdatum 1990 und wecken beim Kunden falsche Erwartungen.“