Von Michael Althen

Kann man vorhersagen, ob jemand schwarz oder rot sagt? Nein? Probieren wir es aus: Nehmen Sie ein Spiel mit 52 Karten und legen die Könige heraus. Sortieren Sie die Karten mit den Bildern nach unten so, daß die schwarzen oben und die roten unten liegen. Dann legen Sie den schwarzen König links und den roten rechts nebeneinander auf den Tisch. Reihen Sie die ersten 24 Karten, je nachdem, was ihr Gegenüber sagt, unter den roten oder den schwarzen König. Verdeckt natürlich. Unter beiden Königen liegen jetzt eine bestimmte Anzahl Karten, alle schwarz. Die links liegen richtig, die rechts, unter dem roten König, natürlich nicht. Das wissen aber nur Sie. Ihnen verbleiben nun natürlich noch 24 rote Karten. Deshalb legen sie unter die „richtige“ schwarze Reihe den roten König – und umgekehrt, genau spiegelverkehrt. Die restlichen Karten fügen Sie nun nach demselben Prinzip, je nachdem was der andere nennt, an die unteren Könige.

Links liegen jetzt also die schwarzen Karten unter dem schwarzen und die roten unter dem roten König. Decken Sie die Reihe auf und ihr Gegenüber wird erst einmal staunen. Das müssen Sie ausnutzen, denn rechts liegen ja noch unter dem roten König die schwarzen und unter dem schwarzen die roten Karten. Decken Sie mit dem unteren König die darüber liegenden Karten auf und ziehen Sie dabei unauffällig den oberen schwarzen König zu den unten liegenden schwarzen Karten. Eine sehr einfache Manipulation, weil der andere erst einmal zu überrascht sein wird, um wirklich genau aufzupassen.

Wenn man diesen Trick ausprobiert und begriffen hat, weiß man auch, wie „Haus der Spiele“ funktioniert. Und wie die Geschichte um die Psychologin Margaret Ford, die unter professionelle Spieler gerät, gestrickt ist. Während sie dauernd glaubt, zwischen Rot und Schwarz noch frei wählen zu können, ist ihre Wahl in Wirklichkeit längst schon vor dem Spiel festgelegt. Ihre Reaktionen kommen so sicher wie auf die 24 schwarzen 24 rote Karten folgen. Und selbst der Zuschauer, der die Tricks durchschaut zu haben glaubt, wird noch ordentlich hereingelegt. David Mamet läßt uns in die Karten schauen, aber er verschweigt dabei, daß er immer noch einen Trumpf im Ärmel versteckt hält.

Frau Dr. Ford, gespielt vom Mamets Frau Lindsay Crouse, glaubt an die Psychoanalyse, vertraut ihren Methoden. Wenn ihr eine Patientin erzählt, sie habe von einem Tier namens Oge geträumt, dann entschlüsselt sie begeistert: Oge bedeute rückwärts gelesen Ego. So einfach ist das.

Für jedes Schloß gibt es einen Schlüssel. Daß es in Mamets Film von Schlössern und Türen nur so wimmelt, gibt schon einen Hinweis auf die Methoden des Regisseurs. Er spielt mit offenen Karten. Und darüber vergißt man leicht, daß jede Türe auch eine Falltür sein kann.

Um die Spielschulden eines Patienten zu begleichen, muß Dr. Ford ins House Of Games. Ihr Kontaktmann heißt Mike (Joe Mantegna), und der versucht auch gleich, sie übers Ohr zu hauen. Als sie gerade rechtzeitig dahinterkommt, zieht er sie ins Vertrauen und erklärt ihr ein paar seiner Tricks. Es gebe untrügliche Zeichen, erklärt Mike, die man nur zu deuten wissen müsse. Etwa in welcher Hand sie eine Münze versteckt halte, oder an welchen Finger ihrer Hand sie gerade denke: „Die Dinge, die wir wollen, wir können sie tun oder lassen, aber wir können sie nicht verbergen.“ Das kommt Margaret Ford bekannt vor. Nur übersieht sie dabei, daß sich ihre Psychologie von der des Spielers ganz wesentlich durch das Ziel unterscheidet: Sie will Erkenntnisse über die Vergangenheit, der Spieler über die Zukunft. Sie glaubt die Spielregeln zu durchschauen und vergißt, daß ein Profi wie Mike sich nicht auf sein Glück allein verläßt. Sein Motto: Jede Sekunde wird ein Dummer geboren – und zwei, die ihn ausnehmen.