Was, wir sollen Abschied nehmen? Dabei habe ich sonntags abends beim ZDF jedesmal soviel gelernt. Essen wie Gott in Deutschland! Immer fragte ich mich mit der Moderatorin Petra Schürmann, in welche schöne Gegend Deutschlands bekanntester Restaurantführer uns heute bringt.

Ganz feierlich wird mir zumute, wenn ich die Gäste in diesen Restaurants der jungen deutschen Küche sitzen sehe – die schick gefönten Damen und bossgestylten Herren, die wohlerzogen „Prost“ mit abgespreiztem Finger sagen.

Dann nimmt mich die Kamera mit in eine blitzblanke Küche mit gewienerten Armaturen, und Gastgeberin Petra fragt den Meister, der diesmal göttlich kochen soll, was er uns (ja, uns!) denn heute für ein Menü mitgebracht habe. Er verrät das nicht gleich, sondern erklärt mir erst einmal, daß er nur die allerbesten, nur die allerfrischesten deutschen Produkte auf dem Markt besorgt habe.

Und dann geht es los, ich darf tatsächlich in seine Töpfe gucken, wie er sein Stubenküken auf Grünkernrisotto mit Rotweinsauce zubereitet. Immer gibt es drei Gänge, ist ja klar. Was ich total bewundere, ist, wie er’s schafft, nie mehr als zwei Töpfe (die Töpfe! Italienisches Gastro-Design, versteht sich, und das Spitzsieb immer vorneweg) auf dem Herd stehen zu haben. Drei Gänge, das gibt bei mir immer ein Geräte-Ratatouille; die Suppe kocht über, gerade wenn das Gemüse à point gegart ist und die Eiercreme für das Dessert unbedingt ins Eiswasser muß ... Aber das, so habe ich gelernt, ist völlig laienhaft, drei Gänge nebeneinander herzukochen. Obwohl sie so nett sind, diese Meister am Herd (Frauen durften nur zweimal ins himmlische Küchenstudio), sichern sie sich doch ab. Wenn ich mich gespannt vorbeuge, um zu sehen, wie der Meisterkoch es anstellt, daß sein Karamel kein braunschwarzer Klumpen wird wie bei mir, huscht die Kamera plötzlich zu unverfänglichem wie „unserer eingeweichten Gelatine“. Mich verwirrt auch die Mitteilung, den Kalbsfond (die Pastete, den kandierten Meerrettich) habe er schon gestern vorbereitet... Wo er doch immer einen Assistenten neben sich stehen hat. Die Kamera beachtet den zwar nicht sonderlich, aber mir entgeht nicht, wie der sich da still abrackert, blitzschnell die Julienne schnippelt und gerade im rechten Moment die Hitze wegnimmt, während der Meister mir erklärt, wie sein Petersilienwurzelschaumsüppchen noch mehr Aroma bekommt.

Der Höhepunkt ist gleichzeitig die Vollendung, dann wird in der jungen Küche dekoriert – mit klitzekleinen Minzblättchen, mit einzeln eingetunkten Zweiglein, Früchtchen, Schüppchen. Wenn in meiner Küche das Chaos am größten ist, setzt hier leise perlend Klavier mit Trompete ein, und kein Klecks auf dem Rand.

Gerade als mich diese Kluft melancholisch machen will, muntert mich Petra Schürmann wieder auf: „Mit ein bißchen Phantasie...“ Und weil ich noch so viele Fragen habe, hat sie einen Fachmann ins Studio geholt, zum Thema „Mensch und Milch“ beispielsweise, unnachahmlich handfest führt sie von der Dickmilch zur Sahne, von der Sauerrahmbutter zum Halbfettkäse. Mir schwindelt, weil die Kamera betört die ganze Produktpalette umtanzt („alles aus dem Kühlregal“). Aus deutschen Landen frisch in die Kamera – Gemüse, Fleisch und Zutaten, auch die Weinlage erfahre ich, und woher ich das Kochbuch zur Serie bekomme. Aber diese tolle Küche – ist die nun von Bulthaup oder Poggenpohl?

Nun ist Schluß, lese ich. Waren denn schon alle Köche dran, die so genial mit Wirsing und Haferflocke umzugehen verstehen? Oder kam ein Zeichen aus dem Himmel...? Ich werde Petra jedenfalls vermissen, sie und ihre Frage, in welche schöne Gegend Deutschlands...

Anna v. Münchhausen