Von Christine Mattauch

Am 29. September trugen die Männer an den Hoesch-Hochöfen III und V vollen Atemschutz. „Die Angst vor Dioxin war groß“, erinnert sich Hans-Otto Wolf, Vorsitzender des Betriebsrates: „Alle dachten an Seveso.“ An diesem Tag wurde bei Hoesch ein Versuch durchgeführt. Man wollte feststellen, ob Altöl, das mit giftigen polychlorierten Biphenylen (PCB) verseucht war, im Hochofen schadlos verbrennt. Dann könnten nämlich Kosten eingespart und gleichzeitig die Umwelt entlastet werden.

Die Entwarnung kam knapp zwei Monate später. Chemiker des Institutes Fresenius in Taunusstein hatten während der Versuche laufend Schlamm-, Staub- und Emissionsproben entnommen. Schlußsatz ihres Gutachtens: „In den untersuchten Proben .. .konnten keine polychlorierten Dibenzodioxine und Dibenzofurane festgestellt werden.“ Selbst ein zehntel Nanogramm hätten sie noch aufgespürt; ein Nanogramm, das ist ein milliardstel Gramm.

In Hochöfen wird nicht nur Koks, sondern auch Öl verfeuert. Dieses Öl hat die Dortmunder Hoesch Stahl AG in vier Versuchen von je 60 Stunden durch PCB-haltiges Altöl ersetzt. Der Anteil der umweltschädlichen Substanz betrug 1350 bzw. 1450 ppm (parts per million = Teile auf eine Million Teile). Zum Vergleich: Der gesetzliche Grenzwert für die Wiederaufbereitung von Altöl liegt bei zwanzig ppm.

„Mit solchen Versuchen wie bei Hoesch sind wir auf dem richtigen Weg“, sagt Hans Jakobi, Sonderabfall-Experte des Umweltbundesamtes in Berlin. Das Ziel der Versuche: Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit zu verbinden. Denn derzeit kostet es bis zu 5000 Mark, eine Tonne des giftigen Öls zu vernichten. Für Unternehmen wie Hoesch aber ist auch PCB-haltiges Öl nutzbare Energie. Könnten sie einen Teil ihres Brennstoff-Bedarfs mit dem Abfall-Öl decken, so würden sie Hunderttausende von Mark sparen.

Kostenlose Energie für den einen, preiswerte Entsorgung für den anderen: „Ein Geschäft zu gegenseitigem Nutzen, von dem außerdem die Umwelt profitiert“, urteilt Jakobi.

Auch die Öl-Panscherei könnte erheblich zurückgehen, wenn die preiswerte Entsorgung sich durchsetzt. Denn weil es bisher so teuer ist, das Gift-Öl in einer Sondermüll-Verbrennungsanlage vernichten zu lassen, wird überall in der Bundesrepublik PCB-haltiges Öl unter normales Öl gemischt und die gefährliche Mixtur dann als Heizöl verkauft. Durch die „unsachgemäße und unzulässige Vermischung“ sei bereits „der gesamte Heizölkreislauf mit PCB verunreinigt“, stellt das nordrhein-westfälische Ministerium für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft fest.