DIE ZEIT

Gefängnis fürs Gewissen

Pretoria macht es den Freunden Südafrikas schwer, nicht in den allgemeinen Chor der Verdammung einzustimmen. Gleichgültig, ob es sich um die Berichterstattung der Medien handelt oder um oppositionelle Schwarze oder, wie jetzt, um einen einzelnen jungen Weißen, der sich dem Stellungsbefehl der Armee verweigert – die Regierung kennt grundsätzlich nur eine Antwort: Gewalt, Verbot, Gefängnis.

Lieblos

Knochentrocken, mit liebloser Begründung hat das Bundesverfassungsgericht die Klage einer Katholikin gegen die Finanzierung von rechtmäßigen Schwangerschaftsabbrüchen durch öffentliche Krankenkassen abgewiesen.

Reiner Tisch

Jordaniens König Hussein hat die Konsequenzen gezogen: Weil sich die PLO und Israels Regierung beharrlich weigerten, mit ihm über die Zukunft Westjordaniens und des Gazastreifens zu verhandeln, gab er seinen Souveränitätsanspruch auf das ehemals jordanische Westufergebiet auf.

Wieder auf Diät

Jetzt, nach dem hessischen Parlamentsskandal, tun sich auch die in alten Sprachen ungeschulten Bürger leichter, zwischen „Diät“ und „Diäten“ zu unterscheiden.

Zaudern, Zappeln, Zähneknirschen

Der Zeitgenosse reibt sich verwundert die Augen. Ist es die Möglichkeit? Da pocht der Westen seit Jahren auf die Notwendigkeit, daß Ost und West schleunigst über einen Abbau der konventionellen Streitkräfte und Rüstungen in Europa verhandeln.

Iraks Präsident: Der Saladin mit der Maschinenpistole

Mit dem märchenhaften Kalifen Harun ar-Raschid aus dem Bagdad von Tausendundeiner Nacht hat der irakische Präsident Saddam Hussein nur eins gemein: Wie der legendäre populäre Volksfreund liebt er die Verkleidungen.

Zeitspiegel

Helmut Kohl ruht sich am Wolfgangsee aus. Ronald Reagan reitet in Santa Barbara. Und François Mitterrand hat sich auf seinen Landsitz Latche zurückgezogen.

Den Stab brechen?

Robert Leichts Kurzformel: „Dame oder Graf“ mit Fragezeichen ist treffend. Noch besser wäre es, könnte man die Frage nach der Qualifikation eines Politikers für den Parteivorsitz ohne Nennung von Namen von Personen und Parteien stellen.

Wachsender Ärger in der CDU: Grummelnd in die Sommerpause

Auf den Schock folgt bleierne Stille. Hätte nicht der Kanzler höchstselbst vor seiner Abreise in den Urlaub noch eine ausgiebige Pressekonferenz gegeben, die CDU wäre sang- und klanglos im Sommerloch verschwunden.

Qual der Wahl

Wer die Wahl hat, hat die Qual – das ist zwar in der Demokratie ein Unsinn, kennzeichnet jedoch sehr genau die Stimmung, mit der die Liberalen in die Ferien und in den bevorstehenden Herbst ziehen.

Beziehungen zwischen Vatikan und Kreml: Das Eis ist gebrochen

Wo alte, auch sprachlose Feindseligkeit schwindet, wiegt jedes freundliche Wort. So kann jetzt der päpstliche Chefdiplomat Kardinal Casaroli das Ergebnis seiner Moskaureise vom Juni zurückblickend und vorausschauend als „Brücke über 70 Jahre Geschichte“, ja als Anlaß „großer Hoffnung“ bezeichnen.

Drogenhandel in Spanien: Das neue Tor nach Europa

Acht Tage hatten die Polizisten in der Bucht von Cabrisca auf der Lauer gelegen, bis sie mit größter Vorsicht zuschlugen: Sie überwältigten den als harmlosen Sommerfrischler getarnten Wächter des kleinen Sommerhauses, hinter dem sie das Schmugglerversteck vermutet hatten.

Wolfgang Ebert: Gefährlicher Urlaub

Endlich rief er an. Ja, es gehe ihm, den Umständen entsprechend, gut. Denn er habe fast alle meine Warnungen beherzigt. Wegen der Smoggefahr habe er fast ganz auf das Atmen verzichtet und zusätzlich noch eine kleine Schutzmaske getragen.

NACHLESE: Hexenjagd stört Öffnung

Es ist das alte Spiel. Präsident François Mitterrand und Premierminister Michel Rocard haben begonnen, Schlüsselstellen in verstaatlichten Unternehmen, bei der Börsenaufsicht und in der Polizeihierarchie umzubesetzen.

KURZPORTRAIT: Mann mit Charisma

Vermag Paddy Ashdown, die zuletzt so arg ramponierte britische Zentrumspartei aus dem Tief herauszuführen? Sein überraschend klarer Sieg bei der parteiinternen Urabstimmung entspringt der Einsicht der Parteimitglieder, daß nur ein radikaler Neubeginn eine Wende zum Besseren bringen kann.

BONNER BÜHNE: Wer stopft das Loch?

Von der Frau eines früheren Regierungssprechers, der vorher selber Journalist gewesen war und es, Gott sei Dank, auch blieb, stammt die Feststellung, daß die Medienmänner in flauen Zeiten aggressiv werden.

Gift für die Welt

Die Industriestaaten exportieren ihr Sondermüllproblem, statt es zu Hause zu lösen

Augen zu und Zinsen hoch

Wenn die Bundesbank den Diskont- oder Lombardsatz variiert, dann heißt der gängige Kommentar: Die Währungshüter setzen ein Zinssignal.

Die Karten werden neu gemischt

Walter Cavanagh zeigt den Inhalt seiner Brieftasche jedem, der mal reinsehen möchte. Das ist allerdings immer etwas umständlich.

Bonner Kulisse

Deutschlands Erfinder können aufatmen. Endlich gibt es wieder die seit Jahren vermißte amtliche Patent-Anerkennung, die sich Erfinder daheim schwarz auf weiß und goldgerahmt an die Wand hängen können – eine Urkunde des Deutschen Patentamtes, mit der die amtliche Patentierung einer angemeldeten Erfindung bescheinigt wird.

Luftverkehr: Parfüm von den Ministern

Wer Ende vergangener Woche schwitzend in einem der Plastiksitze auf bundesdeutschen Flughäfen oder gar schon angeschnallt im Jet auf den – wie fast schon üblich – stundenlang verspäteten Abflug wartete, durfte aus groß aufgemachten Zeitungsmeldungen Trost und Hoffnung schöpfen: „Militär gibt Luftraum für Zivilflieger frei“; „Urlauber profitieren“; „Scholz und Warnke einig“.

Prag 1968 = Moskau 1988?

Zwanzig Jahre sind seit dem Prager Frühling vergangen, einem Ereignis, das nicht zuletzt mit dem Versuch verbunden war, ein alternatives Wirtschaftssystem einzuführen.

Bank und Börse: Grund zum Feiern

Auch 1988 dürfte für die deutschen Chemieunternehmen ein erfreulicher Jahrgang werden. Bescherte der Musterbranche bereits das vergangene Jahr neue Rekordgewinne, winken jetzt noch höhere Erträge.

Markt-Report: Noch herrscht Gelassenheit

Die deutschen Aktienkurse bewegen sich zur Zeit seitwärts. Eine klare Tendenz kommt nicht auf, weil die üblicherweise kursbestimmenden Faktoren teilweise nur schwach ausgeprägt sind oder sich in ihrer Wirkung gegenseitig aufheben.

Die Schwäche der Riesen

In den Chefetagen der deutschen Industrieunternehmen steigt die Stimmung. Das signalisiert der jüngste Konjunkturtest des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung in München.

Brauchbare Grundlage

Holder: Das Bruttosozialprodukt erfaßt bisher nur wirtschaftliche Vorgänge, die in Geld bewertet werden. Die Hausarbeit ist zwar auch ein wirtschaftlicher Vorgang, der bisher aber nicht erfaßt werden kann, weil da kein Geld hin und her fließt, der Bewertungsmaßstab also fehlt.

LÄNDER IM VERGLEICH

Die Chancen für Jugendliche, einen Arbeitsplatz zu finden, sind in Europa höchst ungleich verteilt. Pech haben junge Spanier.

MANAGER UND MÄRKTE

Das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen geht jetzt gegen einen Paradiesvogel des grauen Kapitalmarkts vor. Die Berliner Behörde verhängte ein vorläufiges Moratorium gegen das Bankhaus Steinhart KG in Pforzheim.

ZEITRAFFER

Für die deutschen Bauern ist das Flächenstillegungsprogramm der EG offenbar sehr attraktiv..................................

Weltökologe im Zugzwang

Bundeskanzler Kohl hat den ärmsten Entwicklungsländern mehr versprochen, als er halten kann

Erforscht und erfunden

In Wohnhäusern mag das radioaktive Radon-Gas eine so hohe Konzentration wie in den Kohlengruben erreichen, in denen dieses Zerfallsprodukt des natürlichen Urans-238 bei Bergarbeitern Tumoren hervorruft.

Hallo, hier Biene

Ganze 35 Milligramm wiegt der Sender, den diese Honigbiene auf ihrem Rücken trägt. Sie tut es nur zur Probe. Eingesetzt werden soll diese Ministation bei den gefürchteten Killerbienen, die aus Südamerika kommend langsam aber stetig nach Norden vordringen und im nächsten Jahr die Grenzen der Vereinigten Staaten überfliegen werden.

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