Von Konrad Kentmann

Die Gefahr einer Finanzkrise scheint zur Zeit nicht akut zu sein. Von einer Lösung des Verschuldungsproblems kann jedoch keine Rede sein angesichts wachsender Kapitalabflüsse und zunehmender Wirtschaftsprobleme der Schuldnerländer sowie ausbleibender neuer Mittel der privaten Banken. Fünf Jahre nach Ausbruch der Schuldenkrise hat das bisherige Krisenmanagement nicht den erhofften Erfolg gebracht.

„In dieser kritischen Situation scheinen die Gläubigerländer ... erkannt zu haben, daß das bisherige Verfahren, Jahr für Jahr die jeweils fälligen Schuldendienstverpflichtungen umzuschulden – ein Behelf während der Stabilisierungsphase –, seine Berechtigung verloren hat und durch eine abschließende langfristige Lösung als notwendiger Grundlage des weiteren Gesundungs- und Entwicklungsprozesses ersetzt werden muß.“ Dieser Satz ist nicht etwa eine neue Einsicht der Gläubiger Brasiliens, Mexikos oder Argentiniens. Er ist vor fast zwanzig Jahren geschrieben worden und findet sich im Abschlußbericht von Hermann Josef Abs für die Mitgliedsländer des Pariser Clubs zur Lösung der Probleme der indonesischen Auslandsverschuldung.

Trotz ihrer zwanzig Jahre hat diese Erkenntnis, wie die gesamte Abs’sche Studie, nicht an Aktualität eingebüßt. Denn nach wie vor gewinnt man bei der Betrachtung der Versuche zur Bewältigung der Verschuldungskrise den Eindruck, daß es bisher lediglich gelang, den Betroffenen kurzfristig etwas Luft zu verschaffen, daß langfristige tragfähige Lösungen jedoch nicht in Sicht sind. Auch ist es in der Zusammenarbeit von Gläubigern und Schuldnern zur einen oder anderen praktischen Verbesserung gekommen. Was aber nach wie vor fehlt, ist die große Linie einer Gesamtstrategie die von allen Beteiligten mitgetragen werden könnte.

Es ist kein Zufall, daß eine Studie an den Gedanken von Abs ansetzt, die mit Fug und Recht als Versuch einer solchen Gesamtstrategie angesehen werden kann:

Thomas Kampffmeyer: Die Verschuldungskrise der Entwicklungsländer. Deutsches Institut für Entwicklungspolitik, Berlin 1987; 155 Seiten, 20,– DM

Mehr noch als an die Indonesien-Umschuldung wird hier an das andere Konzept angeknüpft, das mit dem Namen Abs verbunden ist, nämlich an das Londoner Schuldenabkommen aus dem Jahre 1953 zur Regelung der deutschen Verschuldung gegenüber den Alliierten. Zusammen mit dem Marshallplan schuf dieses Abkommen den Bewegungsraum, in dem die Wirtschaft der Bundesrepublik dann ihre Dynamik voll entfalten konnte.