DIE ZEIT

Henkerslohn

Gnade hat die islamische Revolution im Iran gegenüber ihren Gegnern nie walten lassen. Der Horror der ersten Jahre trug den Namen Chalchalis, jenes „Blutrichters“, der einst bei einer Zwischenlandung auf dem Flughafen von Sanandadsch innerhalb von 30 Minuten 53 Todesurteile fällte, die vollstreckt waren, noch bevor seine Maschine wieder gestartet war.

Politische Tiefflieger

Die Flammen in Remscheid sind erloschen, Fliegerhelm und Fallschirm des toten Piloten aus der Astgabel geborgen. Viele der Überlebenden werden vom Feuer gezeichnet bleiben; den Angehörigen der Toten aber bleibt nur Trauer und verzweifelte Wut.

Unterschrift

Ein Konflikt weniger, so scheint’s! Das „Protokoll von Brazzaville“ ist endlich unterzeichnet worden. Fidel Castro soll seine Truppen aus Angola abziehen, Namibia in die Unabhängigkeit entlassen, ein seit 40 Jahren schwelender Streit um die einstige deutsche Kolonie am Kap beendet werden.

Vom Klassenkampf zur Weltvernunft

Noch viele Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges tauchten immer wieder einzelne japanische Soldaten aus dem Dschungel irgendeines pazifischen Tropen-Eilands auf – abgerissen, ausgemergelt, ohne die leiseste Ahnung, daß der Krieg längst vorüber war.

Wende in Genf

In Genf, am Zweitsitz der Vereinten Nationen, ist Geschichte gemacht worden, Friedensgeschichte – wenn nicht alles täuscht – für den Nahen Osten.

Worte der Woche

Die Weltwirtschaft wird zu einem einheitlichen Organismus, außerhalb dessen sich heute kein einziger Staat normal entwickeln kann, welchem gesellschaftlichen System er auch angehören und auf welchem ökonomischen Niveau er auch stehen mag.

Gesamtinventur der Republik: Neue Fakten übers Volk

Genau eineinhalb Jahre nach dem Stichtag konnten Ende November die ersten bundesweiten Ergebnisse der Volkszählung vorgestellt werden: Zwei oder drei Tage Artikel in den Zeitungen, Beiträge in Hörfunk und Fernsehen, dann ging die Öffentlichkeit zur Tagesordnung über.

Wolfgang Ebert: Unser Name ist Hase

Und schon wieder hat niemand etwas gewußt, nicht einmal geahnt. Das muß doch ’mal ganz nüchtern festgehalten werden, denn jetzt kommen alle mit ihren losen Reden, vor allem in den Medien, und tun so, als ob alle etwas gewußt haben müßten, beispielsweise der Kewenig in Berlin.

Der Fall Thea Bock: Nötigung per Schuldschein

Der bürgerliche Tod, mit dem Bürgerlichen Gesetzbuch ist er endgültig abgeschafft worden: Legte in vorvergangenen Zeiten jemand ein Klostergelübde ab, so verlor er seine persönlichen Rechte schon zu Lebzeiten – entmündigt und enteignet, ohne Einkommen und Selbstbestimmung.

Politik gegen die Piloten

Die Unglücke von Ramstein und Remscheid erregen noch immer die deutsche Öffentlichkeit – eine Öffentlichkeit, die eine jährliche Quote von 10 000 Verkehrstoten gelassen hinnimmt.

Bonner Bühne: Der Minister als Kiebitz

Eine Woche danach hat es Theo Waigel noch einmal auf sich genommen, Alfred Dregger erstens vor seiner Fraktion in Schutz zu nehmen und zweitens zu loben.

Nachlese: Gescheitert am Gatten

Als Elisabeth Kopp vor vier Jahren zum ersten weiblichen Mitglied der Schweizer Regierung gewählt worden war, heimste sie gleich einen Heiterkeitserfolg ein: „Ich kann Ihnen aus naheliegenden Gründen nicht versprechen, im Bundesrat meinen Mann zu stellen“, erklärte sie dem Parlament.

Kurzprotrait: Johnny Klein kommt

Wenn schon keine Frau, dann wenigstens „Johnny“: Der Einfall, Hans „Johnny“ Klein, den Bonner Entwicklungshilfeminister, zum Münchner Oberbürgermeister-Kandidaten zu machen, verdient den großen Preis für Cleverness.

Studentenfutter

Aha, Normalstudentin“, nickt die Sachbearbeiterin im Studentenwerk Hamburg: „Ledig, kinderlos, aus dem Elternhaus ausgezogen“.

Manipulierte Rezepte: Rabatt vom „Doc“

Wenn ich auf Kongressen über meine Heilmethoden spreche, blasen die Kollegen gleich zur Hexenjagd auf mich“, klagt Armin Klümper, der Leibarzt bundesdeutscher Top-Athleten.

Die Bundesanstalt für Arbeit soll noch mehr sparen als geplant – zu Lasten der Arbeitslosen: Eine böse Überraschung

Im Vorstand der Bundesanstalt für Arbeit löste die Post aus Bonn am vergangenen Dienstag helle Empörung aus. Nicht nur 1,26 Milliarden Mark, lasen die Adressaten völlig überrascht in dem Genehmigungsschreiben der Bundesregierung zu ihrem Haushalt für 1989, sollten durch die gerade beschlossene neue Novelle zum Arbeitsförderungsgesetz gespart werden, sondern zusätzlich noch weitere 210 Millionen.

Daimler/MBB: Moderat

Wie wurde der seit gut einem Jahr amtierende Daimler-Benz-Chef Edzard Reuter gelobt. Die Strategie des Autokonzerns, in Zukunftsbranchen zu diversifizieren, wurde wesentlich ihm und seinem Stellvertreter Werner Niefer zugeschrieben.

Druckindustrie: Riskant

In der Druckindustrie stehen die Zeichen wieder einmal auf Sturm. Nicht um höhere Löhne oder kürzere Arbeitszeit geht es diesmal, sondern um Bestimmungen im Manteltarifvertrag und dessen „Anhänge“ – ein kompliziertes Paragraphenwerk, das die Arbeitsbedingungen der 162 000 Beschäftigten der Druckindustrie regelt.

Markt-Report: Handel im Abseits

Zinsängste haben an den deutschen Börsen die Dollarsorgen abgelöst. Sie treffen zwar in erster Linie den Markt festverzinslicher Wertpapiere, lassen aber natürlich die Tendenz der Aktienkurse nicht unberührt.

Die Mieten steigen

Schlich: Investoren können jetzt von den Ländern Geld für den Bau von Wohnungen bekommen, ohne sich auf die Kostenmiete festlegen lassen zu müssen.

LÄNDER IM VERGLEICH

Die Energieminister der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) haben sich auf neue Förderquoten für Erdöl geeinigt.

MANAGER UND MÄRKTE

Seit ein Firmensymbol Logo heißt, braucht man zu seiner Entwicklung natürlich einen kreativen Berater und einen genialen Designer.

ZEITRAFFER

Im Oktober ging im Einzelhandel erstmals in diesem Jahr der Umsatz zurück. Inflationsbereinigt verkauften Geschäfte und Warenhäuser 2,2 Prozent weniger als im gleichen Monat 1987.

Großbritannien: Der Preis des Wunders

Im März nannte ihn der Sunday Telegraph „den wohl erfolgreichsten Finanzminister unserer Zeit“. Es war der Monat, in dem Nigel Lawson sein „radikales Reform-Budget“ vorlegte, welches den Spitzensatz der Einkommensteuer von sechzig auf vierzig Prozent und den Eingangssatz von 27 auf 25 Prozent senkte.

Landwirtschaft: Plansoll nicht erreicht

Georg. Gallus, Staatssekretär im Bonner Landwirtschaftsministerium, weiß es genau: Die Stillegung von Äckern sei „der einzig realistische Weg, um die Produktionsflut zu stoppen“.

Atomgeschäfte in Norwegen: Wie bei Hempels

Jedes Jahr kürt das Nobelkomitee des norwegischen Parlaments den neuen Friedensnobelpreisträger. Das Engagement für Frieden und Abrüstung gehört traditionell zu den Markenzeichen des Königreiches.

Iran: Pilgerfahrt nach Teheran

Die Szenerie konnte kaum gespenstischer sein. Während Bonns Außenminister Hans-Dietrich Genscher sich noch bei den Mullahs der islamischen Republik Iran um das Schicksal des inhaftierten Arztes Ahmed Danesh bemüht, kursieren im Teheraner Hotel Esteghlal, dem früheren Hilton, schon die Gerüchte über die vollzogene Exekution des bekannten Urologen.

Das Wasser am Hals

Lange Jahre haben westliche Experten behauptet, die Sowjetunion halte ihren Staatshaushalt in Friedenszeiten immer ausgeglichen.

Kommt er wirklich frei?

GRAHAMSTOWN. – Der alte Mann nannte ihn nicht Mandela, wenn er von seinem Freund sprach. Er benutzte nicht den Namen, der in der ganzen Welt bekannt ist.

Laßt Worte sprechen

BONN. – Die westdeutsche Demokratie ist zweifellos die langweiligste Veranstaltung der Welt – mit Ausnahme vielleicht die der skandinavischen Staaten.

Was kann den Armen helfen?

ROM. – „Zwar tun sie das Falsche, aber sie tun es beherzt“, das war die Diagnose eines Außenseiters (Dieter Biallas) angesichts des Elans, mit dem vor 20 Jahren ein Neuanfang der Entwicklungshilfe eingesetzt hatte – die „Zweite Entwicklungs-Dekade“.

Blau-weiß-rot-weiß-blau

Die Franzosen haben die Tricolore, die Engländer den Union-Jack, die Amerikaner die Stars and Stripes. Jedes Volk besitzt in seiner Fahne ein Symbol, ein Zeichen und Sinnbild der eigenen Gemeinschaft.

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