DIE ZEIT

Gift-Brunnen

Die Jahresberichte des Umweltbundesamtes – häufig zitiert, leider viel zu selten gelesen – werden immer mehr zu einer Chronologie verfehlter Politik, der es an Möglichkeiten zur Einsicht nicht mangelt, wohl aber am Willen, daraus Konsequenzen zu ziehen.

Ohne Sühne

Für den Mord an dem Kommunistenführer Ernst Thälmann im August 1944 im KZ Buchenwald gibt es keine Strafe. Der letzte SS-Charge, der deswegen zweimal vor Gericht kam, der pensionierte Lehrer Wolfgang Otto, mußte jetzt in Düsseldorf endgültig freigesprochen werden.

Solide voran

Einen wohlgeordneten Vormarsch verordnet Hans-Jochen Vogel der SPD. Nach der recht mutigen Standortbestimmung von Nürnberg (1986) erfolgt in Münster ein genau bemessener Fortschritt.

Friedensverhandlungen zwischen Irak und Iran: Der lange Weg durchs Dunkel

Das hatte die Stadt noch nicht erlebt. Sonst wird im „reichsten Nest der Welt“ mit Namen Genf lautlos Profit gemacht. Wo einst Jean Jacques Rousseau, Johannes Calvin und Henri Dunant für weltweites, doch hauptsächlich friedliches Aufsehen sorgten, brachen Fensterscheiben entzwei, flogen Steine, schwabberten Tränengaswolken durch die Straßen, schlugen Polizisten mit Knüppeln zu.

Worte der Woche

„Es kann manchmal schrecklich sein, wenn eigene Befürchtungen zur bitteren Wahrheit werden. Minister Scholz, der alle Warnungen leichtfertig ignoriert hat, wird sich im Parlament für diese Tragödie zu verantworten haben.

Zeitspiegel

Virginia Bottomley gilt in Margaret Thatchers konservativer Partei als Politikerin mit Zukunft. Zur Zeit muß sie sich als Staatsministerin im Umweltministerium bewähren.

Wolfgang Ebert: Bayerisches Volkstheater

In der Freilichtarena der bayerischen Bereitschaftspolizei in München hatte kürzlich der soeben gegründete Gauweiler/Lang-Komödienstadel mit einer Uraufführung Premiere.

Der Chef drückt aufs Tempo

N Noch erholt sich Michail Gorbatschow auf der Krim. Moskau hat Sommerpause. Die Zurückgebliebenen in den Amtsstuben lassen doch durchblicken, die letzten Monate seien sehr hektisch gewesen.

Wer folgt auf Erich Honecker?: Die Erben müssen weiter warten

Wer – und was – kommt nach Erich Honecker? Die Frage wird ebenso hartnäckig wie ratlos gestellt, in der Bundesrepublik übrigens häufiger als in der DDR, wo man genauer weiß, daß die Ratschlüsse der Partei ewig unerforscht bleiben werden.

Streiks und Krise in Polen: Neuer Anlauf zu Gesprächen

Kraftlos auf die aussichtslose Kraftprobe zutreibend – das ist der Zustand Polens, der seine schwachen Machthaber und die ohnmächtig-mächtige Volksopposition jetzt noch einmal – wieder einmal – anhalten läßt.

Die Buren sind aus Angola abgezogen: Pretorias Chance zum Umdenken

Die Zahl der Tische in aller Welt nimmt zu, an denen zur Zeit feindliche Parteien Platz nehmen, die seit vielen Jahren entweder nur aufeinander schössen oder zwischen sich und ihren Nachbarn eine so tiefe Kluft aufgerissen haben, daß eine Überbrückung unmöglich schien.

CHILE: Demokratie zum Schein

Bleibt Augusto Pinochet weitere acht Jahre unangefochten chilenischer Staatspräsident? Dies, und nur dies, ist in dieser Woche entschieden worden, und auch das Plebiszit, zu dem sieben Millionen Chilenen Anfang Oktober aufgerufen sind, wird nicht über die rasche Rückkehr zur Demokratie entscheiden.

WELTBÜHNE: Herz der Finsternis

Drei Tote eines Geiseldramas, 49 Opfer eines Pfälzer Flugtages bewegen uns mehr als Tausende von Opfern eines fernen Massenmordes.

RUMÄNIEN: Kein Bruderkuß

Nicolae Ceauşescu, der rumänische Staatschef, und Karoly Grosz, Ungarns Ministerpräsident, begrüßten sich nur mit trockenem Handschlag.

BONNER BÜHNE: Lebenspendende Polemik

Nicht so schnell wie erwartet wird Bonn wieder, wofür es sich am liebsten hält: zum Nabel der Welt. Vorerst wollen die Ereignisse in Gladbeck und Ramstein kommentierend und beileid-Ereignisse begleitet sein.

Angola den Angolanern?

Frieden in Angola, Waffenruhe zwischen Kubanern und Südafrikanern? Nach 13 Jahren Krieg steht der verworrenste Konflikt Afrikas vor einer Lösung.

Keine Jurastudentinnen mehr?: Nur noch Härtefälle

So unglaublich es klingen mag: Wenn es nach den geltenden Gesetzen geht, dann werden im Wintersemester an den Universitäten in Heidelberg, Tübingen und Freiburg nur noch Männer zu einem Jurastudium zugelassen.

Zwei Millionen Mark entwendet: Goldgrube Briefkasten

Selbst die in Sachen Kriminalität hartgesottenen Frankfurter staunten nicht schlecht, als sie letzte Woche von dem „Post-Coup“ in der Mainmetropole erfuhren: Als Postbeamte getarnt, hatten Mitglieder einer Ganovenbande über neun Monate hinweg mehr als tausendmal Briefkästen vor allem im Bankenviertel und den Industrievororten illegal geleert.

Volkszählungsboykott: Taktischer Konjunktiv

Bad Kreuznach Als Horst Petry letzte Woche das Landgericht Bad Kreuznach mit einem Strafbefehl über 800 Mark in der Tasche verließ, war mit diesem Urteil in zweiter Instanz ein presserechtliches Novum sanktioniert: der taktische Konjunktiv.

Hamburger Morgenpost: Zurück zur „Nuttenpost“

Nun dürfen sie also. Mehr noch: sie sollen sogar. Die „Hosteß, 27“, das „18jährige Thai-Mädchen“ oder die „Bangkok-Hosteß, Blankenese“, sie alle sind jetzt willkommen in den Anzeigenspalten der Hamburger Morgenpost.

Mit Millionen jongliert

Mit Selbstlob sind die Hannoveraner Anlageberater Burckhard Gundlach und Klaus Sülter nicht gerade kleinlich. Im Hochglanzprospekt ihrer Firma, der Gundlach & Sülter AG Neue Medien, feiern sie sich als „nachdenkliche Manager“, die „eine klassische Innovationsidee“ hatten.

Unsaubere Argumente

Eigentlich wollte Bundesumweltminister Klaus Töpfer immer eine „Zukunft ohne Kernenergie erfinden“. Doch am gleichen Tag, an dem sein Hamburger Kollege Jörg Kuhbier das neueste Gutachten zum Atomausstieg präsentierte, gab Töpfer der schleswig-holsteinischen Landesregierung Weisung, den Reaktor Brokdorf wieder einzuschalten.

Bonner Kulisse

Deutsche Bürokraten sind offensichtlich nie um einen Einfall verlegen, wenn es darum geht, ausländische Lebensmittel zum Vorteil heimischer Produzenten vom Markt zu halten.

Wolfgang Gehrmann:: Das Gewissen rebelliert

So kannte man Gerhard Stoltenberg gar nicht mehr. Als der Bundesminister der Finanzen kürzlich gut erholt die Amtsgeschäfte in Bonn wieder aufnahm, da gab er sich voller Tatkraft und Zuversicht.

Versicherungen: Dickfellig

Zur Erinnerung: In diesem Gutachten rüttelte die Kommission an liebgewordenen Besitzständen der deutschen Versicherungswirtschaft.

Bundesbank: Dünnhäutig

Die Fähigkeit, Kritik zu ertragen, scheint bei der Deutschen Bundesbank nicht sonderlich ausgeprägt. Die regelmäßigen „Auszüge aus Presseartikeln“, die von der Frankfurter Währungsbank verschickt werden, enthalten auffallend wenig Beiträge, die mit der offiziellen Geld- und Währungspolitik nicht einverstanden sind.

Daimler-Benz: Drei Sterne für den General

Daimler-Benz, der umsatzstärkste deutsche Konzern, kommt nicht aus den Schlagzeilen heraus. Der Grund: Es ist einfach immer etwas los in der Stuttgarter Unternehmenszentrale.

Rudolf Engen: Das Glück dieser Erde

Immer wenn Direktionsassistent Dr. Günter P. von einem Arbeitstag in der Europäischen Management- und Marketing-Agentur (EMMA) heimkommt, steigt er sofort vom Büroanzug in eine schmuddelige Latzhose um und beginnt mit der Gartenarbeit.

Comic-Held Werner: Da widdie Wuäss waam

Lee Iacoccas Erfolgsstory verblaßt dagegen: In kaum vier Jahren mauserte sich „Werner“ (ausgesprochen wird er etwa: „Wäna“) vom Insidertip zur neuen Kultfigur der deutschen Comic-Szene.

Ruhrgebiet: Galgenfrist für Stahlarbeiter

Sie freuen sich natürlich über den Boom – so richtig genießen können sie ihn jedoch nicht. Dazu ist er den Stahlbossen der Bundesrepublik zu unheimlich.

Markt Report: Die Stimmung ist gut

So gemütlich wie am Wochenbeginn ist es schon lange nicht mehr in Deutschlands Börsensälen zugegangen. Die Händler setzten am Montag nur Aktien im Werte von 1,2 Milliarden Mark um, das ist knapp die Hälfte eines durchschnittlichen Tagesumsatzes.

Zeit und Geld: Quellensteuer von A bis Z

Einige Verlage reagieren besonders schnell. Obwohl die Vorabbesteuerung von Zinserträgen noch nicht eingeführt ist, sind schon Schriften zu haben, die den Steuerzahler detailliert über die Neuerungen informieren.

AUTOSELLER

Der prestigeträchtige Zweikampf von Daimler-Benz und BMW auf dem deutschen Markt spitzt sich zu wie nie zuvor. Während in den vergangenen Jahren gerade halb soviel BMWs wie Autos mit dem guten Stern neu auf die Straßen hierzulande rollten, waren es in den ersten sieben Monaten 1988 bereits über 63 Prozent.

Genauer hinsehen

Conradi: Der letzte Parteitag in Nürnberg hat vor zwei Jahren beschlossen, daß am Ladenschlußgesetz nichts geändert werden soll.

MANAGER UND MÄRKTE

Die Erwartungen der Herren waren nicht eben euphorisch. 25 000 Stück, so hofften die Vertreter der drei deutschen Verlage Gruner + Jahr, DuMont-Schauberg und Bonner Verlagsanstalt, würden sie von den Moskau News verkaufen, die sie als Monatsblatt im April auf den deutschen Markt brachten.

ZEITRAFFER

Im deutschen Maschinenbau gab es in diesem Jahr kein Sommerloch. Die Branche verzeichnete im Juli acht Prozent mehr Bestellungen gegenüber dem Vorjahr.

Boom im Hörsaal

Die Hochschulen sind dem Ansturm der Studienanfänger in der Betriebswirtschaft nicht mehr gewachsen. Obwohl der Bedarf an Kaufleuten wächst, wollen die Länder einen Numerus clausus beschließen.

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