Auf der schnell wechselnden Bonner Bildungsszene war Eberhard Böning, zuletzt Staatssekretär im Bildungsministerium, ein Element der Kontinuität. Dreiundzwanzig Jahre lang trainierte er die wechselnden Minister, die von der Materie oft wenig verstanden, in ihren Geschäftsbereich ein und machte sie mit dem leidigen Thema ihrer Kompetenzen vertraut.

Intensiver als andere hat Eberhard Böning erfahren, daß die Zuständigkeit des Bundes in Bildungs- und Hochschulfragen dort aufhört, wo die eifersüchtig verteidigte Kulturhoheit der Länder anfängt. Als Bonner Träger des Bundes hielt Böning die Fahne hoch. Den langen Kampf um das Hochschulrahmengesetz hat er unverdrossen durchgestanden – immer liebenswürdig im Ton und verbindlich in den Umgangsformen.

Er war niemand, an dem sich die Geister schieden, vielmehr hatte er die Gabe, Streithähne wieder zusammenzuführen. In den schwierigen Bund-Länder-Verhandlungen gelang es ihm oft als einzigem, sich neue Positionen einfallen zu lassen, die einen Fortschritt ermöglichten. Die Hoffnung gab er nie auf, auch das Thema nicht: Es war ihm ernst mit der Gleichartigkeit der Lebensverhältnisse. Die Gestaltungsaufgabe des Bundes in der Bildungs- und Hochschulpolitik verteidigte er gegen alle Widrigkeiten.

Doch es war mühevoll, im Bonner Bildungsministerium Wirkung zu erzielen. Schon seit der politischen Entscheidung, die Forschung auszugliedern, hatte das Ressort an Schlagkraft verloren. Seine Operationsbasis wurde noch schmaler, je stärker der Finanzminister die Bundesmittel für den Hochschulausbau beschnitt. Damit wurde das letzte Instrument stumpf, mit dem das Ministerium die staatliche Hochschulpolitik beeinflussen konnte.

Sich in diesem Metier zu behaupten, setzte einen großen Einsatz voraus und eine nimmermüde Natur. Eberhard Böning war Rheinländer und wurde 58 Jahre alt. Er starb an einem Herzinfarkt.

N. G.