Recht behalten und politische Rechnungen ausgleichen, das macht natürlich Spaß. Der eine Lustgewinn wird nun weidlich durchgehechelt: Lothar Späth ist mit seinem eigenständigen, mitunter geradezu gegen Bonn gerichteten Wahlkampf erfolgreich gewesen. Die anderen Lustgefühle hingegen werden eher diskret genossen: Norbert Blüm wird nun doch nach Südafrika reisen, wahrscheinlich schon im Mai – und sogar mit der Zustimmung Helmut Kohls.

Wir erinnern uns: Das hatte sich so richtig zu einer Kabale nach Bonner Art ausgewachsen. Auf der einen Seite der Kanzler, aus mancherlei Gründen gar nicht angetan von der Furore, die sein Sozialminister im vergangenen Sommer mit seinen Menschenrechtsinterventionen in Chile gemacht hatte. Und auf der anderen Seite Blüm, der gleich danach auch den Apartheid-Staat ins Auge faßte – zum gesteigerten Mißfallen Kohls, Am Ende gab es so etwas wie einen Waffenstillstand. Der Kanzler ging davon aus, daß Blüm nicht auch noch ans Kap fahren werde. Der Minister hingegen war davon überzeugt.

Nun also doch, mit Hilfe eines EG-Auftrags an Blüm, der seinen europäischen Kollegen über die Lage der Arbeitnehmer in Südafrika, besonders der schwarzen, berichten soll. Weiß der Himmel, wie das Mandat zustande gekommen ist. Sagen wir: Es hat sich so ergeben. Gewissermaßen als europäische Überrundung des Europäers Kohl? Oder als elegante Lösung, zu der auch der Kanzler eine gute Miene machen kann? Ob nun der Haussegen über den Beziehungen zwischen ihm und seinem Minister, der auch aus anderen Gründen etwas schief hängen soll, wieder ins Lot kommt, wird man spätestens nach Norbert Blüms Rückkehr aus Südafrika sehen.

Tollkühne Männer in fliegenden Kisten: Diese Assoziation legen die sorgenvollen Kommentare über die technische Havarie nahe, von der, nach anderen hochgestellten Personen, nun auch der Bundespräsident beim Rückflug von seinen Besuchen in Afrika betroffen worden ist. Die Männer von der Flugbereitschaft der Luftwaffe hören es mit Verdruß. Wohl wahr, daß ihre Boeings, mit denen die Staatspersonen transportiert werden, veraltet sind. Aber andererseits sind bis auf die Außenhaut praktisch alle Teile immer wieder erneuert worden. Und wenn nicht dauernd Journalisten mitflögen, klagen die Flieger, gäbe es nicht so viel Aufhebens.

In Wahrheit machen das Aufsehen freilich andere, mit einer Mischung aus guter Absicht und Lobbyismus, zum Beispiel der CSU-Abgeordnete Dionys Jobst in Bild: „Pannen über Pannen... ein Glück, daß bisher noch nichts Ernstes passiert ist.“ Ganz klar, daß da endlich der Airbus her muß, der dem CSU-Chef Strauß so am Herzen liegt. Nur: Wer könnte denn letzten Endes für Abhilfe sorgen, wenn nicht die Parlamentarier? Soweit bekannt, ist die Anschaffung neuer Maschinen bisher sowohl an der Weigerung des Verteidigungsministeriums, dafür aus seinem Etat aufzukommen, als auch an den sparsamen Haushältern des Bundestages gescheitert.

Auch sonst hört, wie immer, beim Geld die Gemütlichkeit auf, nicht nur gegenüber hochgestellten, sondern auch bei – angeblich? – hochwillkommenen Personen. Bisher sind die Besucher aus der DDR von der Zahlung des Intercity-Zuschlags stillschweigend ausgenommen worden. Das soll sich – ginge es nach der Bahn – demnächst ändern: Zwar ruft die Deutsche Bundesbahn nicht nach dem Fünfmarkstück von den Landsleuten mit ihrer kümmerlichen Westbörse. Doch sie fordert Ausgleich aus dem Bundeshaushalt. Das innerdeutsche Ministerium und das Verkehrsressort wollen nichts ändern. Das Finanzministerium möchte den Wünschen der Bahn eingedenk der Haushaltsnöte nur nachkommen, wenn sich woanders Ausgleich findet. Gerät die Sache in das Mahlwerk fiskalischer Interessen? Zermahlen würde auch ein Stück praktischer deutschdeutscher Solidarität.

Carl-Christian Kaiser