Der Streik findet nicht statt. Arbeitgeber und Gewerkschaften im öffentlichen Dienst einigten sich am frühen Mittwochmorgen nach zähen Verhandlungen doch noch auf einen Kompromiß. Der Abschluß für die 2,2 Millionen Beschäftigten bei Bund, Ländern und Gemeinden basiert auf der Schlichtungsempfehlung des CSU-Politikers Hermann Hocherl. Er sieht im Kern die stufenweise Verkürzung der Arbeitszeit um eineinhalb Stunden vom 1. April 1989 an vor. Daneben wurden Einkommensverbesserungen von 2,4 Prozent für dieses Jahr, weitere 1,4 Prozent für 1989 und noch einmal 1,7 Prozent von 1990 an vereinbart.

Für die Staatsdiener ist der Abschluß schmerzlicher als für die öffentlichen Arbeitgeber. In deren Haushaltsplänen war eine Anhebung der Löhne und Gehälter in der nun beschlossenen Größenordnung längst vorgesehen. Überdies haben sie den Vorteil, daß bis nach der nächsten Bundestagswahl im November 1990 an der Tariffront Ruhe herrscht. Die sonst vor solchen Terminen übliche Freigiebigkeit können sie sich also sparen.

Die Arbeitnehmer dagegen tragen mit der langfristigen Festlegung der Einkommenszuwächse ein erhebliches Risiko. Denn schon ein geringfügiger Anstieg der Inflationsrate kann sie leicht ins Hintertreffen geraten lassen. Für die Kassenwarte ist das neue Abkommen also ein Sieg der Vernunft, für die Arbeitnehmer eine riskante Sache, für die Arbeitslosen aber eine Niederlage. Denn ihnen bringt die Verkürzung der Arbeitszeit wenig oder gar nichts. Ms