-
Ausgabe 02/1989

Artikelübersicht
Im Inhaltsverzeichnis dieser ZEIT-Ausgabe finden Sie ab dem Erscheinungstag die Artikel der ZEIT und des ZEITmagazins aufgelistet, die bereits online sind und von Ihnen abgerufen werden können.
- Politik
-
Ein Tag im Leben des Iwan Telewisorowitsch
Die Sowjetunion – bald kolchosfrei?
Das Jahr 1988 war für den Sowjetbürger Jahr des Bildschirms. Was in den Läden und am Arbeitsplatz fehlte, Konsumgüter und Neues Denken, das brachte ihm der Telewisor, der Fernseher, in die gute Stube.
Von Christian Schmidt-Häuer
-
Weltbühne
Eine einzige Familie
Wenn gilt, daß Männer Geschichte machen, Frauen hingegen die Zukunft gestalten, stimmt Margaret Thatchers Neujahrsbotschaft hoffnungsfroh: Das Jahr 1989 sei „das vielversprechendste des Jahrhunderts“, verkündete die ansonsten so nüchterne Lady.
Von Christian Wernicke
-
Was dürfen Deutsche über Israel sagen?
ZWEIERLEI MASS. Kürzlich wurden an einem Tag ein zweijähriges Mädchen und ein fünfzehnjähriger Junge erschossen, ohne daß es zu einem Aufstand oder auch nur zu moralischer Entrüstung bei den Freunden Israels kam.
-
„Ein Kanzler wie ein Eichenschrank“
Helmut Kohl geht ins siebte Jahr seiner Kanzlerschaft, und vom Ende seiner Regierungszeit redet niemand mehr. Eine faszinierende Figur ist er für viele Bürger immer noch nicht; in der Demoskopie wirkt er nach wie vor unscheinbar; er profitiert nicht vom traditionellen Kanzlerbonus.
Von Rolf Zundel
-
Bestechungsaffäre in Tokio
Die Macht des großen Geldes
Ich bin entschlossen, das kommende Jahr für Reformen unseres politischen Lebens zu nutzen“, verkündete Japans Premier Noboru Takeshita bei seiner Pressekonferenz zu Silvester 1988.
Von Helmut Becker
-
Worte der Woche
„Der Wunsch, als zuverlässiger und freundschaftlicher, überdies dankbarer Partner der Vereinigten Staaten zu erscheinen, hat in der Nachkriegszeit zu viel an elementaren Unterschieden zugekleistert.
Von Literaturkritiker
-
Kurzinterview
Polnische Pferde
Der polnische Wagen steckt im Sumpf und nur ein Zwei-Pferdegespann aus dem Oppositions- und dem Regierungslager kann ihn herausziehen“ – so beschrieb Professor Stanislaw Stomma die Lage Polens.
-
Zeitspiegel
Eisig zog es in den Januartagen des Jahres 1889 durch Schloß Mayerling. Die Tür zu den Privatgemächern war verschlossen, das Klopfen des Dieners blieb ohne Antwort.
-
Sowjetischer Gast beim DKP-Parteitag in Frankfurt
Der Freidenker des Sozialismus
Alexander Jakowlew ist der wichtigste Ideengeber und globale Chefstratege Gorbatschows
Von Spd-Bunäestagsabgeordneter und Ex-General
-
Umweltschutz in Brasilien
Gewalt gegen Wald und Mensch
Am verregneten Weihnachtstag wurde in einem elenden Nest Westamazoniens ein Gummizapfer zu Grabe getragen. Chico Mendes, der Waldarbeiter aus Xapuri, war hinterrücks erschossen worden, weil er es gewagt hatte, sich der Zerstörung des Regenwaldes zu widersetzen.
Von Carl Goerdeler
-
Bonner Bühne
Unfähigkeit zur Freude?
Sinnend streifen wir gerade durchs leere Regierungsviertel, innerlich noch ganz erfüllt von diesem schönen Satz, den wir soeben im Festbuch zur 2000-Jahrfeier gelesen haben, daß „extram Bonnam nulla vita“, daß außerhalb Bonns kein Leben ist.
-
Nach dem Anschlag auf den PanAm-Jumbo
Im Dschungel des Terrors
Zweihundertsiebzig Menschen starben einen sinnlosen Tod. Es war kurz vor Weihnachten, als der Jumbo der amerikanischen Fluggesellschaft PanAm auf dem Weg von London nach New York in mehr als 9000 Meter Höhe über der schottischen Ortschaft Lockerbie explodierte.
Von Dietrich Strothmann
-
Kurzportrait
Späte Anerkennung
Am Jahresende starb im Alter von 63 Jahren Julij Daniel, Satiriker, Dichter, Erzähler, Sohn eines jüdischen Schriftstellers, der selbst aus dem Jiddischen übersetzte.
- Wirtschaft
-
Aufwind für Optimisten
Die Prognosen waren nicht gerade vielversprechend. Der Schock, den der Börsenkrach im Oktober 1987 ausgelöst hatte, saß noch tief in den Knochen, als es vor gut einem Jahr darum ging, einen Ausblick auf 1988 zu wagen.
Von Rudolf Kahlen
-
Molke
Waschsalon im Kernkraftwerk
Für vierzig Millionen Mark will Bonn das durch Tschernobyl verseuchte Pulver säubern
Von Herbert Schäfer
-
Umweltschutz
Der Preis des Schrotts
Am vorletzten Tag des alten Jahres, als die Autofahrer gerade darangingen, der höheren Mineralölsteuer durch Volltanken wenigstens noch für einige hundert Kilometer Fahrstrecke auszuweichen, erreichte sie eine neue Hiobsbotschaft.
Von Schöne Aussichten.
- Wissen
-
Bonn will geliebte Tiere nicht mehr als lieblose Sachen bewerten
Menschtier
Tiere sind „bewegliche Einzelsachen“. So sagen die Juristen. In ihrem abstrakten Reich gibt es Kategorien, die so recht nicht mehr in die heutige Zeit passen.
Von Hanno Kühnen
-
Es lebe der Baum
Der Mann, die Sportlerin, das Auto des abgelaufenen Jahres – sie stehen fest. Von den Kandidaten und Exemplaren, die in den kommenden zwölf Monaten das Rennen machen, kennen wir bereits einen Namen: die deutsche Eiche.
-
Hoffnungsvoll
Gelingt dem Sohn, was die Mutter nicht vermochte, der Tochter, was dem Vater versagt blieb – zwischen ihren seit vier Jahrzehnten verfeindeten Staaten einen dauerhaften Frieden zu begründen? Indiens 44 Jahre alter Premierminister Rajiv Gandhi und Pakistans frischgewählte 35jährige Ministerpräsidentin Benazir Bhutto haben zum Jahreswechsel ein hoffnungsvolles Zeichen gesetzt: In Islamabad unterzeichneten sie ein Abkommen, in dem sich beide Seiten verpflichten, die Nuklearanlagen des anderen Landes nicht anzugreifen.
-
Erforscht und erfunden
Den „ungewöhnlichsten Fall einer Empfängnis seit dem Jahre 1 v. Chr.“ beschrieb kürzlich die Münchner Medizinische Wochenschrift (MMW, Nr.
-
Leichtfertiger Vorstoß
Für Sozialdemokraten verbindet sich mit dem Wort Plebiszit eine traumatische Erinnerung. Vor dreißig Jahren hatten sie – damals wie heute Oppositionspartei in Bonn – vergeblich versucht, die Bundesrepublik mit Hilfe einer Volksabstimmung in den Ländern von Atomwaffen freizuhalten.
Von H. Seh.
-
Vierzig Jahre Bundesrepublik: 1948 setzten die Hamburger auf einen Friedhof mit 55 000 Ermordeten ein Gefängnis – auch heute wollen sie daran nichts ändern.
Den „Fluch“ schnell vergessen
Wie die Erinnerung an die Opfer des KZ Neuengamme immer wieder verdrängt wird
Von Viola Roggenkamp
-
Ein Platz noch für die Hoffnung
Die Neujahrsansprache des Bundeskanzlers dauerte zehn Minuten. In diesen zehn Minuten starben auf unserer Erde 270 Kinder an Unterernährung und an vermeidbaren Krankheiten, wurden rund um den Globus 300 Hektar Wald vernichtet, waren zwölf Millionen Flüchtlinge, aus ihrer zerstörten Umwelt vertrieben, auf der Suche nach einer Herberge.
Von Horst Bieber
-
Rakete im Kraftwerk
Mit einem billigen Wasserstoffbrenner ließen sich Energie und Kraftwerke einsparen
Von Gero von Randow
-
Nur ein Alibi
Als der Irak in dem achtjährigen Krieg am Golf wiederholt Giftgas gegen Iraner und Kurden einsetzte, zuckte die Welt nur mit den Achseln.
Von Christoph Bertram
-
Die Crux mit dem Gips
Waldbäume könnten wieder ergrünen, mehr Laub und Nadeln tragen und es sei zu hoffen, daß die für neuartige Waldschäden so typischen Vergilbungen verschwänden.
- DIE ZEIT
-
Programmstreit in der SPD
Wie links darf’s denn sein?
Zwei Tage lang werden sich die Sozialdemokraten Mitte kommender Woche in einem Bonner Hotel einschließen, um noch einmal Einvernehmen über die letzten strittigen Fragen ihres neuen Grundsatzprogramms zu suchen.
-
Abkehr von Europa
In Marokko wird ein sozialistischer Politiker ermordet, in Algerien verschanzen sich Fromme in einer Moschee und töten einen Polizisten, in Tunesien werden Fastenbrecher mit Salzsäure überschüttet, während in Touristenhotels Bomben explodieren.
-
Schwimmbad im Meer
Der Köderfisch zappelt an der Harpune. Sofort schnellt der erste Riffhai heran. Sein Maul schnappt gierig zu; einmal, zweimal, dreimal, und die Hobby-Photographen versuchen, den Augenblick im Bild festzuhalten.
Von Bernd Miillender
-
Krieg der Heuchler
Vollends klar wird der Fall, wenn man jenes Argument betrachtet, das sowohl der Bauernverband als auch das Bonner Landwirtschaftsministerium neben dem „Verbraucherschutz“ noch zugunsten des Hormonverbots anführen: Es gibt, so heißt es, ja ohnehin zuviel Fleisch auf der Welt, so daß man es nicht auch noch „künstlich“ vermehren müsse.
-
Wolfgang Ebert
Gut abgehört
Rupert Scholz: „Klar, Herr Bundeskanzler, das kann ich Ihnen in die Hand versprechen: Ich werde die Bundeswehr von allen Turbulenzen freihalten, dabei kann ich mich auf die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Staatssekretär Würzbach verlassen.
-
Vor hundert Jahren: Friedrich Nietzsches Zusammenbruch in Turin
Das alte Geschöpf . . . . . . gibt auf
Turin, Bahnhof Porta Nuova, am Mittwoch, dem 9. Januar 1889, gegen 13 Uhr 45. Drei Herren mittleren Alters, mit Mänteln und leichtem Reisegepäck, betreten die Bahnhofshalle und begeben sich zu dem Gleis, auf dem der Expreßzug nach Basel über Mailand-Chiasso-Gotthard-Luzern-Zürich bereitsteht, planmäßige Abfahrt 14 Uhr 20.
-
Drei auf einen Paß
So eindrucksvoll, als wollte jedes Land zeigen, was es an prächtiger Bergwelt zu bieten hat, liegen sie da aufgereiht: die sanftgeschwungenen Karawanken, die markanten Gipfel der Julischen Alpen, die Karnischen Alpen und die Tauernkette.
Von Heidi Ganser
- Gesellschaft
-
Filme
Ein fliederfarbener Film, zusammengesetzt aus den cremigen Tönen, mit denen Waschmittel werben, und der ganzen Palette orientalischer Gärten.
-
Kino: „Wolfsmilch“ von Hector Babenco
Die Spatzen werden singen
Ein merkwürdiges Arrangement: Eine amerikanische Tragödie (nach dem preisgekrönten Roman von William Kennedy), von einem Argentinier für ein großes amerikanisches Studio inszeniert – mit einem Brasilianer an der Kamera.
Von Norbert Grob
-
MANAGER UND MÄRKTE
Hirnbiologie und Nahkampftraining: Führungskräfte präparieren sich mit ungewöhnlichen Methoden für ihre Arbeit
-
Fernseh- Vorschau
Aus zweiter Hand
Joseph Morder ist ein Kinobesessener, ein exemplarischer Cineast, der schon als Kind begonnen hat, Filme zu drehen. Er ist heute 37 Jahre alt und hat bereits dreihundert Super-8-Filme produziert: auf eigene Rechnung.
Von Barbara Sichtermann
-
Es geht um das Herzstück
Hensche: Die Kassenlage ist in Ordnung. Überdies drohen wir nicht mit Streik, sondern wir sehen uns gezwungen, Arbeitskampfmaßnahmen ins Auge zu fassen.
-
Restplatzbörse für Kreuzfahrtschiffe
Das Angebot an Schiffen und Seereisen wächst zwar kontinuierlich, doch die Zahl der Kreuzfahrtkunden stagniert bei rund 150 000 im Jahr.
Von A. O.
-
Grönland oder Jemen
Was tun? Einfach einen Stapel Kataloge holen und durchblättern? Nein. Das wäre a) zu banal und würde b) auch viel zu lange dauern.
Von Monika Putschögl
-
Gewöhnlich herrschte Nebel
Der Brocken – Türme und Granitklippen zum Greifen nahe, aber fern wie die Kindertage
-
LÄNDER IM VERGLEICH
Der Anteil des Handels mit anderen EG-Ländern am gesamten Außenhandel ist bei den einzelnen Mitgliedstaaten unterschiedlich hoch.
-
Fernseh-Kritik
Hoffnungsschimmi
Was ein Lichtjahr sei und daß ein Wesen vom Andromeda-Nebel äonenlang zu uns auf Reisen wäre, erklärt Kommissar Thanner dem Kollegen in der ersten Einstellung.
-
Töpfern beim Bauern
Unbeeindruckt von Hormonskandal und Überdüngung gilt für die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) – laut Pressemitteilung – der „Bauernhof immer noch als Urlaubsort, an dem Umweltschäden kaum eine Rolle spielen“, wo man „unberührte, gepflegte Natur genießen“ kann.
-
Der Berliner Reichstag und seine politischen Restauratoren in Bonn und West-Berlin: Sie schwärmen von einer neuen Kuppel, statt über eine neue Funktion nachzudenken. Dabei gibt es gescheite Anregungen: Mitterrand sieht in Berlin die „Hauptstadt des Dialoges“, Gorbatschow spricht vom „gemeinsamen Haus Europa“ – was läge da näher als die Idee Walter Scheels, den Reichstag zum „zentralen Treffpunkt von Ost und West“ zu machen. Er liegt genau an der Schnittlinie zwischen Ost und West und hat Zugänge aus allen vier Himmelsrichtungen.
Ein Haus in Europa
Ein „Gipfel der Geschmacklosigkeit“ war das Reichstagsgebäude für Wilhelm II., aber August Bebel fand es schön. Hermann Muthesius, Mitgründer des Deutschen Werkbundes, nannte es einen „Schöpfungsbau“, mit dem „ein neuer Zeitabschnitt in der deutschen Baukunst begann“, aber der Berliner Stadtbaurat Martin Wagner dachte in den zwanziger Jahren an Abriß.
Von Robert Frank
-
DAS LETZTE
Ja, damals. Damals lagen wir vorn. Damals auf der Barrikade gegen die verzopften Bildungsideale und die himmelschreiende Ungerechtigkeit, daß nur fünf Prozent der Arbeiterkinder Abitur machen.
-
Nicht gern gesehen: Heli-Skiing
Helikopter-Skiing schädigt die Vegetation, beunruhigt Tiere und belästigt die Einheimischen ebenso wie die Touristen. Zu diesem Schluß kam Bayerns Umweltminister Alfred Dick.
Von Franziska Jänz
-
ZEITRAFFER
Kräftige Zuwächse konnten im vergangenen Jahr die zwölf internationalen Verkehrsflughäfen der Bundesrepublik verbuchen. Die Zahl der Fluggäste stieg auf 68 Millionen und lag damit um sieben Prozent höher als 1987.
- Kinder- und Jugendbücher
-
Historischer Roman
Polenkinder im Kohlenpott
Deputatkohlen liegen vor Kellerfenstern. Tauben gurren im Schlag. Vier, fünf Kinder toben durch die kleinen Zimmer der Bergmanns-Siedlung.
-
Bockenheimer Bilder
Große Liebe
Der vierte Band der Bildergeschichte aus Bockenheim ist da. Die Zeichnerin weiß, wie Neugier zu wecken ist. Rückenansicht auf dem Umschlag: eine Gans, die den Stamm eines Blütenbaumes mit ihren Flügeln umklammert und beunruhigt verfolgt, wie ein hübsches Schwein mit koketter Miene einer Pünktchenkleidmaus Einblick in einen Schnellhefter gewährt – Gustav, der Verwirrte, Ingeborg, die Begehrte, und Erna, die Fürsorgliche.
-
LUCHS 28
Gibt es heute, in der Zeit des Waldsterbens und der durchrationalisierten Holzproduktionsstätten noch Märchenwälder, die uns beglücken, Erhabenheit ahnen lassen und uns ein wenig gruseln machen? Wer es nicht glauben will, der lasse sich von einem Magier der Kamera, von dem Engländer Stephen Dalton in eine ferne Wunderwelt vor unserer Haustür versetzen.
- Kultur
-
Mit vielen grauen Eminenzen
Eine Sammlung von Lebensläufen zur Epoche von Weimar war längst vonnöten. Selten sind in den so beliebten Strukturanalysen, aber auch in ereignisgeschichtlichen Darstellungen genaue Lebensdaten der am historischen Prozeß Beteiligten aufgenommen.
Von Karlheinz Dederke
-
Zeitmosaik
Der Jahrestag, als der Tag, an dem das Jahr sich jährt, an dem es also aus seinem zeitlichen Ursprung heraus in den Bereich der reinen Jahrheit tritt, welche zugleich die Wahrheit über die Vollendung des Seins im Aufgang seiner Zwiefalt als arché und Epoche ist, erfüllt das Maß des Seienden als eines zu Bemessenden über alles menschliche Meinen, Messen oder Meckern hinaus.
-
Architektur
Haus für seelenkranke Täter
Ermutigende Erfahrungen mit dem neuen Festen Haus der Karl Bonhoeffer-Nervenklinik zu Berlin
Von Manfred Sack
-
Axel Eggebrecht wird 90
Der glückliche Aufklärer
Ein hochgewachsener Mann, hager, zerknittert, sehr aufrecht, scharf“: so beschrieb Robert Neumann in den sechziger Jahren Axel Eggebrechts äußere Erscheinung.
Von Hanjo Kesting
-
Kunstkalender
Gelegentlich begegnete man dem Norweger in Ausstellungen deutscher Malerei des 19. Jahrhunderts, eingereiht zwischen die Romantiker.
-
Zeitgenosse Chr. M. Wieland
Drei Bände, zwei davori je ein dreivierteltausend Seiten dick, finanziert durch das schwäbische Mini
-
Wahn und Wirklichkeit deutscher Seefahrt
Eigentlich Kaufmannsvokabel, importiert aus dem britischen Empire, wurde dieses Wort im deutschen Kaiserreich zum gleißenden Begriff auch im politischen Handeln: oversea, Übersee, das war Parole für das Streben nach Wirtschafts-, See-, Kolonial- und schließlich Weltmacht.
Von Alexander Rost
-
Die moderne Kunst haßt sich selbst
Das Kunststück zu bringen, alt und jung zugleich zu sein, ist bisher nur der modernen Kunst gelungen. Sie ist jetzt gut über hundert Jahre alt und geriert sich immer noch jung: sie ist immer noch Avantgarde – wie eh und je.
Von Klaus Fußmann
-
Schallplatte
Dubiose Repertoire-Politik: innerhalb eines Jahres nach der Produktion mit Riccardo Muti legt der EMI-Konzern bereits die zweite Studioaufnahme des gleichen Werkes vor, diesmal mit dem Ensemble der Opernfestspiele aus Glyndebourne unter der Leitung von Bernard Haitink.
Von Martin Ahrends
-
Miriam Cahn im Kunstverein Hannover: „Lesen im Staub“
Landschaften der Seele und des Körpers
Sie tanzt im Staub, sie kniet im Staub, sie wirft sich hinein. Ihre Füße, ihre Hände markieren Farbbahnen. Spuren zieht sie durch die Schichten pulverisierter Kreide, tastet im Schwarzen, schreibend, zeichnend, ihr Leben nach, eins mit dem Material, das spröde ist und stumpf – ein ungewöhnlicher Gehilfe, um Dasein auszukosten.
Von Ursula Bode
-
Antwort an meine Kritiker
Wer ein Tabu anrührt, muß damit rechnen, nicht nur auf Zustimmung, sondern vor allem auf Ablehnung zu treffen. Nämlich bei den mehr oder weniger beamteten Tabuhütern.
Von Günter Kunert
-
BUCH IM GESPRÄCH
So oder so: Umsturz
Die Bombe hat unsere Träume verändert, die „friedliche Nutzung“ der Atomenergie rüttelt gelegentlich an unseren Eßgewohnheiten; die Chemie verändert unser Verhältnis zu Flüssen und Fischen, die Gentechnik stellt das alte Bild vom Menschen in einen neuen Rahmen.
Von Mathias Greffrath
-
Über eine verbreitete Form kultureller Nekrophilie
Das Jahr: ein Jahrestag
Dieses Jahr wird ein gewaltiges Jahr. Jesus wird (vermutlich) 1993, Goethe wird (sicher) 240, Willi Winkler (hoffentlich) 32, Steffi Graf 20.
- Länderspiegel
-
Sanierung
Keine Angst vorm Vakuum
Der Künstler Anselm Kiefer will eine alte Lokomotivenfabrik als Atelier benutzen
Von Amber Sayah
-
Vor zehn Jahren ist der Steppenbrand des Fundamentalismus von Chomeini im Iran entfacht worden. Jetzt hat er auch die nordafrikanischen Länder des Maghreb erfaßt, wo Wirtschaftskrisen und Korruption die Autorität der Regierungen untergraben.
Allah ist mit den Armen
Im sozialistischen Modell-Staat Algerien hören die Massen lieber auf die Mullahs
Von Joachim Fritz-Vannahme
-
Besucherdienst
Den kennt ja keiner
In einer Ecke auf dem Flur des Altenheimes sitzen zwei Frauen zusammen: Hedwig Kiekbusch und Gisela Bartlewski. Seit etwa zwei Jahren sehen sie sich regelmäßig.
Von Beatrix Bursig
-
Schülerproteste gegen Gesamtschule
Aufstand für die Tradition
Fachkundigen Befürwortern des dreigegliederten Schulsystems gilt ein Abitur auf dem Katharineum zu Lübeck seit jeher als Krönung der gymnasialen Laufbahn.
Von Karl Hermann
- Lebensart
-
Besuch aus Nicht-Amerika
Nach Georgia verweht: Das Abenteuer einer Woche unter Studenten im amerikanischen Süden
Von Wolfgang Ebert
-
Ibrahim Souss
Mit dem Krieg spielt man nicht
Der Pariser PLO-Gesandte und sein „Brief an einen jüdischen Freund“: poetisch und polemisch
Von Joachim Fritz-Vannahme
-
Frag mich was!
Ich habe gelesen, daß ein Mensch, der mit Lichtgeschwindigkeit in den Weltraum reisen und nach 1000 Jahren Erdzeit wieder zur Erde zurückkehren wurde, dann nur 50 bis 60 Jahre alter wäre als bei der Abreise.
-
Heinz Werner Hübners Vogelalmanach (47): Der Teichrohrsänge
Sänger des Jahres
Vor dreißig Jahren war er noch häufig. Da war er noch am Rande der Großstädte anzutreffen, in Hamburg zum Beispiel am Krupunder See und am Eppendorfer Mühlenteich, in Berlin am schilfbewachsenen Ufer der Havelbuchten.
-
Zeitlese
In der feministischen Zeitschrift Emma lesen wir, was Ulrich Held, 59 Jahre alt, kaufmännischer Angestellter, über seine Teilnahme am Hausarbeitskurs für Männer im „Mütterzentrum Langen“ berichtet: „Die Frau und der Mann sind ja heute meistens beide berufstätig.
-
Körperkunst aus New York
Zärtliche Spiele auf der Haut
Als Gott die Welt erschaffen wollte, grub er ein Loch in die Erde und formte aus Lehm zwei Menschenstämme, dem einen gab er die Jagd, dem anderen die Landwirtschaft.
Von Ulrich Herrmann
-
Karlfried Graf Dürckheim
Tod des „Meisters“
Der alte Mann, zu dem die Leute von weit her kamen, saß mir gegenüber in seinem dunklen Schwarzwaldhaus, halb erblindet schon, schwerhörig.
Von Rolf Zundel
- Tribüne
-
In der Schule Europas
ADRID.– Spanien ist vom Euro-Enthusiasmus gepackt. Viele Spanier sehen in der westeuropäischen Integration die Chance, spanische Tradition mit dem Engagement für das Moderne zu verbinden.
Von Victor Perez-Diaz
-
Geteiltes Land der Juden
Es gibt zwar ein erstaunlich hohes Maß gesellschaftlichen Zusammenhaltes, aber er verbindet sich mit wachsenden sozialen, ideologischen und politischen Gegensätzen.
Von Yair Evron
-
Blufft er, oder macht er ernst?
WASHINGTON. – In den vergangenen Monaten hat Afghanistan nur wenig Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Aber das könnte sich bald ändern.
Von Jerry F. Hough
-
VOR VIERZIG JAHREN
Liebesbrief an eine Schönheitskönigin
Gleich am Anfang bin ich in Verlegenheit: Wie redet man eine Schönheitskönigin an? Alle mir bekannten Anreden passen nicht. Man könnte entsprechend „Euer Durchlaucht“ eventuell Euer „Frei zur Durchsicht“ oder auch „Eure Ausgezogenheit“ sagen.
Von Karl N. Nicolaus
- unzugeordnet
-
Steuern mit Steuern
Seit fast zwanzig Jahren wird in der Bundesrepublik Umweltpolitik betrieben. Seitdem sind sich auch die jeweilige Regierung und Opposition darüber einig, daß für die Umweltschäden derjenige zahlen soll, der sie verursacht (Verursacherprinzip).
Von Fritz Vorholz
-
Bonner Kulisse
Wie gewohnt schickte CDU-Generalsekretär Heiner Geißler zum Jahreswechsel seinen Parteifunktionären einen Brief, in dem er die politische Bilanz der vergangenen zwölf Monate zog.
Von Wolfgang Hoffmann
-
Erika Martens:
Vorwärts in die Vergangenheit
Vor zwei Jahren ging es noch um den Samstag. Damals stellte der IG-Chemie-Vorsitzende Hermann Rappe den sechsten Tag der Woche zur Disposition und sein Vorstandskollege Horst Mettke wurde dafür bei einer Veranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Frankfurt von Kollegen der IG Metall so ausgebuht, daß er seine Rede abbrechen mußte.
-
Krieg der Heuchler
Einer der ersten Treffer im neuen Handelskrieg um hormonbehandeltes Fleisch aus Amerika schlug am Buschwerder Hauptdeich in Hamburg ein.
Von Nikolaus Piper