Geschönt

Nichts zeigt die Schwächen der Bonner Wirtschafts- und Finanzpolitik drastischer als die Arbeitslosenstatistik. Seit der Wende im Herbst 1982 ist die Zahl der Arbeitslosen um etwa eine halbe Million gewachsen. Versprochen hatte die Koalition das Gegenteil. Weil die Statistik, wenn sie Monat für Monat die neuesten und tristen Daten vom Arbeitsmarkt liefert, die Bundesregierung regelmäßig an die eigene Unzulänglichkeit erinnert, sinnt die CDU jetzt auf Abhilfe – sie will die Statistik ändern.

Nur noch den „tatsächlichen Notstand“ soll das nach Unionsvorstellungen manipulierte Zahlenwerk spiegeln. Daß die Not dann kleiner ist als vorher, versteht sich von selbst – wenigstens die der Bundesregierung. Denn die Ziffern sollen schrumpfen, getreu der Devise Helmut Kohls: „Da sind Leute gemeldet, die nutzen die Gesellschaft aus und denken nicht daran zu arbeiten.“

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Der Kanzler verschweigt dabei allerdings, daß in der Statistik schon jetzt 360 000 Umschüler, 107 000 Teilnehmer an Arbeitsbeschaffungsprogrammen, 55 000 ältere Arbeitslose und eine Million Menschen aus der sogenannten stillen Reserve fehlen. Sie alle suchen einen regulären, bezahlten Job und sind eigentlich arbeitslos. Ihnen und den anderen Arbeitslosen hilft kein Spiel mit Zahlen, sondern nur eine bessere Politik. chr

 
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