GastronomieHausverbot für den BetriebsratSeite 3/4

Ein anderes Beispiel: Helm hatte für eine Gesamtbetriebsratssitzung in Hamburg bei der zu Accor gehörenden Hotelkette Ibis Zimmer für die Übernachtung sowie einen Tagungsraum gebucht. Kurzfristig fiel die Sitzung jedoch aus, das Hotel stellte Stornokosten in Höhe von 673,20 Mark in Rechnung. In der Regel muß für Kosten, die dem Betriebsrat entstehen, der Arbeitgeber aufkommen. Das gilt auch für die Gerichts- und Anwaltskosten in arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen. Die Stornokosten jedoch wollte Churrasco nicht tragen und zog sie Helm in monatlichen Raten vom Lohn ab.

Helm zog wieder mal vor Gericht – und bekam erneut recht. Am 4. Oktober wurde Churrasco verurteilt, die Gebühren zurückzuzahlen. Doch das Unternehmen denkt gar nicht daran – im Gegenteil: In der Lohnabrechnung vom Oktober, die Helm am vergangenen Samstag erhielt, wurde wieder ein Teil einbehalten – insgesamt nun schön 836 Mark, obwohl die Hotelrechnung nur 673,20 Mark beträgt.

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Accor-Vorstandsvorsitzender Terrahe weist den Vorwurf weit von sich, man habe etwas gegen Betriebsräte. Er sieht das Übel lediglich im aufmüpfigen Studenten Helm und hält die ganzen Auseinandersetzungen nur für ein „atmosphärisches Problem“. Dagegen spricht allerdings, mit welcher Beharrlichkeit das Unternehmen jedes der bisher 61 Gerichtsverfahren durch mehrere Instanzen treibt. Dabei läßt sich Churrasco seit kurzem von dem Essener Anwalt Jürgen Masling vertreten, der vor einiger Zeit den Hamburger-Konzern McDonald’s in zahllosen Prozessen gegen Betriebsräte vertreten hat–wohl nicht sonderlich erfolgreich, wie man sich in Gewerkschaftskreisen süffisant erzählt. Inzwischen hat sich McDonald’s von ihm getrennt. Auch Churrasco hat bislang vor Gericht noch keinen Sieg davongetragen.

Gegen Terrahes zur Schau getragene Gelassenheit sprechen schließlich auch die betriebsinternen Veränderungen in jüngster Zeit. So wurde er selbst, zusätzlich zu seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender bei Accor, zum Geschäftsführer bei Churrasco ernannt und dem bisherigen Chef Max Voormann vor die Nase gesetzt. Und vergangene Woche erhielt Rüdiger Helm aus der Düsseldorfer Konzernzentrale einen Anruf, wobei ihm mitgeteilt wurde, daß sein bisheriger direkter Widersacher, Personalchef Kampka, in Zukunft nicht mehr für die Betreuung der Betriebsräte zuständig sei.

Keine spinnerte Einzelfigur

Rüdiger Helm ist keineswegs eine spinnerte Einzelfigur . Er hat Rückhalt im Betriebsrat wie bei der Belegschaft. Das ist im Bereich der sogenannten Systemgastronomie nicht selbstverständlich. Dort herrscht eine hohe Fluktuation. Das Personal besteht, zumal in Universitätsstädten, größtenteils aus Studenten, die wenig Interesse an arbeitsrechtlichen Angelegenheiten haben. München ist in gewisser Weise eine Ausnahme; dort setzt sich der Betriebsrat ausschließlich aus Studenten zusammen, die obendrein noch den Jusos angehören. In anderen Städten entstammen die Beschäftigten oft sozialen Randgruppen, die auf das Einkommen angewiesen sind und aus Furcht vor Repressalien keinen Betriebsrat gründen, sagt NGG-Geschäftsführer Schormann. „Die können sich nicht mal Arbeitslosigkeit leisten, weil sie dann gleich auf Sozialhilfeniveau sinken.“

Doch ermutigt durch das Münchner Beispiel, regt sich nun auch in anderen Städten Interesse an einer Arbeitnehmervertretung. In Köln zum Beispiel traf sich vor einigen Wochen Dieter Schormann von der NGG mit den Beschäftigten der dortigen Churrasco-Filiale. Sie hätten ihm ihr Leid geklagt, berichtet er. Die Fünf-Tage-Woche würde nicht eingehalten, sie würden nicht nach der richtigen Tariflohngruppe bezahlt und dergleichen mehr. Die Beschäftigten waren entschlossen, einen Betriebsrat zu wählen. Als Schormann mit dem Kölner Betriebsleiter die Modalitäten besprechen wollte, habe der ihn an Personalchef Kampka nach Düsseldorf verwiesen. Dort sei er ständig vertröstet worden, sagt Schormann. Als schließlich ein Termin zur Wahl eines Wahlvorstands vereinbart war, habe der Betriebsleiter sich geweigert, die Einladung im Lokal auszuhängen.

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