Im Saarland wird Energiesparern wirksam geholfen

Von Thomas Kleine-Brockhoff

Gedankenloser Umgang mit Energie, ja pure Verschwendung wird Lothar Lösch bei seinen Betriebsbesuchen täglich aufs neue vorgeführt. Da hat er als Energieberater und Geschäftsführer der Saarländischen Energie Agentur (SEA) inzwischen einiges erlebt und kann sich doch nicht daran gewöhnen. Immer wieder schüttelt er den Kopf und murmelt etwas von einem „enormen Einsparpotential“, als er durch die Eisengießerei Backes in Homburg schlendert. In den großen, zugigen Werkshallen werden Lothar Lösch riesige Ölbrenner gezeigt, die an den Kopfseiten der Hallen bis zur Decke emporragen. „Wenn es ein bißchen kälter wird und diese ölfressenden Monster laufen, können Sie hier was erleben“, erzählt der Techniker, der Lösch durch den Betrieb führt. Der Mann schlägt unwillkürlich seinen Kragen hoch: „Die Riesengebläse wirbeln wie ein Orkan alles durcheinander. Arbeiten kann man in so einer Staubwolke kaum, und warm wird es auch nicht recht.“ Die Arbeiter ziehen sich dann immer Pudelmützen auf, um sich nicht im Wind zu erkälten. Während Lothar Löschs Rundgang pustet gerade keines der riesigen Gebläse. Die Arbeiter stehen unter Wärmestrahlern oder vor kleinen Koksöfchen und reiben sich über den offenen Flammen die Hände.

Zurück im Büro, zieht Energieberater Lösch Bilanz. Die riesigen Ölbrenner in den Fabrikhallen? „Unwirtschaftlich, gesundheitsschädlich.“ Die Wärmestrahler, die in fünf Meter Höhe hängen? „Nutzlos.“ Die kleinen Koksöfchen? „Rührend, aber illegal.“ Der Nachtstrom für Dusch- und Verwaltungstrakt? „Zu teuer.“

Die Energie Agentur will dem Betrieb helfen, von den hohen Energiekosten herunterzukommen. Aber Gießereibesitzer Backes hat schon vorab klargestellt: Energiesparen möchte er nur zu gern, für Investitionen in energiesparendes Gerät ist jedoch kein Geld da. Das ist für Lothar Lösch kein Hindernis. Kapitalkräftig und investitionsfreudig müssen seine Geschäftspartner gar nicht sein. Die Energie Agentur, Ende vergangenen Jahres von der Saarbrücker Landesregierung gegründet, bietet saarländischen Unternehmen und Kommunen eine kostenneutrale Lösung ihrer Energieprobleme an. Das Geschäftsprinzip der Agentur ist in der Bundesrepublik bislang ohne Beispiel: Die SEA finanziert energiesparende Anlagen vor und läßt sich von den Geschäftspartnern mit den eingesparten Energiekosten bezahlen. Wenn alle Kosten einschließlich der Beratungs- und Planungshonorare abgestottert sind, gehen die Anlagen in den Besitz der Agentur-Kunden über. Dann erst ist für die Partner der Agentur der Spareffekt im eigenen Geldbeutel spürbar. Die Homburger Eisengießerei ist eine der ersten Firmen, die das ungewöhnliche Finanzierungsmodell nutzen wollen.

Lothar Lösch überlegt, der Eisengießerei den Einbau eines Wärmerückgewinnungs-Systems vorzuschlagen. Denn beim Schmelzen des Eisens entsteht all die Wärme, die zum Heizen der Werkshallen notwendig wäre. Schon morgens um vier Uhr wird der große Ofen angefeuert, damit er drei bis vier Stunden später endlich heiß genug ist zum Eisenschmelzen. Die Wärme, heißes Rauchgas, entweicht völlig ungenutzt durch den Schornstein – eine absurde Verschwendung.

Etwa 750 000 Mark, schätzt Lothar Lösch, kostet der Einbau einer Anlage, die das Rauchgas nutzt, um Werkshallen und Wasser zu wärmen. „Ohne das Finanzierungsmodell der Agentur könnten wir das nicht stemmen. Alles müßte beim alten bleiben“, sagt Alois Backes, der Geschäftsführer und alleinige Gesellschafter der Gießerei. Für Backes, der nach dem Konkurs der Firma 1984 vom Betriebsratsvorsitzenden zum Unternehmer aufstieg, muß sich eine Investition in energiesparende Technik „vom ersten Tag an lohnen, erst recht in der besonderen Situation dieses Betriebes“. Die traditionsreiche Firma steht gerade erst wieder auf stabilen Füßen. Schon lange vor der Pleite hatte die Geschäftsleitung, immer in Geldnot, auf jegliche Investition verzichtet. Entsprechend sieht die Gießerei heute aus: Das Zeitalter der Elektronik scheint völlig an ihr vorbei gegangen zu sein. Mit den noch immer begrenzten Mitteln will der neue Inhaber Backes nun „behutsam modernisieren“. Auf seiner Prioritätenliste stehen Energiespar-Investitionen allerdings ganz unten, obwohl die Rechnungen für Öl, Gas und Strom sich auf zwölf Prozent der Produktionskosten summieren. Andere Investitionen, dringend notwendig, versprächen in kürzerer Zeit einen größeren Profit, meint Backes.