DIE ZEIT

Bricht Frieden aus?

Ein jegliches hat seine Zeit: Brechen und Bauen“, wie es beim Prediger Salomo heißt. Es scheint, als sei es diesem an Katastrophen so reichen Jahrhundert beschieden, in seinem letzten Jahrzehnt doch noch dem Bannkreis des Brechens zu entfliehen und vielleicht in ein Zeitalter des friedlichen Bauens einzutreten.

Mehr Angst als Vaterlandsliebe

Rückblende. Die Zahlen schnellten atemberaubend in die Höhe, aus dem Rinnsal derer, die sich aus der DDR nach Westen schlugen, wurde nach dem Berlin-Ultimatum Chruschtschows im November 1958 ein reißender Strom.

Totale Vorsorge

Das Szenario für die nächste Großdemonstration in Wackersdorf ist komplett: Hubschrauber der Bundeswehr werden das Gefechtsfeld rings um die Wiederaufbereitungsanlage aufklären, Sanitätspanzer der 4.

Zeitspiegel

Ist Franz Josef Strauß wütend über Bundeskanzler Helmut Kohl, schreibt er ihm einen geharnischten Brief. Englische Politiker verzichten besser darauf, es Strauß gleichzutun und ihrem Unmut über Margaret Thatchers Amtsführung auf dem Postweg Luft zu machen: Die königliche Post behält Briefe derart lange in ihrer Obhut, daß die Wut des Absenders oft schon abgekühlt ist, wenn der Brief beim Adressaten endlich Wirkung zeigt.

Wolfgang Ebert: Zur Feindbildlage

Wie ist eigentlich die Lage auf dem Feindbildmarkt?“ erkundigte ich mich bei Bob Splitter, dem Nestor unter den Feindbildhauern, dem nachgesagt wird, er habe sogar bei der Geburt der Wortschöpfung „DDR“ seine Hände im Spiel gehabt.

Ein Zeichen – aber wofür?

Wer in der DDR lebt, reagiert anders als Bundesbürger, wenn zwei, die aus der DDR nach England gingen, nach einem halben Jahr wieder zurückkommen, wie es Bärbel Bohley und Werner Fischer letzte Woche taten.

Deutsch-deutsche Städtepartnerschaften: Erfolgreich von Ort zu Ort

Kein Zweifel, Hermann Struck ist zu weit gegangen. Deshalb wird dem sozialdemokratischen Oberbürgermeister von Salzgitter, legt die von der CDU angerufene Gemeindeaufsicht eine strenge Elle an, selbst das Argument nichts nützen, ohne den Passus über die wünschenswerte Auflösung der zentralen Erfassungsstelle für DDR-Gewaltakte, die in seiner Stadt angesiedelt ist, wäre der Partnerschaftsvertrag mit Gotha nicht zu haben gewesen.

Auch in seinem Feriendomizil in Südfrankreich läßt die Politik Willy Brandt nicht los. Drei Wochen vor dem Bundesparteitag der Sozialdemokraten schilderte er unserem Korrespondenten wie er die Bundesrepublik, das Ost-West-Verhältnis und die Sorgen der Entwicklungsländer erlebt.: Weltblick aus der Distanz

Im Schatten auf einer Mauerecke seiner Terrasse sitzt Willy Brandt. Das Weinlaub vor dem kleinen Bauernhäuschen, das er sich Vor Jahren in der Hügellandschaft der Cevennen gekauft hat, gibt Kühle und versperrt ein wenig den Blick.

NACHLESE: Blutiges Jubiläum?

Die Irisch Republikanische Armee (IRA) ist nicht tot. Nach einer Serie von Fehlschlägen erzielte sie in London und Düsseldorf – nach ihrer Auffassung – zwei Erfolge.

BONNER BÜHNE: „Ich schäme mich für Sie“

Pars pro toto? Nein, keine Generalisierungen. Aber in Bonn geschieht auch dies: Im Frühjahr sieht Olaf Klar im Lokalblatt ein Photo, das den Inspekteur des Heeres, Generalleutnant.

KURZPORTRAIT: Mächtiger Playboy

Keine Besucher, kein Handel, keine Studentendemonstrationen, dafür alle Abende ein Cocktail-Empfang, der sich bis zum Morgengrauen hinzog“, schwelgt Chatichai Choonhavan noch heute von seiner Zeit als thailändischer Botschafter in Buenos Aires.

Prozeß gegen den Flugzeugentführer Mohammed Hamadi: Teilgeständnis vor der Sommerpause

Mit einer überraschenden „Wende“, wie es der Kammervorsitzende Heiner Mückenberger nannte, ging der Prozeß gegen Mohammed Hamadi vor der Jugendkammer des Frankfurter Landgerichts am vergangenen Dienstag in eine vierwöchige Sommerpause: Der Angeklagte, dem die Staatsanwaltschaft unter anderem Mord, Flugzeugentführung und Geiselnahme vorwirft, legte ein Teilgeständnis ab.

WELTBÜHNE: Wahrheit und die Folgen

Beispiel Vergangenheitsbewältigung: Die Wahrheit müsse ans Licht kommen, fordert der sowjetische Historiker Jurij Afanassjew, Intellektuelle aus Polen und Ungarn drängen nicht minder; es dürfe keine Tabus mehr geben, die Archive seien zugänglich zu machen und alles, was bislang durch Ideologie verzerrt worden sei, müsse nun ins rechte Licht gerückt werden.

Über 200 000 Aussiedler kommen dieses Jahr. Für ihre Ausreise hatte sich Bonn vehement eingesetzt. Doch ihre Eingliederung kostet weit mehr als die Politiker zahlen wollen.: „Manche sind deutscher als wir“

Detlef Henze entspricht nicht gerade dem Prototyp eines deutschen Berufsbeamten. Zum Polohemd trägt er eine saloppe Leinenhose, vor ihm auf dem ansonsten leeren Schreibtisch steht ein großer Becher Kaffee, daneben finden sich ein Diktiergerät sowie einige Broschüren mit dem Titel „Willkommen in der Bundesrepublik Deutschland“.

24 cm

In Niedersachsens Landeshauptstadt streiten Juristen über die Höhe des Gerichts. Die Arbeitsrichter, die bislang den Parteien Auge in Auge gegenübersitzen, sollen demnächst – nach dem Umzug in ein größeres Gebäude – auf 24 Zentimeter hohen Podesten Platz nehmen.

Brokdorf: Sirtaki vorm Tor

Zu guter Letzt greift die Polizei dann doch noch ein. Der schwarz gekleidete Fahrer eines Hamburger Wagens muß die Papiere zeigen und wird zum Alkoholtest gebeten.

Wackersdorf: Wo der Zorn auf taube Ohren stößt

Der 58 Jahre alte Leitende Ministerialrat Rudolf Mauker hat seinen Dienstbereich im bayerischen Umweltministerium: Im. Referat 72 arbeitet er an der Genehmigung von Kernkraftwerken mit.

13. August 1951: Das ewige Denkmal

Zu den wohl eigentümlichsten Stellen Berlins gehören die innerstädtischen Sandwüsten. Sie liegen im ganzen Stadtgebiet verstreut, nicht nur unmittelbar an der Mauer.

Der lange Marsch

Es war schon im Mai dieses Jahres, als Johann Schäffler einem Journalisten eine Wette anbot. Der Manager, Vorstandsmitglied von Daimler-Benz und Chef des zum Daimler-Reich gehörenden Flugzeugbauers Dornier GmbH, wettete sechs Flaschen Champagner darauf, daß es mit dem vermeintlich unmittelbar bevorstehenden Einstieg des Autokonzerns bei Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) in diesem Jahr sicher nichts mehr werde.

Gefährliches Prinzip

Das ist Chuzpe. Am Mittwoch abend verabschiedet der amerikanische Senat ein neues protektionistisches Handelsgesetz; fast zur gleichen Zeit warnt das Finanzministerium in Washington die Europäische Gemeinschaft vor einer „Intensivierung des Protektionismus“.

Wolfgang Hoffmann:: Notopfer als Mogelpackung

Das war schon bühnenreif: Nachdem die Medien nun seit Wochen über das Seehundsterben in der Nordsee berichten und alle Welt vom Mitleid für die Heuler ergriffen ist, inszenierte Umweltminister Klaus Töpfer seinen Auftritt.

Beamtenpause: Schlitzohrig

Die beiden Ministerpräsidenten Lothar Späth und Oskar Lafontaine festigen mal wieder ihren Ruf als durchtriebene Schlitzohren.

Pflichtjahr für Frauen: Zynisch

Zufall ist das zeitliche Zusammentreffen nicht: In vielen Krankenhäusern herrscht legenotstand, weil etwa 60 000 Krankenschwestern und -pfleger fehlen; in Bonn haben Politiker der Koalitionsparteien ein soziales Pflichtjahr für junge Frauen gefordert.

Tarifkonflikt beim NDR: Ventil für den Frust

Dienstag, 9. August 1988: Das Ultimatum des Norddeutschen Rundfunks (NDR) läuft ab. Drei der vier Arbeitnehmerorganisationen im Sender haben schon der Geschäftsleitung ihr Einverständnis zu einer freiwilligen Schlichtung signalisiert.

Wirtschaftsbuch: Das Ende der Idylle

Es ist oft beklagt worden, und es stimmt sogar: Verkehrspolitik hat seit dem Krieg hierzulande kaum eine Rolle gespielt. Alle Verkehrsminister in Bonn – gleich welcher Couleur – ließen die Dinge mehr treiben, als sie energisch zu dirigieren.

Atomtransporte: Pannen beim Versand

Peinlicher hätte es kaum kommen können. Obwohl gegen die Firma bereits ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Atomgesetz lief, brüstete sich Klaus Petry, Chef der bundesbahneigenen Nuclear Cargo + Service GmbH (NCS) in Frankfurt: Solange Transportbedarf für radioaktive Stoffe bestehe, könne dieser „sinnvollerweise nur von einem absolut zuverlässigen Unternehmen unter Beachtung aller gesetzlichen Vorschriften im Interesse der öffentlichen Sicherheit erfüllt werden“.

Konjunktur: Ein angenehmer Irrtum

Immer im tiefsten Sommerloch ruft Staatssekretär Otto Schlecht die Journalisten zur Konjunktur-Betrachtung ins Wirtschaftsministerium.

Markt-Report: Doch ein Sommerloch

In jüngster Zeit sind die Umsätze auf den deutschen Aktienmärkten stark geschrumpft. Börsenhändler sprechen von einem Spätsommerloch.

Gegen Blockaden

Bis 1993 sollen im europäischen Binnenmarkt alle Beschränkungen und Kontingente für Transportlizenzen im grenzüberschreitenden Straßenverkehr fallen.

LÄNDER IM VERGLEICH

Die EG ist eine Gemeinschaft Ungleicher. So gibt es einen Wohlstandsblock, dem – gemessen an der Wirtschaftsleistung je Einwohner 1987 – Luxemburg, die Bundesrepublik Deutschland und Dänemark angehören.

MANAGER UND MÄRKTE

Lange Zeit hat sich die Post schwergetan, ihrer Kundschaft einen Service zu bieten, der international schon längst alltäglich ist.

ZEITRAFFER

Die Axel Springer Gesellschaft für Publizistik hat sich von ihrer Beteiligung an den Kieler Nachrichten getrennt. Käufer des Anteils von 24,5 Prozent ist die Franz und Frieder Burda Gesellschaft für Beteiligungen.

Ein Russisches Roulette

Roald Sagdejew ist ein gefragter Mann. Mal hält der Raumfahrtexperte den Kremlchef Michail Gorbatschow in SDI-Fragen auf dem laufenden, mal tingelt er als Friedenslobbyist durch die Welt und läßt kaum eine größere Tagung aus, auf der Wissenschaftler für Abrüstung und gegen den Atomkrieg streiten.

Erforscht und erfunden

Einsame kränkeln mehr und sterben früher als Menschen mit häufigen und befriedigenden sozialen Kontakten. In einem Übersichtsartikel präsentiert der Soziologe James House in der Zeitschrift Science (Bd.

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