DIE ZEIT

Glatte Erbfolge

Kaum zwei Wochen ist es her, daß Franz Josef Strauß begraben wurde, und schon hat der Freistaat Bayern eine neue Regierung, hat die CSU-Spitze einen Nachfolger für den Parteivorsitz vorbestimmt.

Im Hagel

Nun also will sich der Bundeskanzler selbst um die „Tieffliegerei“ kümmern. Er hat wohl inzwischen bemerkt, daß sein Protege Rupert Scholz, der Amtsneuling auf der Bonner Hardthöhe, ziemlich verlassen im Hagel steht.

Schlaumeier

Niemand kann sich die Staatspräsidenten anderer Länder aussuchen. Wir wissen auch nicht, ob der türkische Demokratisierungsprozeß je das Happy-End finden wird, das seine Kritiker fordern.

Schluß mit dem Schisma

Für Michail Gorbatschow dürfte sich im nächsten Jahr ein langgehegter Wunsch erfüllen: Dann wird der Kreml-Chef, so nicht alle Zeichen trügen, in Peking Chinas erstem Mann Deng Xiaoping seine Aufwartung machen.

Zahlen sollen nur die Kranken

Als Sozialminister Norbert Blüm vor gut einem Jahr sein Programm präsentierte, mit dem er die Ausgaben der Krankenkassen um 14 Milliarden Mark kürzen wollte, war das Wehklagen allgemein.

Ein Besucher unter vielen

Respektvoll zollte der Russe den Römern lateinischen Tribut. „Salus populi suprema lex“, so schlug Michail Gorbatschow vergangene Woche dem italienischen Ministerpräsidenten Ciriaco De Mita vor, solle über Moskaus Umbau ebenso wie über dem europäischen Haus stehen – das Wohl des Volkes möge das höchste Gesetz sein.

Reise mit kleinem Gepäck

Die Hundertschaft der Journalisten fliegt schon am Sonntag abend voraus. Der Kanzler landet dann am Montag mittag an Bord einer Boeing 707 in Moskau.

Zeitspiegel

Allen Amerikanern, die sich immer noch über den lockeren und wendigen George Bush beim zweiten Fernsehduell mit Michael Dukakis wundern, haben dessen Wahlkampfmanager nun ein Geheimnis verraten: Der Vizepräsident ließ sich vor der Debatte anderthalb Stunden massieren.

Ein Plan für das ganze Europa

Die deutsche Geschichte hat, nach einem Wort unseres Bundespräsidenten, nie den Deutschen allein gehört. So war, im Guten und im Bösen, deutsches Schicksal immer auch europäisches Schicksal – und umgekehrt: die Geschichte unserer Nachbarn hat immer auf Deutschland zurückgewirkt.

Ben Witter: Angetippt

Von den deutschen Widerstandskämpfern leben vielleicht gerade noch so viele, daß sie an Gedenktagen ein paar Kirchen füllen könnten.

Sowjetische Asienpolitik: Zum Gipfel nach Peking?

Der Zeichner der Pariser Zeitung Le Monde hat die Annäherung zwischen den beiden kommunistischen Großmächten auf Punkt und Strich gebracht: Da sitzt Chinas großer alter Mann Deng Xiaoping mit ausgebreiteten Armen und wartet seelenruhig, daß Michail Gorbatschow mit der gewohnten Energie und Bravour die zahlreichen Hürden auf dem gewundenen Weg nach Peking nimmt.

Militärische Nuklearanlagen in den Vereinigten Staaten: Ein Skandal seit vier Jahrzehnten

Einseitige nukleare Abrüstung oder Risikobereitschaft bis an den Rand eines amerikanischen Tschernobyls oder Instandsetzungskosten in der Höhe des Haushaltsdefizits? Sind das die Optionen, die Präsident Reagan seinem Nachfolger für die weitere Produktion von Kernwaffen hinterläßt? Die gesamte Produktionsbasis, also die Anlagen, in denen Plutonium und Tritium gewonnen werden, mußte aus nicht länger zu leugnenden Sicherheitsbedenken stillgelegt werden.

Sambia: Die Kupferschüssel ist leer

Zwei größere Versammlungen gibt es an diesem heißen Tag in Lusaka, der Hauptstadt Sambias. Vor dem Obersten Gericht jubeln einige hundert Menschen Präsident Kenneth Kaunda zu, der seine Kandidatur für eine sechste Amtszeit bekanntgibt.

Wolfgang Ebert: Glasnost-Post

Sehr geehrter Herr Stoltenberg, als Ihnen damals die Horroridee mit der Quellensteuer kam, muß Sie ja wohl der Teufel geritten haben.

Kosten der Unfehlbarkeit

Am 13. Oktober kam es im Politbüro des jugoslawischen Bundes der Kommunisten zu einem scharfen Wortwechsel. Stipe Suvar, Chef der Gesamtpartei, warf der serbischen Partei vor, „eine Beleidigung Titos durch serbische Nationalisten“ ungerügt hingenommen zu haben.

Konservative ohne Konkurrenz

Margaret Thatcher richtet sich darauf ein, Großbritannien bis weit ins nächste Jahrzehnt zu regieren

Genomanalyse im Strafprozeß: Erst denken, dann dekretieren

Im August dieses Jahres teilten Staatsanwaltschaft und Polizei in West-Berlin in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit, ein 31jähriger Verdächtiger sei mit Hilfe einer in Großbritannien vorgenommenen Genomanalyse des Mordes überführt worden.

Weltbühne: Charme der Monarchie

Eine Woche lang feiert die spanische Öffentlichkeit den „historischen Besuch“: die Staatsvisite der englischen Königin Elizabeth II.

Bonner Bühne: Journalisten-Schelte

Puh, da haben wir Journalisten aber wieder mal unser Fett abbekommen. Bei aller Selbstkritik an der „Unentschlossenheit, dem Desinteresse, Opportunismus, der Desinformation und dem Wankelmut“ (Peter Conradi) der Parlamentarier immer dann, wenn es um die eigenen Bundesbauten ging – die wirklich Schuldigen sind nämlich wir, die Journalisten.

DDR: Last der Vergangenheit

Es war ein wichtiges Ereignis, nicht nur für die Juden in der DDR: Edgar Bronfman, Präsident des Jüdischen Weltkongresses, war in Ost-Berlin, traf dort mit dem Staatsratsvorsitzenden Honecker und Außenminister Fischer zusammen.

Italien: Mit offenen Karten

Das Spiel ist (fast) aus so empfinden es nicht nur die Verlierer, sondern in stiller Trauer auch die Gewinner dieser bis zuletzt auch unter dem Tisch ausgefochtenen Partie, in der sich das italienische Parlament von einer lustvollen Last befreite: von der Regel der Geheimabstimmung.

Arsen und Filterstäubchen

Gift aus den Deponien im bayerischen Gallenbach bedroht seit Jahren die Bevölkerung – mit Wissen der Behörden. Eine Fallstudie zum Müllnotstand der Kommunen

Joghurtbecher im Garten

Früher haben wir einfach alles in die große Grube geschmissen“, erinnert sich Claus-Peter Holz, der Gemeindeangestellte aus Grassau am bayerischen Chiemsee.

FC St. Pauli: Aufsteiger der Epoche: Oleeoleeoleeolee

Wir kommen nicht vom Neckar, wir kommen nicht vom Rhein, wir kommen von der Reeperbahn, das sieht doch jedes Schwein.“ – Dampf liegt im Raum und Qualm und Schweiß und, Begeisterung, und dann marschieren die Helden ein.

Gute Argumente

Wer ist Bernhard Friedmann? Nie gehört? Dieser Mann aus Baden-Württemberg ist CDU-Abgeordneter im Deutschen Bundestag. Gut, mag der Bürger denken und zur Tagesordnung übergehen.

Bonner Kulisse

Seitdem bekannt ist, daß der Gewinn der Bundesbank die im Budget 1989 ausgewiesenen fünf Milliarden Mark beträchtlich übersteigen könnte, erhitzen sich die Gemüter darüber, wie er verwendet werden kann.

Binnenmarkt: Erstes Opfer

Das erste Opfer der französischen Bestrebungen, den EG-Binnenmarkt von 1993 an zur Festung Europa auszubauen, sind die in Großbritannien gebauten Nissan-Pkw.

Rheinhausen: Zuversicht

Eigentlich müßte der Vorstand der Krupp Stahl AG den Rheinhausener Arbeitnehmern aufrichtig dankbar sein. Hätten die sich nicht so massiv gegen die Pläne von Vorstandschef Gerhard Cromme gewehrt, der die Hütte möglichst noch in diesem Jahr stillegen wollte, würde der Gesellschaft einiges an Gewinn entgehen.

Nobelpreis: Vergessener Franzose

Für Überraschungen war das Nobel-Komitee in Stockholm schon immer gut. Seit 1969, als der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften eingeführt wurde, diskutiert die Fachwelt alljährlich, ob nun gerade der jeweils erkorene Ökonom die begehrte Auszeichnung verdient hat und nicht vielleicht ein ganz anderer.

Hempels lassen grüßen

Der Bonner Untersuchungsausschuß tut sich schwer, Licht in dubios Nukleargeschäfte zu bringen

Koalition: Bewährungsprobe für den Grafen

Der neue FDP-Vorsitzende Otto Graf Lambsdorff steht vor seiner ersten Bewährungsprobe. Schon in Kürze muß er beweisen, daß er in der Koalition tatsächlich über die Durchsetzungskraft verfügt, die ihm nachgesagt wird.

Gewerkschaften: Flaggschiff am Ende

Sie ist nur eine kleine, auflagenschwache Wochenzeitung, die praktisch unter Ausschluß der Öffentlichkeit erscheint. Am Kiosk kann man sie nicht kaufen.

Die Zeit läuft ab

Matthäus-Maier: Die sogenannte radikale Lösung, im Kern ein globaler Schuldenerlaß, löst das Problem nicht. Ein Beispiel: Die von steinreichen Oberschichten in einigen Ländern betriebene Kapitalflucht wird durch undifferenzierten Schuldenerlaß nur nachträglich sanktioniert und weiterhin begünstigt.

LÄNDER IM VERGLEICH

In den skandinavischen Ländern wird der im Prinzip in ganz Europa anerkannte Grundsatz „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ offenbar am ernstesten genommen.

MANAGER UND MÄRKTE

Erst kürzlich wies Hans Woitschätzke, der Chef des angeschlagenen Sportartikelherstellers Puma, alle Gerüchte um einen bevorstehenden Verkauf des Unternehmens zurück.

ZEITRAFFER

Die Hersteller von Büro- und Informationstechnik hoffen für 1988 auf eine zweistellige Zuwachsrate. Allein für Software wollen die Unternehmen mehr als zwanzig Milliarden Mark einnehmen.

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