DIE ZEIT

Duden ade?

Es gibt wieder einmal einen „Vorschlag zur Neuregelung der deutschen Rechtschreibung“. Der Auftrag dazu wurde im Februar 1987 erteilt vom Bundesinnenminister und von der Kultusministerkonferenz.

Liberaler Aufschrei

Das hat es in Amerika noch nicht gegeben: eine ganze Seite in der New York Times mit einem scharfen Angriff auf den Präsidenten, unterzeichnet von 60 Persönlichkeiten, die mit dem Wahlkampf unmittelbar nichts zu tun haben: drei Nobelpreisträger, die Präsidenten der Universitäten Harvard, Stanford und Johns Hopkins sowie des Institutes for Advanced Studies in Princeton, ferner Ex-Außenminister Cyrus Vance und der ehemalige Verteidigungsminister McNamara, dazu George F.

Später Sturz

Nicht einmal Ernst Albrecht konnte ihn noch halten. Dabei hat ihm der Ministerpräsident, der spätestens seit der Spielbankenaffäre selber arg ins Wanken geraten ist, viel zu verdanken.

Unterwegs zu neuen Ufern

Nichts Dramatisches aus Moskau? Als Konrad Adenauer vor 33 Jahren in die sowjetische Hauptstadt reiste, um den Draht zum Kreml wieder zu reparieren, lag mehr Spannung, mehr Erregung in der Luft.

Ein Deutschlandkenner im Kreml

Geradlinig ist diese Karriere nur an der Oberfläche verlaufen. Valentin Falin hat Stalin gedient, Chruschtschow, dann Breschnjew und schließlich Gorbatschow.

„Was soll uns das schon bringen?“

Die DDR-Autobahn in Richtung Norden war fast leer. Im Autoradio dudelte Musik, unterbrochen von Nachrichten. Kohls Moskau-Besuch rangierte im DDR-Sender unter „ferner liefen“.

Worte der Woche

„Wenn Ihre Politik, die Sie mit den Begriffen Perestrojka, Glasnost und Demokratisierung charakterisieren, mehr Chancen zur Verständigung und Zusammenarbeit bietet, findet sie unsere Zustimmung und Sympathie.

Zeitlese

VW-Chef Carl Hahn weiß Bescheid: „Wir haben Statistiken in der Bundesrepublik, die beweisen, daß sich die Sicherheit im Straßenverkehr ohne Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ermutigend entwickelt.

„Die Richtung stimmt“

Als Sergiu Celibidache, der Dirigent der Münchner Philharmoniker, am Dienstag abend im Konzertsaal des Moskauer Gewerkschaftshauses zu Ehren von Michail Gorbatschow den Taktstock hob, war für Bundeskanzler Kohl zwar erst Halbzeit, doch er war sicher: „Die Richtung stimmt.

Eher harsch als huldvoll

Nur die mindere Qualität der Besen, mit denen frisch geschniegelte Rekruten den Bürgersteig vor der Malinowskij-Panzerakademie schnell noch fegen, läßt auf zivile Produktion schließen.

Wolfgang Ebert: Gegendarstellung

In letzter Zeit treffe ich dauernd auf ehemalige Genossen, beziehungsweise 68er-Veteranen, die mir ungefragt beteuern, niemals links (radikal, Stalinisten, Maoisten) gewesen zu sein.

Kriminalität: Verbogene Statistik

Der Titel der Arbeitstagung lud – selbst das einladende Bundeskriminalamt hatte das erkannt – zu Mißverständnissen ein. Mit „Ausländerkriminalität in der Bundesrepublik Deutschland“ beschäftigten sich Praktiker und Wissenschaftler vorige Woche in Wiesbaden.

Weltbühne: Alle nehmen gern

Das große Geld und die hohe Politik – es ist eine alte Geschichte der Verführung und der Versuchung, im Fernen Osten nicht anders als im nahen Westen.

Kandidatur gegen Vogel

An Bernhard Vogel wird schon lange herumgemäkelt. Daß er allzu pedantisch sei und notwendige Entscheidungen lange hinauszögere: Damit mußte, damit konnte er gut leben – jedenfalls bis zur letzten Landtagswahl im vorigen Jahr.

Bonner Bühne: Nach der Katastrophe

Der Verteidigungsausschuß des Bundestages als juristisches Oberseminar: ein völlig ungewohntes Erlebnis. Aber so ist es zu Beginn seiner Recherchen über die Katastrophe in Ramstein gewesen.

Schleswig-Holstein: Umstrittener Brief

Während die Debatte über die Umstände seines Todes, angefacht von Amateur-Kriminologen und der Boulevardpresse, wieder hochflackert, macht ein angeblicher Brief des ehemaligen Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein Furore.

Die unendliche Legende

Am 9. August dieses Jahres schockierte die Frankfurter Rundschau ihre Leser auf der Seite eins mit der Schlagzeile: „Babys für Organbank adoptiert?“ Unter der Überschrift hieß es: „Die Polizei in Paraguay hat nach Angaben eines Richters sieben Babys davor bewahrt, als lebende Organlieferanten an Labors in den USA verkauft zu werden.

„Exotisches Schauspiel“

Selten haben zween Reisende einerley Gegenstand auf gleiche Weise gesehen, sondem jeder gab, nach Maßgabe seiner Empfindung und Denkungsart, eine besondere Nachricht davon“, schrieb der Gelehrte Georg Forster, als er vor 200 Jahren durch die Welt reiste.

Physik-Nobelpreis: „Wer hat das bestellt?“

Um drei Uhr früh gab er endlich auf: Nach zwei Tagen und drei Nächten war Jack Steinberger zufrieden, hatte unsere Meßmethode verstanden und mit einem lakonischen „O.

Atomkrieg im Krankenhaus: Der Alarmplan

Gewissensgründe zwangen Dr. Suitbert Hoffmann, Chefarzt der Gynäkologie am St. Petri-Hospital in Warburg, die Mitarbeit an einem Katastrophenplan seines Krankenhauses abzulehnen.

Wer einmal lügt...: Habe noch in Bonn zu tun

Am 23. September, einem Freitag, begeht die CDU von Pinneberg im „Cap Polonio“ ihren Kreisparteitag. Die Abgeordnete Ingrid Roitzsch wird am Abend zum „Bericht aus Bonn“ erwartet.

Auf der Suche nach dem Wohlfahrtswunder

Es schien nicht mehr zu sein als eine der politischen Alltagskontroversen, die spurlos und schnell in der Routine der Bonner Regierungsgeschäfte untergehen.

...wie immer ohne Gewähr

Der Glaube der Zeitgenossen an Zahlen scheint unerschütterlich. Forschungsinstitute, Professoren oder andere als wissenschaftlich ausgewiesene Auguren können höchster öffentlicher Aufmerksamkeit gewiß sein, wenn sie einen Blick in die Zukunft wagen und dann – möglichst auf zwei Stellen hinterm Komma – die Entwicklung voraussagen.

Bonner Kulisse

Wenn ein Minister baden geht – das demonstrierte jüngst Umweltminister Klaus Töpfer – dann kann er nicht einfach ins Wasser springen und losschwimmen.

Thomas Hanke:: Europa macht zu

Immer lauter beteuert die Europäische Gemeinschaft, sie wolle ihren einheitlichen Binnenmarkt von 1993 an nicht gegen den Rest der Welt abschirmen.

Umweltschutz: Schlußlicht

Immer wenn die Europäische Gemeinschaft sich bisher mit dem Thema Autoabgase beschäftigt hat, drohte Schlimmes. Mit ihren Beschlüssen hat die EG bisher nur demonstriert, daß sie bei der Umsetzung des technischen Fortschritts das internationale Schlußlicht spielen will.

Ladenschluß: Unverdrossen

Hat die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV), bekannt als strikte Gegnerin eines von der Bundesregierung geplanten wöchentlichen Einkaufsabends, zum Rückzug geblasen? Gerade wurden mit dem Berliner Einzelhandel sowie mit zwei Großbetrieben des Lebensmittelhandels Vereinbarungen geschlossen, daß in Einzelfällen „aus Wettbewerbsgründen“ abgewichen werden kann vom Grundsatz, um 18 Uhr 30 die Ladentüren zu schließen.

Entlassungen: Zur Sonne gewendet

Das Abbild einer Sonnenblume, das Eberhard von Rundstedts Visitenkarte ziert, fordert zu Mißdeutungen heraus. Aber der Mann hat nichts mit Gesundheitskost und Ökowelle zu tun.

Tornados nach Jordanien: Die Stellung wird geräumt

Was für den SPD-Bundestagsabgeordneten Norbert Gansel eine „Perversion“ wäre, ist für die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ein ganz normales Geschäft: die finanzielle Förderung des Exports von acht Bombenflugzeugen nach Jordanien.

Jäger 90: Angst vorm Fliegen

Hanns Amt Vogels, Chef von Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB), hat nun „langsam die Nase voll“. Erst im Mai beschloß die Bundesregierung verbindlich, sich am Bau des Kampfflugzeugs Jäger 90 zu beteiligen, für den auf deutscher Seite MBB der industrielle Hauptauftragnehmer ist.

Handelspolitik: Für Butter und Kanonen?

Senator Bill Bradley, ehemaliger Basketball-Profi und jetziger Wirtschaftsberater des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Michael Dukakis, spricht etlichen seiner Kollegen aus der Seele: „Es wäre ein tragischer Fehler“, so Bradley, „wenn westliches Kapital es den Sowjets ermöglichen würde, die schwere Entscheidung zwischen Waffen und Butter weiter aufzuschieben.

Bank und Börse: Fragwürdige Offerten

In den Monaten Oktober und November herrscht Hochkonjunktur auf dem freien Kapitalmarkt. In dieser Zeit werden Besserverdienenden, die noch für das laufende Jahr ihre Einkommensteuer reduzieren wollen, verstärkt sogenannte Steuersparmodelle offeriert.

AUTOSELLER

Der rückläufige Trend beim Mercedes 190 hält, wenn auch etwas abgeschwächt, weiter an. Mit minus 21,9 Prozent in den ersten neun Monaten des Jahres müssen die Stuttgarter den höchsten prozentualen Rückgang unter den fünfzehn meistverkauften Wagentypen bei den Neuzulassungen hinnehmen.

MANAGER UND MÄRKTE

Bei der Suche nach einem Nachfolger für den verstorbenen Präsidenten des Hamburger HWWA-Instituts für Wirtschaftsforschung, Armin Gutowski, ist die zuständige Kommission fündig geworden.

ZEITRAFFER

Mit den neuen Kernkraft-Blöcken Isar 2 und Emsland ist die Stromerzeugung aus Kernenergie in den ersten neun Monaten dieses Jahres um 12,8 Prozent auf 104,8 Milliarden Kilowattstunden gestiegen.

Zu viel, zu schnell

ZEIT: Herr Christians, Sie haben im Mai die Voraussetzungen für den jüngsten Kreditrahmen von drei Milliarden Mark für die Sowjetunion geschaffen.

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