Angstpartie
Clayton Flick hatte sich für seine Verlobte ein besonderes Weihnachtsgeschenk ausgedacht: einen Einkaufsbummel durch New York. Für sie und die anderen 256 Menschen an Bord des Pan Am Clippers Maid of the Seas wurde der Flug 103 von London nach New York zu einer Reise in den Tod. Am vergangenen Mittwoch stürzte die Boeing 747 über dem schottischen Ort Lockerbie ab. Ihre Trümmer erschlugen weitere elf Menschen.
Auch eine Woche nach der Katastrophe blieb die Ursache rätselhaft. Sollte das abrupte Abbrechen des Funkkontaktes etwa auf eine Bombenexplosion hindeuten? Hatten die „Wächter der islamischen Revolution“, die sich sogleich des Anschlags bezichtigten, Rache für den Abschuß des iranischen Airbusses über dem Golf genommen? Wollten radikale Palästinenser den Dialog Washingtons mit der PLO torpedieren?
Oder ließ Materialermüdung den schon 19 Jahre alten Großraumjet auseinanderbrechen? Nachdem im Sommer einer Boeing 737 über den Hawaii-Inseln das Kabinendach davongeflogen war und am Montag eine Boeing 727 mit einem Loch im Rumpf in Charleston notlanden mußte, stellt sich die Frage: Beschert uns der Konkurrenzkampf der Fluglinien zunehmend Seelenverkäufer am „offenen Himmel“?
Verbrechen oder Versagen: Nach Lockerbie wird das Fliegen so oder so wieder einmal zur Angstpartie. M. N.






