Hintertür
Wenn die amerikanische Öffentlichkeit darauf gehofft hatte, endlich die wahren Hintergründe des Iran-Contra-Skandals kennenzulernen, wird sie sich weiter gedulden müssen. Der für den 31. Januar angesetzte Prozeß gegen den Hauptakteur der Affäre, Oliver North, wird die volle Wahrheit jedenfalls nicht ans Tageslicht befördern. Vorerst steht nicht einmal fest, ob und unter welchen Umständen das Verfahren überhaupt stattfindet.
Als Hindernis auf dem Wege zur Rechtsfindung entpuppt sich wieder einmal die Sorge um Amerikas Sicherheit. Sie hat schon Mitte der achtziger Jahre den Oberstleutnant dazu bewogen, an den dubiosen Waffengeschäften mit dem Chomeini-Regime teilzuhaben und deren Erlös verbotenerweise den nicaraguanischen Contras zukommen zu lassen. Jetzt öffnet ihm dieselbe Sorge die Hintertür zu einer entschärften Anklage. Der Trick: Reagans „Nationalheld“ verlangte, zu seiner Entlastung Hunderte von Geheimdokumenten in den Prozeß einzuführen. Dagegen sperrte sich das Weiße Haus. Natürlich aus Besorgnis um die national security.
Die Folgen der Verweigerung stimmen fast alle zufrieden. Oliver North ohnehin, denn der Sonderanwalt mußte die Hauptanklagepunkte „Verschwörung“ und „Diebstahl von Regierungseigentum“ gegen ihn fallenlassen. Ronald Reagan und George Bush können froh sein, denn sie brauchen nun aller Voraussicht nach nicht mehr als Zeugen aufzutreten. Schließlich bleibt dem Publikum der Blick in die Abgründe der Regierungspolitik erspart. Er hätte den Amerikanern auch nur Sorgen um ihre eigene Sicherheit beschert. D. B.





